Die Geldfalle/Das Komplott der Gebrüder Hunt
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Sollte man sich in so gefährlichem Gelände auf den Weg zu finanzieller Freiheit begeben?
Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum der erfolgreichste Investor aller Zeiten, nämlich Warren Buffet, in letzter Zeit massiv in Silber investiert? Auch George Soros und Bill Gates investieren neuerdings in Silber. Könnte es sein, dass diese Leute etwas über Silber wissen, was Sie nicht wissen? Silber hat in der Tat einige faszinierende Aspekte, die weithin unbekannt sind. Fast jeder erinnert sich an das berühmte Silberkomplott der Gebrüder Hunt als Beispiel dafür, wie gefährlich eine Spekulation in Silber sein kann. Aber kaum jemand weis, was damals wirklich geschah und dabei ist die Geschichte spannend wie ein Kriminalroman, der in allerhöchsten Finanzkreisen spielt.
Lassen Sie mich am Ende dieses Buches noch die spannende Geschichte des Silbers erzählen und Ihnen zeigen, warum Silber das Investment sein könnte, mit dem Sie von der kommenden Entwicklung vielleicht am meisten profitieren können.
Über Jahrtausende war eigentlich Silber das monetäre Metall, nicht Gold. Erst im 18. Jahrhundert wurde Gold allmählich zur alleinigen Währungsgrundlage, bis dann vor 30 Jahren das große Experiment mit reinem fiat money gestartet wurde. Silber verlor beim Übergang zur Goldwährung seine monetäre Rolle, es wurde völlig demonetisiert, während Gold seine Rolle als Geld auch heute noch tapfer verteidigt. In ihrer Erklärung vom 26. Sept. 1999 haben 15 europäische Zentralbanken unmißverständlich darauf hingewiesen, dass Gold weiterhin eine zentrale Rolle im Geldsystem spielen wird und auch Alan Greenspan hat sich vor kurzem im gleichen Sinne geäußert, mit seiner oft zitierten Aussage vor dem Bankenausschuß des Repräsentantenhauses. „Gold still represents the ultimate form of payment in the world. Fiat money in extremis is accepted by nobody. Gold is always accepted and is perceived to be an element of stability in the currency and in the ultimate value of a currency.“
Silber allerdings wurde zu einem reinen Industriemetall degradiert. Dadurch kam es in der Mitte des vorigen Jahrhunderts zu einem massiven Verfall der Silberpreise. Für industrielle Zwecke wurde Silber noch kaum gebraucht. Die Fotografie war noch nicht richtig erfunden. Der Preis, der lange Zeit bei 1,29 Dollar pro Unze festgeschrieben war, dieser Silberpreis fiel auf unter 25 cents. Das gleiche Schicksal würde heute Gold ereilen, wenn Gold wirklich nicht mehr Geld wäre. Die Tatsache, dass Gold sich bei etwa 300 Dollar pro Unze hält zeigt ganz deutlich, dass Gold nach wie vor als Geld betrachtet wird. Aber genau das macht Gold verwundbar und für den Investor gefährlich. Früher kam es häufig vor, dass der Bote getötet wurde, der eine schlechte Botschaft überbrachte. Gold wäre gleichsam der monetäre Bote, welcher die Nachricht vom Ende des fiat money systems überbringen würde und diesen Boten kann man einsperren. Silber wäre dagegen gleichsam das Gerücht vom Ende und ein Gerücht kann man kaum einsperren.
Es ist übrigens eine interessante, bisher noch weitgehend ungeklärte Frage, warum eigentlich Silber in der Mitte des 19. Jahrhunderts plötzlich völlig demonetisiert wurde, nachdem es Jahrtausende hervorragend als Geld gedient hatte. Immerhin wurde damit ja die Geldmenge der Industriestaaten um etwa die Hälfte verringert, was eigentlich nach der gängigen Quantitätstheorie ja zu einer unnötigen starken Deflation hätte führen müssen. Eine gewisse Erklärung liegt darin, dass zunächst vorwiegend aus England über die ostindische Company große Mengen Silber nach Indien flossen, weil in Indien das Verhältnis von Silber zu Gold bei etwa 10:1lag gegenüber 16:1 in England. In Indien wurde schon immer Silber sehr hoch geschätzt, was möglicherweise mit der dunklen Hautfarbe der dort lebenden Menschen zusammenhängt, auf der Silber optisch besser wirkt als Gold. Silber ist in Indien seit jeher die Mitgift der Frauen und oft ihre einzige Sicherheit im Alter und für den Fall, dass der Mann sie verläßt. In den indischen Dörfern gibt es keine Banken, aber Gold und Silberschmiede, die den vererbten Schmuck immer wieder neu umformen. Die Frauen tragen ihr Vermögen und ihre Alterssicherung am Körper, ähnlich wie in anderen asiatischen und arabischen Ländern. Das Silber floß nach Osten während das Gold eher nach Westen floß. England war schon im 18. Jahrhundert zu einem reinen Goldstandard übergegangen, was eben möglicherweise damit erklärt werden kann, dass sehr viel Silber in seine indische Kolonie floß und im Mutterland ein gewisser Silbermangel herrschte.
