Die Geldfalle/Das neue Silberkomplott
Aus FreiheitsWiki
Die Etatisten kämpfen wieder genauso unfair wie vorher, aber vielleicht gelingt diesmal der Aufstand.
Am Silbermarkt tobt zur Zeit wieder ein heftiger Kampf, zwischen Bullen und Bären. Beide Seiten werfen sich eine Manipulation der Silberpreise vor und es werden bereits wieder Gerichte bemüht. Für den interessierten Investor ist es sicher nützlich, die wichtigsten Argumente und Hintergründe beider Seiten zu kennen.
Beginnen wir zunächst mit den Bären. Ein prominenter Vertreter dieser Gruppe ist Martin Armstrong. Er vertritt das, was man wohl als die derzeit gängige Meinung zu Silber bezeichnen kann, und er hat sicher nicht unerheblich zur Entstehung dieser Meinung beigetragen. Er ist Chefanalyst bei Princeton Economics International, einem Wirtschaftsforschungsinstitut mit über 200 Mitarbeitern in 5 Kontinenten. Das Institut füttert Nachrichtendienste und andere Analysten mit Analysen, die von Journalisten dann wiederum an Ihre Leser weitergereicht werden. Sein Wort hat also Gewicht und seine Analyse sieht etwa wie folgt aus:
Am Silbermarkt schmiedet derzeit eine Gruppe skrupelloser Spekulanten wieder ein Komplott, vergleichbar etwa der Marktmanipulation, welche die berüchtigten Gebrüder Hunt in den 70er Jahren inszeniert haben. Nach seiner Meinung handelt es sich sogar um die kühnste und schlimmste Manipulation der Finanzgeschichte. Dieses Komplott , sagt er, wird genauso scheitern wie das der Gebrüder Hunt, die dabei ein Vermögen von über 2 Milliarden Dollar verloren haben. Er warnt alle Investoren, sich in irgendeiner Form jetzt in Silber zu engagieren, und er sagt einen weiteren Zusammenbruch des Silberpreises voraus. Die Spekulantengruppe hätte in mehreren Wellen 1993, 1995 und 1997 einen riesigen Silberhort von mittlerweile fast 500 Millionen Unzen angelegt, um so den Markt zu "cornern", d.h. die Bestände künstlich zu verknappen, um dann bei höheren Preisen mit Gewinn zu verkaufen. Auch bei der letzten Welle 1997 seien die Spekulanten wieder nach dem gleichen bewährten Muster vorgegangen. Sie hätten in New York Silber gekauft und dieses in Flugzeugen nach London transportieren lassen, um so die Illusion einer Silberknappheit am Markt zu erzeugen. Die Lagerbestände der New Yorker Comex werden täglich veröffentlicht und diese Bestände sind von über 200 Millionen Unzen Anfang 1997 um ca. 50 % auf etwa 100 Millionen Unzen Ende 1997 gefallen. Dieses Silber sei aber nur zu hohen Kosten nach London geflogen worden, um es auf diese Weise vor den Augen der Öffentlichkeit zu verstecken. Die LME (London Metal Exchange) veröffentlicht nämlich keine Lagerbestände. Silber sei also gar nicht knapp, wie die abnehmenden Comex-Bestände suggerieren, es sei nur an einem anderen Ort versteckt worden, um so den Eindruck abnehmender Lagervorräte zu erzeugen und damit die Preise hochzutreiben.
Die Bären haben gegen diese Marktmanipulation eine sog. "class action law-suit" eingereicht, ähnlich wie damals gegen die Gebrüder Hunt. Bei einer solchen Klage kann in Amerika jeder, der glaubt im Zuge dieser Marktmanipulation am Silbermarkt Geld verloren zu haben, Schadenersatzforderungen geltend machen. Allerdings hat der Präsident der NYMEX, sehr zum Ärger der Bären erklärt, dass diese Klage keine Grundlage habe. Armstrong fragt jetzt, wer den Präsidenten zu einer so unverantwortlichen Erklärung gedrängt habe und er zweifelt an der Fähigkeit zur Selbstregulierung der Börsenaufsicht.
