Die Geldfalle/Der Kampf ums Gold

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Die wollen die Zugbrücke zur wirtschaftlichen Freiheit nicht runter lassen.

Wenn man über Wert und Preis des Goldes spricht, muss man sich immer vor Augen halten, dass Gold ein politisches Metall ist und sein Preis im wahrsten Sinne des Wortes „regiert“ wird und zwar aus genau dem Grund, den Alan Greenspan in seinem Aufsatz: „Gold und wirtschaftliche Freiheit“ beschreibt. Gold ist nicht mehr vereinbar mit unserem derzeitigen Falschgeldsystem. Der Aufbau dieses Systems war, wie wir gesehen haben, nur möglich durch einen zunehmenden Abbau der Rolle des Goldes als Geld.

Bis zum 15. August 1971 hat es nie in der Geschichte eine Zeit gegeben, in der überhaupt keine Währung an Gold gebunden war. In der Geschichte hat es zwar ständig alle möglichen Formen von Geldentwertung gegeben, aber die Menschen konnten immer auf andere Währungen ausweichen, die noch an Gold gebunden waren. Aber seit 1971 gibt es keinen Fluchtweg mehr, weil es keine Währung mehr gibt, die an Gold gebunden ist. Dieses neue, weltweite ungedeckte Papiergeldsystem ist also noch sehr jung. Es basiert auf dem Vertrauen, dass die Schulden, auf die es gegründet ist, eines Tages eingelöst werden. Ein starker Anstieg des Goldpreises in Dollar wäre ein Ereignis, das dieses Vertrauen erschüttern könnte. Er wäre das entscheidende Signal für ein schwindendes Vertrauen in den Dollar als Leitwährung und für eine erneute Abwertung des Dollar gegen Gold. Alles Papiergeld in der Geschichte wurde bisher immer so lange gegen Gold abgewertet bis es schließlich ganz wertlos war. Deshalb ist es so wichtig, dieses Signal zu unterdrücken, damit das Falschgeldsystem weiter funktioniert. Bevor wir uns ansehen, mit welch genialen Strategien und mit welch raffinierten Waffen dieser Kampf heute vor unseren Augen geführt wird, schauen wir uns einmal an, wie die vorangehenden Goldkriege geführt wurden und wie sie ausgegangen sind. Auf der einen Seite stehen dabei immer die Menschen mit ihrem Wunsch nach wirtschaftlicher Freiheit, die versuchen, ihre Ersparnisse zu retten, auf der anderen Seite stehen Staat und Banken. Es ist wohl keine Frage wo die Macht ist und wo die stärkeren Batallione stehen. Die Theorien zur Rechtfertigung von Falschgeld sind immer recht einleuchtend und sie werden gerne angenommen, weil sie „sozial“ sind.

Der erste Goldkrieg lief von 1962 - 1968. Um den Goldpreis auf der nach der Dollarabwertung von 1933 festgelegten neuen Parität von 35 Dollar pro Unze zu halten, wurde 1962 der Londoner Goldpool gegründet, in den Amerika und England einen Teil ihrer Goldreserven einbrachten. Durch Goldverkäufe sollte der Pool den Goldpreis drücken und auf 35 Dollar halten. Durch die ständig steigenden Handelsdefizite der USA und die gestiegene Dollarproduktion, auch in Folge des Vietnamkrieges, wurden dem US-Schatzamt immer mehr Dollar zur Einlösung in Gold vorgelegt. Es gibt das Gerücht, dass Präsident Johnson damals das gesamte Gold in Fort Knox zur Verteidigung der Goldparität des Dollar eingesetzt habe und dass seit dieser Zeit gar kein amerikanisches Gold mehr in Fort Knox liegt. Offiziell hat Amerika dort noch ca. 8500 Tonnen Gold, aber der Bestand wurde seit 1968 keiner wirklichen Prüfung mehr unterzogen. Die Forderung nach einer Überprüfung der gesamten Goldbestände wurde immer wieder mit dem Argument abgelehnt, dass eine solche Prüfung unnütz und zu teuer sei. Unnütz deshalb, weil der Dollar ja ohnehin nicht mehr goldgedeckt ist. Auch wenn kein Gold mehr im Keller wäre, würde sich also am Sachverhalt und am Dollar nichts ändern.