Zur völligen Demonetisierung des Silbers kam es aber erst nach 1871, als Deutschland zum reinen Goldstandard überging. Man kann allerlei technische und praktische Gründe dafür anführen, warum ein solcher Übergang sinnvoll war. Zwingend sind alle diese Gründe aber nicht. Man hätte ohne weiteres einen Gold-Silber Standard beibehalten können, so wie er immer funktioniert hat. Frankreich, Italien, die Schweiz und einige andere Länder haben in der lateinischen Münzunion die Doppelwährung auch noch eine Weile verteidigt. Wenn die Goldgegener und die Freunde des Falschgeldes immer erklären, es gebe nicht genug Gold zur Deckung des nötigen Geldes, so ist eigentlich nicht recht einzusehen, warum das Silber als zusätzliches Deckungsmaterial dann willkürlich demonetisiert wurde. In der Tat liegt der Verdacht nahe, dass Silber bewußt demonetisiert wurde, um mit dem verbleibenden Gold weniger Deckungsmaterial zur Verfügung zu haben. Dies rechtfertigte dann das Argument, dass die benötigte Geldmenge nur zu 30 oder 40 % mit Gold gedeckt werden könne, weil eben nicht genug Gold da sei. Je geringer die Deckung umso mehr Falschgeld kann man ja mit fractional banking erzeugen. Es gibt Hinweise darauf, dass Abgeordnete gekauft wurden, um für eine Abschaffung des Bimetallismus zu stimmen. Jedenfalls ist es merkwürdig, dass man Silber per Gesetz demonetisiert hat, obwohl es doch als zusätzliche Deckung weiterhin hätte hervorragende Dienste leisten können. Das viele Geld, das man wegen Goldmangel leider nicht decken konnte, hätte ja wenigstens durch Silber gedeckt werden können. An solchen Stellen drängt sich eben der Verdacht auf, dass von einigen Instanzen durchaus gezielt am Aufbau des Falschgeldsystems gearbeitet wurde.
Die Silbergeschichte verlief danach insbesondere in Amerika durchaus noch spannend. Indien und China waren, auch nachdem Europa zum Goldstandard übergegangen war, beim Silberstandard geblieben. In Amerika wurde ein spannender Kampf zwischen einer Gold- und einer Silberlobby ausgetragen, den zu beschreiben hier unseren Rahmen sprengen würde.
Halten wir fest, dass ab 1871 in Europa Silber mehr oder weniger willkürlich von staatswegen demonetisiert wurde, wobei das wirtschaftlich aufstrebende Deutschland wohl die treibende Kraft war. Aufgrund der hohen Reparationszahlungen in Gold, die Frankreich nach dem verlorenen Krieg an das neu gegründete Reich zahlen musste, konnte sich Deutschland leichter als andere einen reinen Goldstandard leisten. Durch diese Demonetisierung fiel Silber stark im Preis, weil das reichlich vorhandene Silber jetzt als Geld nicht mehr gebraucht wurde, und in der Industrie noch keine Verwendung dafür vorhanden war.
Hundert Jahre später hatte sich das Bild allerdings völlig geändert. Im Laufe der industriellen Entwicklung und besonders im 2. Weltkrieg wurde Silber immer wichtiger für die technologische Entwicklung. Die Fotografie hatte einen stürmischen Aufschwung genommen und es entstanden zahlreiche Anwendungen, die aufgrund der besonderen physikalisch-chemischen Eigenschaften speziell Silber benötigten. Von Kontakten, Batterien, Katalysatoren und Silberloten bis zu Spiegeln und zur Wasseraufbereitung wurde jetzt Silber gebraucht. Dazu kam die Verwendung als Schmuck oder für Schalen, Vasen sowie Messer und Gabel. Wegen der keimtötenden Wirkung von Silber macht man Bestecke gern aus Silber. Dadurch wurde der jährliche Verbrauch von Silber für Schmuck und industrielle Zwecke allmählich größer als die jährliche Neuproduktion. Silber hatte eine neue Rolle gefunden und wurde nun als industrieller Rohstoff immer mehr gebraucht.
In den 60er Jahren entstand dadurch allmählich eine Silberlücke, d.h. der jährliche Verbrauch war größer als die Neuproduktion und der Bedarf musste zunehmend aus den noch vorhandenen Beständen gedeckt werden. Und hier beginnt nun die spannende Geschichte, die auch für die jetzt lebende Generation wieder bedeutsam werden könnte. Zu dieser industriellen Nachfrage, die bereits größer war als die jährliche Neuproduktion, kam jetzt wieder eine allmählich zunehmende monetäre Nachfrage hinzu. Die Menschen fingen an, dem Papiergeld zu mißtrauen und wieder Silber zu entdecken und als monetäre Anlage zu betrachten.
Von 1962 - 1965 hatte das amerikanische Schatzamt etwa 1 Milliarde Unzen Silber aus seinen Beständen abgegeben, um den Preis auf dem offiziellen Stand von 1,29 $ pro Unze zu halten. Das war der Preis, zu dem sich das Schatzamt verpflichtet hatte, seine Silberzertifikate, die als Zahlungsmittel umliefen umzutauschen. Als das Schatzamt dann ankündigte, seine Silberzertifikate demnächst nicht mehr in Silber umzutauschen, wurde das Publikum mißtrauisch und der Preis stieg auf 1,75 $ im Mai 1967 auf schließlich 2,56 $ im Juni 1968 als die Einlösung von Dollar in Silber, (wie auch von Dollar in Gold) für das Publikum ganz eingestellt wurde. Die steigenden Preise brachten allerdings auch zusätzliches Silber auf den Markt, so dass die Silberlücke erst einmal wieder verschwand. Aber schon ab 1971 überstieg die Nachfrage wieder das Angebot und bis 1978 gab es eine jährliche Lücke von etwa 50 Mio Unzen pro Jahr. Die Investoren hatten jetzt Silber als Anlage entdeckt und in dieser Zeit etwa 1972/73 begann der berühmte Bunker Hunt, Silber zu kaufen. Die Geschichte, die sich mit diesem Namen verbindet, ist nicht nur äußerst spannend, es ist zugleich auch die Geschichte des ersten größeren Ansturms gegen das etablierte Falschgeldsystem, der erste Versuch einer Revolution.
