Die Geldfalle/Das Geldrätsel

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In diesem Kapitel bekommen Sie einen wichtigen Schlüssel für den ganzen Krimi

Kaum etwas bestimmt unser Leben so sehr wie das Geld und dennoch ist kaum einer unter Tausend in der Lage zu sagen, was Geld eigentlich ist und wie es funktioniert. Legen Sie das Buch einmal kurz zur Seite und stellen Sie sich vor, Sie müssten jemandem erklären was Geld ist. Was würden Sie sagen? In der Tat gibt es ja eine verwirrende Fülle von Antworten und Erklärungen auf diese Frage und man hat oft den Eindruck, dass diese Antworten mehr Verwirrung stiften als Klarheit schaffen. Eine recht gute Definition lautet z. B. „Geld ist eine Übereinkunft unter Menschen, einen bestimmten Gegenstand als Tauschmittel zu benutzen.“ Das ist eine sehr einfache und plausible Definition. Aber was haben Sie von einer solchen Definition? Selbst wenn man sie auswendig lernt, hilft sie wirklich weiter? Ich will Ihnen einmal eine simple Zweiteilung zeigen, mit der Sie in Geldfragen wirklich etwas anfangen können. Wenn Sie diese Zweiteilung einmal verstanden haben, können Sie plötzlich viele geldtheoretische Fragen sehr einfach verstehen und sich selbst erklären. Wahrscheinlich kennen Sie ja das Gefühl des Erkenntnisblitzes, einer Aha-Reaktion, bei der Sie zu sich selbst sagen, ach so ist das. Wenn man das Erste mal verstanden hat, dass ein Vertrag zwischen zwei Menschen einfach durch zwei übereinstimmende Willenserklärungen zustande kommt, ist das so eine Aha-Reaktion. Und wenn man dann weiter erfährt, dass es sich hier um Schuldrecht handelt, womit Beziehungen zwischen Menschen geregelt werden und dass es daneben Sachenrecht gibt, womit Beziehungen zwischen Menschen und Sachen geregelt werden, versteht man plötzlich viel besser, wovon Juristen reden. Wenn man diesen Zusammenhang einmal verstanden hat, kann man sich vieles selbst erklären und ableiten. Die zwei Schubladen Schuldrecht und Sachenrecht schaffen einfach Ordnung im Kopf.

Zwei solche Schubladen gibt es auch in der Geldtheorie. Sie müssen nur einmal verstanden haben, dass es zwei prinzipiell verschiedene Arten von Geld gibt, nämlich Kreditgeld und Warengeld. Sobald Ihnen das klar ist, verstehen Sie plötzlich geldwirtschaftliche Zusammenhänge, die bisher höchst verwirrend waren, viel einfacher. Ich möchte sogar hinzufügen, dass Sie damit mehr von Geld verstehen als viele Experten, denen dieser Zusammenhang nicht klar ist. Die meisten Experten sitzen nämlich heute nur in einer Schublade und zwar in der Kreditgeldschublade. Wenn die über Geld reden, meinen sie immer nur Kreditgeld - sie reden nur im Schuldrecht - nur Schuld ist Geld, es wird nur die Schuldner- Gläubigerbeziehung betrachtet. Das war aber nicht immer so. Vor noch nicht allzu langer Zeit saßen nahezu alle Experten ausschließlich in der anderen Schublade, gleichsam in der Sachenrecht-Schublade. Damals gab es nur Warengeld, nur Gold und Silber waren Geld und Papiergeld musste durch eine Ware, nämlich Gold oder Silber, gedeckt sein bzw. stand nur stellvertretend für die Ware. Wenn Sie also mit einem Fachmann über Geld reden, müssen Sie sich immer als erstes klar machen, in welcher Schublade er sitzt, bzw. von welcher Schublade er redet. Viele Fachleute werden Ihnen erzählen, es gebe heute nur noch eine Schublade, nämlich das Kreditgeld. Gold und Silber seien kein Geld mehr. Aber das dürfen Sie nicht glauben. Vertrauen Sie da einfach Ihrem eigenen Verstand. Wenn Ihnen jemand erzählen würde, es gebe nur noch Schuldrecht und kein Sachenrecht mehr, würden Sie das glauben? Seit es Menschen gibt, hat es Schuldrecht und Sachenrecht gegeben und das wird es auch in Zukunft immer geben.