Wie dem auch sei, 1968 hatten die Falschgeldfreunde den ersten Goldkrieg verloren und mussten ihre Goldverkäufe einstellen. Der Goldmarkt wurde zunächst gespalten. Nur ausländische Zentralbanken durften weiterhin Dollar zu einem Preis von 35 Dollar pro Unze in Gold umtauschen. Im übrigen wurde der Goldpreis frei gegeben, und er verdoppelte sich rasch am freien Markt. Der Dollar wurde mit anderen Worten gegen Gold erneut abgewertet. Wir erinnern uns, dass in der Geschichte alles Papiergeld immer gegen Gold abgewertet wurde, bis es schließlich wertlos war. Außerdem muss man sich noch daran erinnern, dass für amerikanische Staatsbürger der private Besitz von Gold seit 1933 nach wie vor verboten war. Die endgültige Kapitulation und Bankrotterklärung Amerikas erfolgte aber erst im August 1971, als Amerika sein Versprechen, Dollar in Gold umzutauschen, auch gegenüber ausländischen Zentralbanken nicht mehr einhielt. Präsident Nixon machte einfach das Goldfenster zu und zerschnitt damit das letzte Band zwischen Gold und Geld. Ende 1974 war dann Gold bereits auf 195 Dollar pro Unze gestiegen bzw. der Dollar gegen Gold entsprechend abgewertet. Der erste Goldkrieg war endgültig verloren.

Der zweite Goldkrieg von 1975 - 1979 wurde bereits raffinierter geführt. Zunächst ließ man die Goldfreunde in eine böse Falle laufen. Im Laufe von 1974 gab es zunehmend Gerüchte, dass für Amerikaner der private Goldbesitz wieder freigegeben würde, was zu stark anziehenden Goldpreisen führte. Die Zentralbanken nahmen diese Nachfrage vorweg und verkauften große Mengen Gold. Als dann im Januar 1975 nach 42 Jahren es den Amerikanern tatsächlich wieder erlaubt wurde, Gold zu kaufen und zu besitzen, war die erwartete Nachfragesteigerung schon weitgehend vorweggenommen und die übertriebenen Erwartungen erfüllten sich nicht. Der Preis fiel innerhalb von 18 Monaten auf 103 Dollar pro Unze zurück. Viele kleine Goldinvestoren verbrannten sich dabei die Finger. Als dann der Goldpreis langsam anfing, sich wieder zu erholen, startete der IWF zusammen mit dem Schatzamt eine Reihe von Goldversteigerungen, um den Preis zu drücken. Aber 1979 wurde die Nachfrage immer drängender und damit die Goldabflüsse immer stärker und die Auktionen mussten wieder eingestellt werden.

Bereits im Juli 1978 hatte Gold den Stand von 195 Dollar pro Unze wieder erreicht. Der Preis stieg immer weiter auf 250 im Februar 1979, auf 300 im Juli, 400 im Oktober, um schließlich von November 1979 bis Januar 1980 auf 850 Dollar zu explodieren. Nachdem das Publikum sich 1975 so die Finger verbrannt hatte, war man zunächst sehr zögerlich und jetzt sprangen plötzlich alle auf den fahrenden Zug und verbrannten sich wieder die Finger.

Paul Volcker, der damalige Präsident der amerikanischen Notenbank, setzte im April 1980 die Prime Rate auf unglaubliche 20 %. Nachdem alle aus dem Dollar ins Gold geflüchtet waren, rannten sie nun plötzlich in die umgekehrte Richtung aus dem Gold in den Dollar. Gold fiel auf 300 Dollar pro Unze. Als im Laufe von 1982 die Zinsen wieder herunterkamen standen die Investoren erneut vor der Frage wohin sie sich wenden sollten. Der Aktienmarkt begann zu steigen und auch Gold stieg wieder bis auf 510 im Januar 1983. Aber dann begann der lange Aufstieg des Aktienmarktes und der lange Abstieg des Goldpreises. Es wurde zwar immer mehr Falschgeld produziert, aber das flüchtete nicht ins Gold sondern floß in den Aktienmarkt. Den Anstieg der Falschgeldproduktion kann man sehr schön an der Schuldengrenze der Amerikaner ablesen. Noch im März 1971 war die permanente Schuldengrenze der Staatsverschuldung bei 400 Milliarden Dollar festgeschrieben. Ende 1982 lag die Staatsverschuldung zwar bei 1250 Milliarden, aber die permanente Schuldengrenze war immer noch bei 400 Milliarden festgeschrieben. Alle zwischenzeitlichen Erhöhungen der Grenze waren als vorübergehend deklariert worden. Nachdem das allmählich unglaubwürdig wurde, hob man den Unterschied zwischen vorübergehend und permanent auf. Die „vorübergehend permanente“ Grenze steht heute bei 5600 Milliarden. Amerika steht dabei nur als Beispiel für praktisch alle Nationen. Dieser weltweiten Schuldenexplosion entspricht natürlich eine Falschgeldexplosion in gleicher Höhe, denn Falschgeld entsteht ja nur durch Verschuldung und dieses Falschgeld bewirkte den größten Aktien- und Immobilienboom aller Zeiten von 1982 bis heute. Aber jetzt entsteht ein Problem. Natürlich wird man versuchen, diesen Prozeß so lange wie möglich in Gang zu halten. Aber irgendwie sagt einem der gesunde Menschenverstand, dass die Menschheit auf Dauer nicht von Aktienkurssteigerungen leben kann.