Die Hunts proben den Aufstand
Die Zeit, in der sich diese Geschichte entwickelte, war auch politisch sehr unruhig. Es war die Zeit des Vietnamkrieges, des Watergate Skandals und der Ölkrise. Der Schah von Persien wurde gestürzt und von Ayatollah Khomeni abgelöst und Amerikaner wurden als Geiseln in der Botschaft in Teheran festgehalten. Außerdem marschierte Russland in Afghanistan ein, die Inflationsrate erreichte in Amerika 12 % und der Dollar fiel rapide an den Devisenmärkten. Es sah so aus, als ob Amerika seine Vormachtsstellung in der Welt unter Jimmy Carter verlieren würde. Vor dieser Kulisse traten nun Figuren auf, die auch heute noch wie Giganten aus einer Novelle von Victor Hugo wirken, mit einem Reichtum ausgestattet, der herkömmliche Vorstellungen sprengt. Nelson Bunker Hunt galt damals als der reichste Mann der Welt, zusammen mit seinen Brüdern Herbert und Lamar Hunt. Sein Vermögen wurde 1960 bereits auf etwa 16 Milliarden Dollar geschätzt. Je nach ideologischer Einstellung kann man diesen Mann nun als bösen „Silberfinger“ betrachten, der versuchte, den Silbermarkt zu „cornern“ und dabei das Weltfinanzsystem an den Rand des Ruins brachte, oder aber als einen Märtyrer des freien Unternehmertums, der versuchte, aus Sorge vor einer finanziellen Apokalypse die Welt von der Herrschaft des Falschgeldes zu befreien, durch Rückkehr zu Silbergeld oder schließlich einfach als einen arroganten Spekulanten, der glaubte, er sei mächtiger als der Markt.
Auf der Seite der Hunts, also auf der „long side“ standen wohlhabende Mitglieder der saudischen Königsfamilie, sowie hunderttausende von kleineren, konservativen Investoren, die als Schutz vor der Inflation in Silber investiert hatten. Auf der anderen Seite der „short side“ standen die etablierten Finanzinteressen in Form von Rohstoffhändlern, Brokern und Banken, die wohl die Hunts und ihre Verbündeten als großmäulige neureiche Texaner und Öl-Scheichs betrachteten, die mit Dingen spielten, von denen sie nichts verstanden. Das gewagte Spiel der Hunts ging tatsächlich so weit, dass schließlich selbst der Hohepriester des Finanzestablishments, der Chef der Federal Reserve Paul Volcker, eingreifen musste. Je nach ideologischer Einstellung kann man diese Seite ebenfalls entweder als edle Stabilitätswächter sehen, die gerade noch rechtzeitig eingegriffen haben, um das Weltfinanzsystem vor dem Zusammenbruch zu bewahren oder als zynische Manipulatoren, die einfach Spielregeln und Gesetze ändern, nur um ihre persönlichen korrupten Interessen zu wahren oder schließlich einfach als stupide, regelungswütige Beamtenseelen, die in Wirtschaftsabläufe eingreifen und ständig den Markt verfälschen.
Wir betrachten als neutrale Beobachter natürlich nur die nackten Tatsachen. Zu diesen Tatsachen gehört auch Jerome Smith, dessen Buch „Silver Profits in the Seventies“ wesentlich dazu beitrug, dass in Amerika eine immer größer werdende Gruppe von Anhängern ehrlichen Geldes entstand, aus der heraus sich später eine regelrechte Verlags- und Investmentindustrie entwickelte. Bis zu dem Zusammenbruch des Silbermarktes in 1980 waren die Voraussagen von Jerome Smith auch in erstaunlicher Weise zutreffend. Diese Geschichten über Silber - die Silberlücke, die zunehmende industrielle Nachfrage, der Zusammenbruch der staatlichen Preiskontrollen und die ständig steigende Inflation bis hin zu einem möglichen Zusammenbruch des globalen Finanzsystems - erreichten schließlich auch die Gebrüder Hunt. Die Hunts waren, wie ihr Vater, tief religöse, politisch konservative Menschen und sie sahen die Gefahren, die durch hemmungslose Staatsausgaben und Inflation auf ihr Vermögen zukamen. Haben die Hunts geplant, den Silbermarkt zu „cornern“, also alles Silber aufzukaufen, um dann den Preis zu diktieren? Wenn das ihr Plan gewesen sein sollte, so waren es jedenfalls die langsamsten und geschwätzigsten Marktmanipulatoren, die es je gegeben hat. Sie fingen 1972/73 an, Silber zu kaufen und erzählten jedem, der es hören wollte, dass sie stark steigende Silberpreise erwarten. Bunker Hunt erklärte ganz offen, dass er Silber langfristig kaufe, und zwar so lange bis Silber ein Verhältnis von 5 : 1 zu Gold erreicht hätte.
Im Dezember 1973 hatten die Hunts bereits Terminkontrakte für über 35 Millionen Unzen Silber zusammengekauft und erklärten, dass sie für alle Kontrakte Lieferung verlangen. Der Preis schoss daraufhin von $ 2,90 über 4 $ im Januar 1974 bis auf $ 6,70 am 26. Feb. 1974 in die Höhe.