Genauso verhält es sich mit dem Geld. Seit es Menschen gibt, kennt man Kreditgeld und Warengeld und beides wird es immer gleichzeitig nebeneinander geben. Allein die Tatsache, dass nahezu alle Zentralbanken dieser Welt etwa 1/3 ihrer Währungsreserven in Warengeld, nämlich Gold, halten und nur 2/3 in Kreditgeld zeigt deutlich, dass es auch heute beide Geldarten nebeneinander gibt.

Die meiste Verwirrung entsteht nun dadurch, dass die beiden Schubladen Kreditgeld (Schuldgeld) und Warengeld ständig miteinander verwechselt werden, ohne dass gesagt wird, wovon gerade die Rede ist. In den Köpfen der meisten Menschen purzeln die beiden Schubladen immer munter durcheinander, was nur durch die geschichtliche Entwicklung zu erklären ist, wie wir später noch sehen werden. Die meisten Menschen glauben heute, dass unser Geld durch irgendetwas gedeckt sei, z. B. durch das Bruttosozialprodukt, dass es sich also eigentlich um Warengeld handele. Aber das ist nicht der Fall. Unser Geld ist heute mit nichts mehr gedeckt und nur noch ein undefiniertes Schuldversprechen. Es gibt in der Tat nur noch Kreditgeld im täglichen Verkehr. Warum trotzdem das viele Warengeld (Gold) noch bei den Zentralbanken herumliegt weis niemand so recht zu sagen. Aber bevor wir uns in die Abgründe des modernen Geldwesens begeben, wollen wir uns erst noch einmal den wichtigen Unterschied zwischen Warengeld und Kreditgeld klar machen, damit wir dieses erklärungstüchtige Werkzeug dann immer richtig einsetzen können.

  • A Warengeld

Die Vorteile eines Zwischentauschmittels sind oft beschrieben worden und dürften wohl auch hinreichend bekannt sein. Indem man nicht mehr direkt tauscht (Naturaltausch) sondern eine Standardware wie Vieh, Zigaretten, Muscheln, Salz, Gold oder Silber als Zwischentauschmittel, also Geld, benutzt, wird man unabhängig von Zeit und Raum, es bilden sich Handel, Märkte und Arbeitsteilung aus. Dabei kann im Grunde jede Ware als Zwischentauschmittel dienen, entscheidend ist nur, dass diese Ware von möglichst vielen anderen Menschen auch begehrt wird. Nur dann kann eine Ware zu Warengeld werden. Dieser Punkt ist wichtig. Man kann nämlich Menschen nicht zwingen, etwas zu begehren.

Nun könnte man versucht sein zu sagen, umgekehrt würde ein Schuh daraus, die Menschen wollen die Ware nur haben, weil sie als Geld dient. Aber das ist ein Trugschluß. Wenn die Menschen die Ware nicht mehr haben wollen, ist sie auch kein Geld mehr. Das heisst, keine Obrigkeit kann auf Dauer gegen den Willen der Bevölkerung irgendetwas als Geld einführen. Bei manchem Leser wird dieser Satz vielleicht jetzt noch Widerspruch erregen. Aber nehmen Sie ihn mal einfach so hin. Es wird später klarer, was damit gemeint ist und warum das so ist.