Sie sehen, es wird durchaus wieder mit harten Bandagen gekämpft. Zum Pech der Bären kam kurz nach dieser Erklärung des NYMEX Präsidenten die Nachricht heraus, dass einer der reichsten Männer dieser Welt und wohl der erfolgreichste Investor den es derzeit gibt, nämlich Warren Buffett aus Omaha, seit Mitte 1997 ca. 130 Millionen Unzen Silber in London gekauft hat. Dies paßt deshalb nicht ins Bild der Bären, weil Buffett ein typischer fundamentaler Langzeitinvestor ist und kaum als skrupelloser Kurzfristspekulant bezeichnet werden kann, der mit Tricks einen schnellen Dollar machen will. Armstrong argumentiert denn jetzt auch, nicht Buffett sei der Übeltäter, sondern die sog. Frontrunner, also Handelshäuser und Broker, die von Warren Buffetts Käufen wußten, vorgekauft haben und jetzt über Preismanipulationen versuchen, ihre Bestände günstig loszuwerden. Mit oder ohne Buffett müsste laut Armstrong das Komplott aber scheitern, weil die Bullen jetzt auf einem riesigen Silberbestand sitzen und die Käufer ausbleiben. Aber nicht nur das, vielmehr würden bei 7 Dollar pro Unze jetzt große Silbermengen auf London zuströmen. In London würden schon die Lagerräume knapp und ein Händler in London habe ihm gesagt, ihnen käme das Silber schon aus den Ohren. (ein eindrucksvolles Bild!)
Hinzu kommt, dass die Haltung eines Silberhortes recht teuer sei. Armstrong rechnet vor, dass Warren Buffett sein Silber, wenn er es z.B. für 5.90 $ gekauft hat, nach 2 Jahren für mindestens 7,50 $ verkaufen muss, nur um Lager- und Zinskosten wieder einzuspielen. Buffett müsse also wohl, um die Kosten zu senken, auch sein Silber gegen Zins verleihen, wenn er es längere Zeit behalten will. Dieser Satz von Armstrong ist ein interessanter Schlüsselsatz, den Sie sich für später einmal merken sollten. Damit läßt Armstrong nämlich leichtsinnigerweise die Katze aus dem Sack.
Zur Stützung seiner These, dass der Silberpreis wieder dramatisch einbrechen werde, schreibt Armstrong weiter: In den letzten 120 Jahren seien allein etwa 10 Millarden Unzen Silbermünzen geprägt worden, die alle noch da seien. Kein Mensch könne sagen, wieviel Silber wirklich auf der Welt vorhanden sei und welche Menge dann bei 7 Dollar zusätzlich auf den Markt dränge. Das meiste davon liege in Indien und die Inder würden jetzt anfangen zu verkaufen. Business Week brachte dieses häufig vorgetragene Argument auf die schöne Schlagzeile "960 Millionen indische Verkäufer gegen einen Milliardär als Käufer in Omaha". Aus Sicht der Bären könnte Silber wohl eher einmal zum Entsorgungsproblem werden, ähnlich wie Asbest. Und um die Preisperspektive für das Edelmetall klar zu machen, weist Armstrong noch darauf hin, dass die Minenkosten für die meisten Gesellschaften unter 2 Dollar pro Unze liegen weil Silber bei der Minenproduktion anderer Metalle mehr oder weniger automatisch anfällt. Man kann sich also kaum dagegen wehren, dass immer mehr Silber auf die Welt kommt. Ich habe das etwas ausführlich beschrieben, damit Sie einmal sehen, wie Meinung gemacht wird.