Der erste „Squeeze“
Falls die Hunts wirklich einen „short squeeze“ geplant hatten, so scheiterten sie erst einmal an Henry Jarecki von Mocatta Metals, der in diesem Fall der Leidtragende gewesen wäre. Henry Jarecki lehrte in den späten 60igern Psychiatrie an der Universität von Yale, als er ebenfalls anfing Silber zu entdecken. Im Jahr 1967 ging dem US Schatzamt allmählich das Silber aus und es überzeugte den Kongress, dass man die Einlösung von silbergedeckten Dollar, sog. Silber-Zertifikate, in Silber einstellen müsse. Den Besitzern wurde noch eine Frist von einem Jahr für einen eventuellen Umtausch eingeräumt, dann sollte die Einlösung ganz eingestellt werden. Denjenigen, die tatsächlich einlösen wollten, gab man Silber in ziemlich schäbiger Form, nämlich rohe Münzschmelze oder verkratzte Barren, auf die mit Filzschreiber der jeweilige Silbergehalt aufgeschrieben war und die Differenz händigte man in kleinen Plastiksäckchen aus, in die man Kristallsilber schüttete, das aussieht wie Sand. Auf diese Weise sollte dem Publikum der Appetit auf richtiges Geld in Form von Silber verdorben werden. Gleichwohl stieg der Silberpreis und die Zertifikate wurden immer mehr gesucht und auch Jarecki kaufte solche Zertifikate auf. Mit jedem Preis über $ 1,29, also dem Preis, zu dem die Regierung umtauschen musste, stiegen die Zertifikate Cent für Cent mit dem Silberpreis. Jarecki stieg ganz in das Geschäft ein und überredete die traditionsreiche Londoner Metallhandelsfirma Mocatta und Goldsmid dazu, dass er sie mit seiner eigenen Firma Mocatta Metals in New York vertreten dürfe. Für diese Metallhändler sind Terminmärkte wichtig. Sie kaufen als Zwischenhändler Silber und sichern ihr Lager über Termingeschäfte gegen Preisschwankungen. Üblicherweise sind sie dabei mit physischer Ware long und in Termingeschäften short. Oft sind sie aber auch nur short (naked short) entweder in Vorwegnahme künftiger Käufe oder aus spekulativen Gründen.
1974 war Henry Jarecki sehr „short“ in Silber und suchte nach einem Rettungsring. Diesen fand er in der Bank von Mexiko und deren 50 Millionen Unzen Silber. Jarecki überzeugte die Bank davon, dass der Silberpreis viel zu hoch sei und wedelte mit einem Riesenprofit vor ihrer Nase. Die Bank nahm den Köder an und der Silberpreis brach ein, auf wieder 4$. Aber die Hunt‘s leckten ihre Wunden und bauten ihre Position langfristig weiter auf. 1976 ließen sie sich weitere 21 Mio Unzen ausliefern und im November 1976 hielten sie 74 Mio Unzen, was etwa 1/3 der Minenproduktion dieses Jahres entsprach.
Das Drama nimmt seinen Lauf
Zur Jahreswende 78/79 fingen auch die Verbündeten der Hunts aus dem nahen Osten an, ernsthaft Silber zu kaufen. Vom Herbst 1978 bis zum Sommer 1979 stieg der Silberpreis ständig nur an. Er begann 1979 bei $ 6,06, stieg im Frühling und Sommer weiter auf 7 $ und 8 $ und begann den August bei $ 8,85. Ende August hatte er bereits $ 10.57 erreicht.
Im September beschleunigte sich die Entwicklung. Der Preis stieg in den ersten 5 Handelstagen von $ 11,26 auf $ 12,59, als die Comex den Mindesteinschuß pro Silberkontrakt von 2000 auf 3000 Dollar erhöhte und zwar rückwirkend. Das Muster wurde sichtbar, mit dem die Marktmacher gedachten den steigenden Silberpreisen zu begegnen. Als sie anfingen zu verlieren, änderten sie einfach die Spielregeln. Der Einschuß wurde dann im September auf 5000 Dollar weiter erhöht und am 18. Oktober schließlich auf saftige 20.000 Dollar. Aber alles war vergeblich, der Preis stieg auf 18 Dollar pro Unze. Die hohen Einschüsse sollten die Spekulanten abschrecken, aber sie vertrieben nur die kleinen Fische. Zu diesem Zeitpunkt hatten die großen Spieler schon deftige Gewinne auf ihren vorhandenen Positionen, auf die sie weitere Positionen aufbauen konnten, zusätzlich zu ihren Kreditlinien. Ende September saß Henry Jarecki wieder in der Short-Falle, aber diesmal rettete ihn nicht die Bank von Mexiko sondern Herbert und Bunker Hunt. Mocatta Metals besaß 30 Millionen Unzen Silber, die sie an Industrieverbraucher verliehen hatten. Dieses Metall war durch Terminverkäufe abgesichert. Jedesmal, wenn der Silberpreis um 1 Dollar stieg, musste Jarecki weitere 30 Mio Dollar margin auf diese Position nachschießen. Mocatta hing so mit über 400 Mio Dollar in den Seilen (etwa so wie derzeit Ashanti) obwohl die ganze Firma nur mit 40 Millionen Dollar bewertet wurde. Nicht einmal Jareckis Mutterfirma in London hatte so tiefe Taschen.