Neben der allgemeinen Akzeptanz kamen noch ein paar praktische Gesichtspunkte hinzu, die Gold und Silber über Jahrhunderte zur bevorzugten Zwischentauschware, zum Warengeld, werden ließen. Aber das ist hier nicht der entscheidende Punkt.. Worauf es hier zur Unterscheidung von Kreditgeld ankommt ist etwas Anderes. Bei Warengeld bezahle ich immer mit einem bereits vorhandenen Gegenstand. Die Zwischentauschware ist bereits erzeugt und vorhanden. Ich tausche gleichsam eine Ware, nämlich die Zwischentauschware Gold oder Silber gegen eine andere Ware ein. In dem bekannten marx‘schen Schema dürfte man eigentlich nicht schreiben Ware - Geld - Ware sondern vielmehr Ware - Zwischentauschware - Ware. Entscheidend ist , dass die Gegenleistung in der Vergangenheit bereits erbracht wurde. Sie steckt gewissermaßen in dem Goldstück, das ich übergebe, denn das Gold musste ja erst gefunden, gefördert und gemünzt werden. Ich erzeuge also erst etwas und bezahle dann mit diesem Erzeugnis. Ich bezahle (tausche) mit einem realen werthaltigen Gegenstand, ich übertrage Eigentum an einem Ding, wir bewegen uns also im Sachenrecht.


  • B Kreditgeld

Ganz anders ist es beim Kreditgeld. Hier bezahle ich mit einer Leistung, die erst für die Zukunft versprochen wird. Kreditgeld entsteht ausschließlich durch Verschuldung, indem jemand das Versprechen abgibt, in der Zukunft eine Leistung zu erbringen. Dieses Versprechen wird dann in irgendeiner Form notiert, z. B. als Wechsel, als Schuldschein, als Geldschein, als Buchgeld oder neuerdings auch elektronisch auf Plastikkarten oder in Computern und diese Zettel, Notizen oder elektronischen Informationen laufen als Geld um, solange die Schuld besteht. Hier sind wir an einem ganz entscheidenden Punkt angelangt, in dem sich Kreditgeld und Warengeld unterscheiden. Warengeld in Form von Gold und Silber kann im Grunde ewig umlaufen. Es geht nie wieder unter. Alles Gold, das jemals gefördert wurde, ist praktisch immer noch vorhanden und es gibt heute noch alte römische oder griechische Münzen, die sofort wieder als Geld dienen können und nach wie vor Wert haben.

Anders beim Kreditgeld. Dieses entsteht mit dem Schuldversprechen, mit dem Akt der Verschuldung und es verschwindet wieder, wenn die versprochene Gegenleistung erbracht wird. Der Schuldschein wird zerrissen. Mit jeder offenen Rechnung entsteht praktisch Kreditgeld oder Schuldgeld. Wenn ich eine Ware beziehe und die Gegenleistung erst in 3 Monaten verspreche ist damit für 3 Monate neues Kreditgeld entstanden. Üblicherweise wird darüber ein Wechsel ausgestellt und der Wechsel läuft dann 3 Monate als Kreditgeld um und wird bei Fälligkeit zerrissen bzw. ungültig gemacht.

Ein entscheidender Unterschied ist also, dass es sich bei Warengeld um eine bereits in der Vergangenheit erbrachte Leistung handelt, während bei Kreditgeld die Leistung erst für die Zukunft versprochen wird. Der zweite Unterschied ist, dass Warengeld nicht untergeht, während Kreditgeld entsteht und wieder vergeht.

Bei Warengeld befinden wir uns in der Sachenrechtschublade, bei Kreditgeld in der Schuldrechtschublade. Die meiste Verwirrung entsteht wie gesagt dadurch, dass beide Schubladen ständig miteinander verwechselt werden und das hat einen einfachen geschichtlichen Grund.