Wenn Sie nach diesen Argumenten jetzt richtig Angst bekommen haben, sich in Silber zu engagieren, dann hören Sie sich einmal die Argumente der Gegenseite an. Recht klar hat diese Ted Butler beschrieben, ein Analyst, der im gold-eagle veröffentlicht, einer Internetadresse der Edelmetallbullen. Ted Butler sieht im Gegenteil die Silberbären, (das sind die Silberverbraucher und die Shortspekulanten), als die eigentlichen Verschwörer gegen den Markt. Seine Argumentation lautet etwa wie folgt:
Die Bären sitzen wieder einmal in einer Falle, in die sie sich selbst hineinmanövriert haben und jetzt rufen sie nach den Gerichten und dem Staat, um sie da wieder rauszuholen. Die Behörden sollten, wenn es nach den Bären ginge, möglichst alles physische Silber beschlagnahmen und alle Silberkontrakte willkürlich einschränken, ähnlich wie es damals bei den Hunts gemacht wurde. Die Bären haben jetzt verständlicherweise Angst vor einer Regelung über den freien Markt und suchen nach einer Strategie für einen Ausgang aus der Falle. Klassisch doppelzüngig spreche Armstrong davon, dass durch große Silberkäufe die Preise willkürlich nach oben manipuliert würden, obwohl man bei 6 Dollar pro Unze nun wahrlich noch nicht von extremen Preissteigerungen sprechen kann. Außerdem, welche Menge an Silber die Käufer auch immer gekauft haben mögen, physisch oder in Form von Kontrakten, niemand hat die Verkäufer gezwungen, dieses Silber zu verkaufen, aber offenbar bereuen sie es jetzt.
Nach Butler hat es in der Tat eine Manipulation der Silberpreise gegeben, aber nicht nach oben sondern nach unten. Die eigentliche Manipulation besteht nach Butler darin, dass seit 15 Jahren durch ein Leasingsystem die Silberpreise künstlich nach unten gedrückt wurden. Dadurch sei, wie er sagt, ein 800 Pfund Gorilla im Markt entstanden, der jetzt unruhig werde. Dieser Gorilla nämlich ist die größte nackte Shortposition, die es je imSilbermarkt gegeben hat und deren Auflösung sich zu einem wahren Monster entwickeln werde. Butler rechnet vor, dass es Ende Januar 1999 etwa 170.000 offene Kontrakte im Silbermarkt gab, jeder Kontrakt über 5000 Unzen, d.h. die eine Seite (die Bären) wäre theoretisch verpflichtet, bei Auslaufen der Kontrakte 850 Millionen Unzen Silber an die Bullen zu liefern. Da es daneben noch einen nicht öffentlichen Derivatemarkt gibt, kann die Position durchaus 2 - 3 mal so groß sein.
Nun liegt die gesamte jährliche Silberproduktion der Welt derzeit aber nur bei ca. 550 Millionen Unzen und es werden jährlich etwa 750 Millionen Unzen verbraucht. (Glauben Sie nicht das Märchen, die digitale Fotografie würde die Silberfotografie ablösen. Fragen Sie mal Ihren Fotohändler. Alle großen Fotofirmen bauen derzeit Fabriken für Silberfilme in den Entwicklungsländern, um die steigende Nachfrage zu befriedigen). Aus der laufenden Produktion können die Shorties ihre Verpflichtung also kaum erfüllen, und die offiziellen Lagervorräte sind von über 800 Millionen Unzen auf jetzt etwa noch 90 Millionen Unzen gesunken. Es ist daher nicht erkennbar, woher die Bären das Silber nehmen wollen, das sie auf dem Papier an die Bullen verkauft haben. Es ist hier die bisher einmalige groteske Situation entstanden, dass der derivative Markt (Options und Futures) größer ist als der zugrunde liegende reale Markt. Der Schwanz wackelt nicht nur mit dem Hund, er ist auch viel größer als der Hund. Dies hat dazu geführt, dass der Silberpreis sich seit über 10 Jahren nicht mehr nach Angebot und Nachfrage richtet, denn seit 10 Jahren ist die jährliche Nachfrage größer als das Angebot, was eigentlich zu höheren Preisen führen müsste. Statt dessen wurde der Preis durch Verkäufe von geliehenem Silber immer weiter nach unten gedrückt, ein wie Butler meint, sehr fragwürdiges Geschäft, das auch am Goldmarkt praktiziert wird. Das ist ungefähr so, als ob Sie sich bei Avis einen Mercedes für zwei Jahre leihen, das Auto verkaufen und den Erlös investieren. Wenn nach zwei Jahren der Käufer Ihnen das Auto nicht zurückverkauft und Avis Ihnen den Vertrag nicht verlängert, haben Sie ein Problem. Am Silbermarkt gehen jetzt die physischen Bestände zu Ende und die Shorties können nicht mehr leihen, um ihre Kontrakte zu verlängern. Erinnern Sie sich an den verräterischen Schlüsselsatz von Armstrong?