Die Hunts hatten sich 50 Mio Dollar von Mocatta geliehen, um Silber zu kaufen und dafür eine Sicherheit von 10,7 Mio Unzen Silber bei Mocatta verpfändet. Jarecki hatte dieses Silber wiederum als Sicherheit verpfändet, um sich selbst Geld zu leihen. Das ist nichts Illegales. Große Banken verpfänden regelmäßig Edelmetalle oder Aktien die sie für Kunden im Depot haben, um sich selbst Geld zu leihen. Aber in dem explodierenden Silbermarkt war das keine gute Strategie.
Im Oktober flogen die Hunts nach New York und nahmen Jarecki vom Haken mit einem EFP, einem „exchange of futures for physical“, also einem Tausch von Versprechungen auf Silber gegen wirkliche physische Ware. Das EFP ermöglichte es den Hunts, physisches Silber von Jarecki zu kaufen, das sie mit ihren Terminkontrakten auf Silber bezahlten. Jarecki verkaufte den Hunts 23 Mio Unzen Silber zu $ 16,80 pro Unze, dann wurden die calls der Hunts mit den puts von Jarecki verrechnet, wodurch die margin Verpflichtungen von Jarecki verringert wurden. Dadurch wurde genügend Geld für Mocatta frei, so dass er den Kredit zurückzahlen konnte, für den er das Silber der Hunts verpfändet hatte. Die Hunts erhielten zum Teil Silber, zum Teil die Leasingkontrakte, die Mocatta mit den Industriefirmen geschlossen hatte. Ich erzähle das deshalb alles etwas ausführlich, damit Sie sehen, wie so etwas im richtigen Leben funktioniert und weil auf die gleiche Weise wahrscheinlich die riesigen Shortpositionen wieder rückabgewickelt werden, die heute erneut am Silbermarkt bestehen.
Im Oktober entschied das Chicago Board of Trade (CBOT), dass niemand mehr als 600 Kontrakte halten dürfe, egal ob long oder short und gab den Spielern den 1. April 1980 als Termin vor, bis zu dem die Kontrakte soweit abgebaut sein müssten. Die Zahl der Kontrakte der Hunts und ihrer Mitstreiter belief sich an CBOT und Comex zu dieser Zeit auf etwa 23.000 Kontrakte.
Minpeco hat Probleme
Im Dezember geriet Minpeco, die Vermarktungsagentur für Silber des peruanischen Staates in Probleme. Ein unerfahrener Minpecotrader war trotz steigender Silberpreise immer weiter short gegangen. Von September bis Dezember hatte er 13 Mio Unzen Silber leer verkauft gegen einen verfügbaren physischen Bestand von nur 3 Mio Unzen. Bis Dezember waren dadurch Verluste von 30 Mio Dollar aufgelaufen, die weiter stiegen. Als gegen Ende 1979 diese Kontrakte eingedeckt wurden, stand Silber bei 29,05 Dollar pro Unze. Während die staatliche Aufsichtsbehörde für die Terminmärkte sowie das Comex Board zitterten, stöhnten die Shorties unter den Nachschußverpflichtungen. Eine Art Kaufpanik ergriff den Silbermarkt. Am 7. Januar 1980 entschied die Comex, es dürften nur noch 500 Kontrakte pro Liefermonat abgeschlossen werden. Zu diesem Zeitpunkt hielten die Hunts, zusammen mit anderen ca. 280 Mio Unzen Silber, etwas mehr als die gesamte Silberproduktion in 1979. Am 9. Januar reduzierte die Comex die Gesamtzahl der Kontrakte, die jemand kaufen durfte auf 50 und erhöhte den Einschuß auf $ 75.000 pro Kontrakt für den laufenden Monat und $ 40.000 für weiter entfernte Monate. Aber nichts schien zu wirken. Der Silberpreis stieg immer weiter und stand am 18. Januar schließlich bei $ 52,50. Damit war das Ende für die Comex erreicht. Man hob den Terminmarkt praktisch auf. Am 21. Januar 1980 bestimmte das Board der Comex, dass nur noch Verträge liqudiert werden dürften und niemand mehr neue Positionen eröffnen könne. Handel dürfe nur noch unter den Parteien stattfinden, die vor dem 21. Januar 1980 noch offene Positionen hatten und nur zu dem Zweck, die offenen Positionen abzuwickeln. Das Board erhöhte auch die Einschußforderung für alle Monate auf 75.000 wiederum rückwirkend.
Damit war der Markt praktisch ausgetrocknet und es durfte nur noch verkauft werden, aber neue Käufer waren nicht zugelassen. Der Preis fiel daraufhin von $ 44 am 21. auf $ 34 am 22. Januar. Bunker Hunt war mit einigem Recht der Überzeugung, dass er Opfer der größten Finanzmanipulation der Geschichte geworden war, als er öffentlich erklärte: „All diese Börsen werden von den Shorties betrieben, unter Berücksichtigung der Interessen der Shorties. Das Comex Board besteht aus 23 Leuten. Wie ich höre, haben wenigstens die Hälfte von ihnen jetzt sehr viel Geld verdient, indem sie einen Tag vor der großen Liquidationsentscheidung am 21. Januar Shortpositionen eingegangen sind. Sie wußten, dass der Markt einbrechen würde, denn sie selbst trafen ja die Entscheidung.“ Allerdings irrte Bunker Hunt hier. Es waren nur 9 Direktoren short gegangen.