Die Banknoten, die früher als Geld benutzt wurden, dienten häufig gleichzeitig für zwei völlig verschiedene Sachverhalte. Man übertrug einmal Eigentum (Sachenrecht, Warengeld) und im anderen Fall eine Forderung (Schuldrecht, Kreditgeld). Man sah es der Banknote aber nicht an, welcher Funktion sie gerade diente. Diese Entwicklung läßt sich nur historisch erklären. So lange nur mit Gold- und Silbermünzen bezahlt wurde, war alles klar. Wenn ich mit einer Silbermünze bezahle, übertrage ich Eigentum an 10 Gramm Silber. Als man anfing, Gold bei einer Bank zu hinterlegen und mit der dafür ausgegebenen Banknote zu bezahlen, die ja praktisch ein Lagerschein war, da war auch noch alles klar. Als aber die Bank anfing, Kredit zu gewähren, war die Konfusion da. Jetzt konnte die gleiche Banknote nämlich sowohl ein Anspruch auf Eigentum also ein Lagerschein als auch eine Schuldurkunde, also ein Zahlungsversprechen sein. Erst beim Konkurs der Bank zeigte sich, welcher Anteil der Noten durch Gold gedeckt war und welcher Anteil nur ein leeres Zahlungsversprechen der Bank war.

Fazit: Sie sollten jetzt in der Lage sein, dass mächtige Werkzeug der Unterscheidung zwischen Warengeld und Kreditgeld bei Ihren künftigen Geldanalysen einzusetzen. Sie wissen jetzt, dass Sie bei Warengeld mit einem begehrten Vermögensgegenstand bezahlen, während Sie bei Kreditgeld mit einem Schuldversprechen zahlen. Und Sie wissen jetzt auch, dass die immer wieder vorgetragene Behauptung, Geld sei im Laufe der Geschichte immer stoffloser und unsichtbarer geworden, schlichter Unsinn ist. Man hört ja immer wieder das Argument, Geld sei immer imaterieller geworden, habe sich im Laufe der Geschichte immer mehr von einem physischen Gegenstand, von einer Münze oder einem Schein zu einem elektrischen Impuls zu reiner Information gewandelt. Aber das ist wie gesagt schlichter Unsinn. Kreditgeld, also ein Schuldvertrag, war schon bei den alten Griechen genauso „unsichtbar“ wie heute, während Warengeld, z.B. ein Goldstück heute noch so sichtbar ist wie vor tausend Jahren. Ein Vertrag gilt eben auch, wenn ich ihn nicht aufschreibe, ist also unsichtbar. Ob ich ihn zum Zwecke der Erinnerung auf Papier notiere, in Holz schnitze, Stein meisele, elektronisch auf Plastikkarten oder in Computern festhalte, ist letztlich belanglos. Es geht zunächst nur darum, ein im Prinzip unsichtbares Schuldverhältnis zu notieren. Damit ändert sich aber am Geld noch gar nichts. Allenfalls kann man sagen, dass es heute sehr viel mehr „unsichtbares“ Kreditgeld gibt als „sichtbares“ Warengeld. Was sich geändert hat ist lediglich die Technik der Geldübertragung. Meist wird aber von den Autoren, welche die These vortragen, Geld werde immer stoffloser, ja irgendwie der Eindruck erzeugt, das altmodische Gold, wie auch danach das Papiergeld, werde von modernen Überweisungssystemen, von Schecks und Lastschriften, Kreditkarten und elektronischen Zahlungssystemen verdrängt. Dabei lässt sich oft nicht sagen, ob diese Autoren nur schlampig denken oder ob sie gezielt Verwirrung stiften wollen, um Falschgeld zu legitimieren. Denn bei diesen modernen Techniken handelt es sich natürlich nicht um neue, andere Geldformen, sondern einfach um moderne Übertragungstechniken für die beiden uralten Geldformen Kreditgeld und Warengeld. Natürlich kann ich Eigentum an Gold, genauso wie ein Schuldverhältnis auch, in hochentwickelten Überweisungssystemen übertragen, mit Schecks und Lastschriften, mit Kreditkarten oder elektronischen Zahlungssystemen. Damit ist Gold als Geld nicht im Geringsten stoffloser geworden und auch am Kreditgeld hat sich nichts geändert.

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