Ein deutliches Indiz dafür, dass der Silbervorrat, der für Ausleihungen zur Verfügung steht, jetzt knapper wird, sind die sog. Lease- und Forewardrates, die täglich veröffentlicht werden. Hierbei handelt es sich gleichsam um die Zinssätze, welche die Banken und Zentralbanken für das Verleihen ihrer Gold- und Silbervorräte berechnen. Diese Zinsen sind in der Regel extrem niedrig und bewegen sich zwischen 1% und 3% p.a. Deshalb macht es Sinn, z.B. für Goldminen, sich Gold oder Silber zu 2% zu leihen, es am Markt zu verkaufen und den Erlös in eine neue Mine zu stecken, oder auch sich Staatsanleihen zu 7% zu kaufen. Diese Leasingraten sind in letzter Zeit kontinuierlich angestiegen und haben am 5.Februar 1998 die atemraubende Höhe von 75.63% erreicht, sind danach allerdings wieder abgefallen, wahrscheinlich weil Warren Buffett erklärt hat, er sei bereit, sich mit der Lieferung noch ein wenig zu gedulden. Am Goldmarkt besteht zwar auch eine beträchtliche Shortposition von über 8000 Tonnen und die Leasingraten ziehen leicht an, aber wegen der relativ großen, sofort verfügbaren Bestände bei den Zentralbanken, die hier als Hauptleasingeber auftreten, kann das Spiel am Goldmarkt noch eine ganze Weile laufen. Nach Ted Butler ist aber auch am Goldmarkt der extrem niedrige Preis in erster Linie den fragwürdigen Leasingpraktiken zuzuschreiben, denn auch hier übersteigt die Nachfrage seit Jahren beträchtlich das jährliche Angebot aus der Neuproduktion, was eigentlich zu steigenden Preisen führen müsste. Statt dessen müssen immer mehr Goldminen schließen, weil der Preis die Produktionskosten nicht mehr deckt. Die künstlich gedrückten Gold- und Silberpreise geben falsche Marktsignale.
Aber was ist denn mit den riesigen Silberbeständen von 10 Milliarden Unzen auf die Armstrong hinweist? Nun, diese Zahl ist wild gegriffen. Man rechnet im allgemeinen mit etwa 5 Millarden Unzen Silber, die in Form von Münzen, Schmuck, Vasen etc. vorhanden sind und theoretisch verfügbar wären, aber das Problem ist, zu welchem Preis. Sicher nicht zu 7 Dollar und wohl auch nicht zu 50 Dollar. Als der Silberpreis 1980 bei 50 Dollar stand, haben zwar in der Tat viele Leute alte Erinnerungsstücke zum Einschmelzen gebracht, aber gemessen am Gesamtbestand war es mit ca. 400 Millionen Unzen doch recht wenig. Man kann sich das auch leicht ausrechnen. Es sind viele Millionen Menschen, die noch ein paar Silbermünzen zu Hause haben. Diese Münzen sind aber für die meisten Menschen immer noch eine Form von gespartem Geld und nicht ein Rohstoff, den man verkauft, wenn der Preis steigt. Die Asiaten haben gerade wieder einmal die Erfahrung gemacht, dass Gold und Silber das beständigste Geld ist. Ihre Goldmünzen haben sich in Landeswährung gerechnet im Wert verdoppelt und die Silbermünzen gar vervierfacht, während viele andere Werte, wie Anleihen, Aktien, Immobilien und sogar die Lebensversicherungen sich teilweise einfach in Luft aufgelöst haben. Damit sind wir wieder bei dem eigentlichen Argument für einen steigenden Silberpreis, das auch Butler vorträgt - nämlich der Wiederentdeckung der Geldfunktion von Silber.
Ganz schön aufregend, nicht wahr, wie man die gleiche Welt so völlig unterschiedlich sehen kann. Man muss wohl immer davon ausgehen, dass notfalls jede Seite lügt, dass sich die Balken biegen und man muss sich die Mühe machen, die Argumente selbst zu gewichten - sapere aude. Die Argumente von Armstrong und Butler können Sie ausführlich im Internet verfolgen. Die Adresse dazu finden Sie im Anhang.