Der Silberpreis hielt sich dann noch 2 Monate lang über 30 Dollar, während die Hunts versuchten, sich aus der Falle zu befreien. Der Leverage, den sie beim Aufbau ihrer Positionen eingesetzt hatten, begann jetzt gegen sie zu arbeiten. Paul Volcker, der Chef der Fed, hatte inzwischen die Prime Rate auf 20 % heraufgesetzt und die Banken gewarnt, kein weiteres Geld an die Hunts oder andere Spekulanten zu verleihen. In einem Brief wies er die Banken an, „Spekulationskredite für die Terminmärkte zu vermeiden“, eine Anweisung, die nur der Chef der Zentralbank geben kann. Bunker Hunt behauptete sogar, dass Volcker auch Agenten zu ausländischen Banken gesandt habe, um Finanzquellen dort für ihn zu verschließen.
Im Laufe des März wurde es für die Hunts immer schwieriger, ihre Silberpositionen zu finanzieren. Die Einschußverpflichtungen drohten jetzt ihren Broker Bache, Halsey Stuart und mit ihm eine Reihe anderer Finanzinstitute in den Strudel zu reißen. Am 26. März 1980 verkündete Bunker Hunt, zusammen mit zwei arabischen Partnern, dass man eine internationale Anleihe ausgeben wolle, die durch Silber gedeckt sei. Aber es war zu spät. Obwohl Bunker und Herbert Hunt im Februar und März bereits 1,1 Milliarden Dollar an zusätzlichen Darlehen eingesammelt hatten, interpretierten die Märkte diese Ankündigung der Hunts als ein Zeichen der Schwäche und dafür, dass die Hunts am Ende seien. Der Silbermarkt geriet in Panik und am 27. März fiel Silber auf $ 10,80.
Die Hunts standen vor einem margin call bei Bache in Höhe von 300 Millionen Dollar und einer Kaufverpflichtung bei Engelhard Metals in Höhe von 665 Millionen. Den Bankrott vor Augen bat Bache den CFTC und Volcker, den Silbermarkt zu schließen. Am folgenden Tag stieg Silber wieder auf 12,80 und die Comex senkte die Einschußverpflichtung. Bache war gerettet, aber ein Ruin der Hunts hätte die Finanzmärkte rund um den Globus erschüttert. An diesem Sonntag flogen die Hunts zu einem Bankentreffen nach Florida, wo unter Vermittlung von Paul Volcker ein Bankenkonsortium einen Beistandskredit von 1 Milliarde Dollar gewährte, zu einem Zinssatz von etwas über der Prime Rate von 20 %. Dafür verlangte man Sicherheiten in Höhe von 8 bis 9 Milliarden Dollar, praktisch das gesamte produktive Vermögen der Hunts. Wenn man das als Beistand bezeichnen will, so war es zumindest eine rauhe Barmherzigkeit.
Die Hunts hielten danach immer noch 63 Millionen Unzen Silber. Bunker Hunt hatte nicht nur theoretische Gewinne in Höhe von 4 Milliarden verloren, sondern zusätzlich 1,5 Milliarden reale Verluste. Die Shorties kamen alle davon und erzielten Rekordgewinne in 1980. Der Zinssatz erlebte den tiefsten und schnellsten Fall in der amerikanischen Geschichte, indem er von 20% auf 12 % innerhalb von nur 3 Monaten fiel. Der Fall der Zinsen begann an dem Tag, an dem der Silberpreis eingebrochen war. Aber die Hunts waren nicht die Einzigen, die verloren hatten. Mit ihnen verloren alle, die in Silber investiert hatten Milliarden von Dollar. Man muss immer im Auge behalten, dass es sich an den Terminmärkten ja um ein Nullsummenspiel handelt. Alles, was die einen verlieren, gewinnen die anderen.
Einen Tag nach dem Silbercrash rief Armand Hammer, der Chef von Occidental Petroleum, eine Pressekonferenz ein und erklärte stolz, dass er 119 Millionen Profit gemacht habe, indem er Silber kurzfristig short gegangen sei. Hatte auch er eine Insiderinformation über die bevorstehende Entscheidung? Wie dem auch sei, für die Finanzwelt waren die Hunts die eigentlich Schuldigen an dem Debakel. Kein Mensch regte sich in den Medien über den erstaunlichen Gewinn von Hammer auf, geschweige denn über die Terminbörsen, die einfach die Marktregeln rückwirkend geändert hatten und damit mehr Investoren zum Vorteil der Marktmacher geschröpft hatten als jemals zuvor. Für die Presse und auch in der Erinnerung der meisten Menschen waren ausschließlich die Hunts die Bösewichte.
Der Sieger bekommt alles
1985 wurden die Hunts dann wegen Marktmanipulation von der CFTC verklagt und die Steuerbehörde forderte 300 Millionen Dollar Steuern für lediglich auf dem Papier angefallene Gewinne. Von 1985 - 1987 mussten eine Reihe von Hunt-Firmen Bankrott erklären. In 1986 verkauften die Hunts ihre Silberbestände, die immer noch 59 Millionen Unzen betrugen. Und 1988 wurden sie schließlich noch von Minpeco auf Schadenersatz verklagt wegen „Verschwörung und Bildung einer kriminellen Vereinigung“. Weil man in dem Prozess eine normale Manipulation, wie etwa einen Corner oder das Streuen von Gerüchten, nicht nachweisen konnte, hat man extra einen neuen Manipulationstatbestand entwickelt, nämlich die „Preiseffekt-Manipulation“. Dabei kauft oder verkauft ein Investor, der eine langfristige Wertvorstellung von einem Rohstoff hat, diesen Rohstoff in genügend großer Menge, um den aktuellen Preis zu beeinflussen und zwar in dem Bewußtsein und der Absicht, dass dieser Preiseffekt eintritt. Für die Meisten ist es vielleicht unverständlich, dass man aufgrund so schwammiger Verfehlungen verurteilt werden kann. Gleichwohl verloren die Hunts auch diesen Prozeß und mussten Schadensersatz an Minpeco in Höhe von 130 Millionen bezahlen. Es gibt böse Zungen, die behaupten, die Sieger würden nicht nur die Geschichtsbücher schreiben sondern auch die Gesetze machen und die Richter bestimmen. Auf alle Fälle war es wohl ein Fehler der Hunts, sich mit den Mächtigen dieser Welt anzulegen.
Aber damit ist das Silberkomplott noch nicht zu Ende. Es sieht so aus, als ob derzeit die Bühne aufgebaut würde für den zweiten Akt des Dramas. Bevor wir uns dem zuwenden, wollen wir aber noch kurz analysieren, was eigentlich schief gelaufen ist bei der Strategie der Hunts und was diesmal anders sein könnte.
Was war schief gelaufen?
Die Hunts hatten zwei entscheidende Fehler gemacht, einen taktischen und einen strategischen. Der taktische Fehler war, dass die Hunts zuviel Silber auf Kredit gekauft und sich damit in die Hände der Banken und Terminhändler begeben hatten. Das machte sie verwundbar. Als die Terminhändler mit ihren Shortpositionen durch die steigenden Silberpreise immer mehr in die Enge getrieben wurden, konnten sie einfach die Spielregeln ändern und so die Hunts taktisch ausmanövrieren. Viel schwerwiegender war aber der strategische Fehler. Die Hunts hatten unterschätzt, dass durch den enorm gestiegenen Silberpreis plötzlich Silber auf den Markt kam, das vorher nicht verfügbar war. Altes Familiensilber wurde eingeschmolzen und aus Indien und China kam Silber zurück. Gleichzeitig ging der Verbrauch deutlich zurück, weil man bei diesen Preisen viele Einsparmöglichkeiten entdeckte. Es genügte z. B., wenn man Röntgenbilder nur halb so groß machte wie vorher. Die Silberlücke war plötzlich verschwunden und hatte sich in ein Überangebot verwandelt. Und sie hatten wohl nicht damit gerechnet, dass bei über 20 % Zinsen auch Papiergeldanlagen wieder interessant sind, während Kredite unbezahlbar werden.
Was ist heute anders?
Wenn man sich die genauen Zahlen ansieht, erkennt man sehr schnell, dass es sich eigentlich um sehr kleine Mengen und Beträge handelte, die damals bewegt wurden und dass eine ähnliche Spekulation heute wahrscheinlich aufgehen würde.In den siebziger Jahren bestand etwa acht Jahre lang eine Silberlücke von durchschnittlich ca. 50 Millionen Unzen pro Jahr, kummuliert also ca. 400 Millionen Unzen, die aus vorhandenen Beständen gedeckt wurde. Die Hunts hatten ca. 200 Millionen Unzen aufgekauft zu durchschnittlich 10 Dollar pro Unze, was einem Einsatz von ca. 2 Milliarden Dollar entsprach - nicht viel nach heutigen Maßstäben. In den achtziger Jahren bildete sich dann ein Überschuß von kummuliert ca. 800 Millionen Unzen, die zu durchschnittlich 11 Dollar pro Unze von Investoren gekauft wurden. Seit 1990 sind davon ca. 4oo Millionen Unzen wieder abgegeben worden, mit entsprechenden Verlusten von ca. 5 bis 6 Dollar pro Unze. Die Silberinvestoren haben in den letzten 15 Jahren ca. 2 Milliarden Dollar verloren und jetzt gibt es nicht mehr viel Silberinvestoren. Diejenigen die noch verblieben sind dürften recht hartgesotten sein. Und jetzt wird es deshalb spannend! 1994 stand einem Angebot von ca. 550 Millionen Unzen eine Nachfrage von ca. 7oo Millionen Unzen gegenüber. Die Silberlücke beträgt in den letzten 10 Jahren so ca. 100 Millionen Unzen pro Jahr. Das heißt, die Bestände der Investoren aus den achtziger Jahren sind jetzt mehr oder weniger aufgebraucht. Das Angebot aus der Silberproduktion stagniert bei so etwa 550 Mio Unzen pro Jahr, weil Silberproduktion sich nicht mehr lohnt. Eine Unze Silber zu fördern kostet etwa 8 Dollar und es gibt kaum noch reine Silberminen. Das stagnierende Angebot ist zum Teil auch naturwissenschaftlich bedingt. Silber ist, wie alles auf diesem Globus, eine begrenzte Ressource. Eine weithin unbekannte Besonderheit bei Silber ist die Tatsache, dass es gediegen vorwiegend an der Erdoberfläche vorkommt, und im Gegensatz zu Gold mit zunehmender Tiefe die Silberkonzentration abnimmt und folglich Silberförderung immer teurer wird. Diese, naturwissenschaftlich bedingte Tatsache spricht übrigens dafür, dass die alte Gold-Silber Preisrelation von ca 1:15 wieder erreicht und sogar zugunsten von Silber noch übertroffen werden könnte. Da seit mehreren tausend Jahren Silber an der Erdoberfläche von Menschen abgeräumt wird, ist die Wahrscheinlichkeit neuer großer Funde sehr gering, selbst wenn man aufgrund gestiegener Preise mal wieder anfangen sollte zu suchen. Das meiste Silber wird mittlerweile als Beiprodukt von Kupfer, Zink, Blei und Gold gewonnen und dieses Angebot wird auch bei deutlich steigenden Silberpreisen nicht zunehmen. Die Nachfrage andererseits steigt ständig weiter, um ca. 4 % pro Jahr. Das hängt einfach mit der wachsenden Erdbevölkerung und dem steigenden Wohlstand der neuen Industrieländer zusammen ( Indien, China, Südamerika, Ostblock ).
Der entscheidende Unterschied zur Huntspekulation ist also, dass die jährliche Silberlücke heute viel größer ist und dass der Substitutions- und Einschmelzeffekt, der sich bei einem Silberpreis von 50 Dollar zeigte, bereits verbraucht ist. Das Tafelsilber und die Vasen, die damals eingeschmolzen wurden, sind nicht mehr da und auch nicht ersetzt worden. Ob dieser Effekt bei einem Preis von 100 oder 200 Dollar pro Unze erneut auftritt, kann heute niemand sagen. Genug Silber wäre dafür in Indien und China allerdings noch vorhanden.
Ein entscheidender Unterschied ist aber auch, dass die Geldmenge und die Verschuldung heute unendlich viel größer ist. 1999 lagen gerade mal noch 70 Millionen Unzen Silber in dem Lagerhaus der Comex. Bei 5 - 6 Dollar pro Unze sind das nur etwa 400 Millionen Dollar. Ein Betrag, den jeder größere Spekulant heute leicht aufbringt, sobald die Welt anfängt, sich ernsthaft wieder für Silber zu interessieren.
Es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass dieser Zeitpunkt jetzt zur Jahrtausendwende gekommen ist. Es gibt von Zeit zu Zeit Momente, in denen sich die grundsätzliche Einschätzung von Märkten plötzlich vollkommen ändert. Die Entscheidung Paul Volckers, 1980 die Zinssätze bis auf unglaubliche 20 % zu erhöhen, war ein solcher Moment, in dem sich die Markteinschätzung plötzlich vollkommen geändert hat und dieser Wende sind schließlich auch die Hunts zum Opfer gefallen.
Konnte man bis dahin davon ausgehen, dass die Inflation immer weiter steigen würde und es keine Möglichkeit mehr gebe, den Fall des Dollar zu bremsen und diesen Trend zu brechen, änderte sich mit dieser entschlossenen Haltung Volckers plötzlich die Markteinschätzung um 180 Grad. Plötzlich schien es wieder möglich, dass man die Sache doch noch in den Griff bekommen könne. Der „Silberdonnerstag“ war der eigentliche Tag einer epochalen Wende. Die Zinsen begannen zu sinken, und dann kamen Regan und Thatcher und es geschah ein kleines Wunder. Die Welt stand am Beginn der höchsten Staatsverschuldung aller Zeiten, aber auch der längsten Aufschwungperiode der Neuzeit, an deren Ende jetzt die größte Geldmengenexplosion aller Zeiten steht.
Die Hunts erkannten das Signal freilich nicht, dass das fiat money System noch einmal gerettet wurde. Obwohl der Silberpreis noch weitere 2 Monate bei 30 Dollar pro Unze stand, verkauften die Hunts nicht sondern hielten an ihrem Silber fest. Die Preise für Gold und Silber fielen danach 20 Jahre lang, während die Aktien immer weiter stiegen, mit der steigenden Geldmenge.
Jetzt am 26. September 1999 gab es wieder so ein Signal, mit dem eine solche grundlegende Wende verbunden sein dürfte, nämlich die bereits erwähnte gemeinsame Erklärung der 15 europäischen Notenbanken, dass sie kein weiteres Gold mehr verkaufen oder verleihen werden. Damit könnte jetzt eine längere Hausse der Edelmetalle beginnen, ein Verfall der Aktien- und Anleihekurse verbunden mit Preisinflation und Zinsanstieg und einer Ablösung des Dollar als Weltleitwährung durch den Euro. Der Übergang wird sich allmählich vollziehen, ähnlich wie 1980/82 und der Prozeß sich dann immer mehr verstärken. Strategische Investoren, wie etwa Warren Buffett fangen jetzt an, sich auf diese Wende einzustellen. Sie haben aus den Fehlern der Hunts gelernt. Warren Buffett hat bereits 1997 etwa 140 Millionen Unzen Silber zu einem Preis zwischen $ 4,50 und 5,-- pro Unze gekauft. So billig wird man nie wieder so viel Silber kaufen können. Die Grundüberlegung ist dabei genial simpel. Wenn Silber in absehbarer Zeit für den industriellen Verbrauch wirklich knapp wird und heute der Preis unter den Förderkosten von Silber liegt, dann macht es Sinn, gleichsam eine umgekehrte Silbermine anzulegen, also Silber am Markt zu kaufen und in der Erde bzw. dem Tresor zu vergraben.
Gleichwohl sieht auch Warren Buffett sich sofort wieder dem Manipulationsvorwurf ausgesetzt von Seiten der Shorties, obwohl er nicht auf Kredit gekauft sondern seine 800 Millionen voll bezahlt hat. Das neue Silberkomplott kann sich durchaus wieder ähnlich dramatisch entwickeln, aber diesmal kommt es wahrscheinlich zu einem Sieg der Bullen, weil diese jetzt auf strategisch wesentlich günstigerem Gelände stehen.