Wenn zunehmend Menschen ihren Job aufgeben, weil sie an der Börse mehr verdienen, fragt man sich doch, wo das, was da „verdient“ wird, wohl real herkommt. Das fatale am Falschgeld ist ja, dass es nicht durch eine Leistung entsteht, sondern allenfalls durch ein Versprechen auf Leistung, indem jemand sagt, ich schulde Dir etwas in der Zukunft. Nun kann man aber ein Versprechen nicht essen, trinken oder darin wohnen. Irgendjemand muss also das, was da „verdient“ wird, erst noch real erzeugen. Aber wie soll das gehen, wer soll die immer rascher steigenden Riesenversprechungen erfüllen?

Es besteht also immer mehr die Gefahr, dass sich plötzlich, ähnlich wie bei der Tulpenzwiebelmania, der Südseeblase, dem Missisipischwindel wie 1929 oder 1990 in Japan oder wie bei allen vorangegangenen Blasen schlagartig bei vielen Menschen gleichzeitig diese Einsicht durchsetzt. Doch wohin soll man sich dann wenden? In was soll man sich mit seinem Reichtum flüchten so lange auf dem Papier noch etwas davon da ist?

In der Geschichte war das immer Gold und Silber, nur Gold und Silber haben immer wieder diese Stürme überstanden. Aber Gold und Silber kann man doch auch nicht essen, trinken oder darin wohnen. Das ist richtig, aber die Menschen werden immer für Gold und Silber Brot und Wein tauschen, auch wenn sie für Papiergeld nichts mehr hergeben. Gold und Silber war auf dieser Welt immer ein Tauschmittel und wird immer ein Tauschmittel bleiben. Wenn also plötzlich der Goldpreis stark steigt, so ist das ein untrügliches Zeichen, dass die Menschen anfangen, dem Falschgeld zu mißtrauen. Damit Falschgeld weiter angenommen wird, muss der Goldpreis niedrig bleiben. Aber je mehr Falschgeld in Umlauf ist, umso schwieriger wird es, das Vertrauen aufrecht zu halten und den Goldpreis zu drücken.

Der versteckte, und heimliche Goldkrieg, der jetzt seit etwa 1987 stattfindet, wird nun ausgerechnet von dem Mann geführt, der einmal ein vehementer Verfechter des Goldstandards war. Das Ganze hat schon etwas von einer griechischen Tragödie. Die Strategie des Kampfes ist jetzt von einer so raffinierten Eleganz, das es Ihnen die Sprache verschlagen wird. Das generelle Motto könnte etwa lauten: „Der Listige läßt denjenigen, den er betrügen will, den Irrtum selbst begehen.“ Voraussetzung dafür war zunächst eine neue Art von Gold zu schaffen, nämlich Papiergold. Man hatte gelernt, dass es dumm und töricht war, einfach physisches Gold zu verkaufen, um den Preis zu drücken. Über kurz oder lang ist dabei der Vorrat erschöpft. Zumal seit 1988 allein die jährliche Nachfrage nach Goldschmuck größer ist als die jährliche Goldproduktion von etwa 2500 Tonnen. Man musste also einen Goldmarkt erfinden, auf dem sich der Vorrat nicht erschöpft. Hier kam eine Entwicklung zu Hilfe, die vorher schon auf anderen Märkten stattgefunden hatte. „Forwards“ und „Futures“, also Terminmärkte, waren schon früher erfunden worden. Man war schon lange auf den Gedanken gekommen, etwas Zukünftiges, das noch gar nicht vorhanden ist, schon heute zu verkaufen, eben auf Termin. Neu war aber die Entwicklung von immer neuen und raffinierteren Handelsinstrumenten, sog. Derivaten, mit denen man irgendetwas auf Papier handeln konnte. Zuerst wurden diese Derivate für die Schulden- und Währungsmärkte entwickelt, um sich dann auch auf den Aktienmarkt und schließlich den Goldmarkt auszuweiten. Mit den Derivaten sind zwei wichtige Vorteile verbunden. Zum einen kann man einen viel größeren Hebel erzielen, einen höheren Leverage. Die in die Schlagzeilen geratene Firma Long Term Credit Management - LTCM hatte z. B. mit etwa 3 Milliarden Eigenkapital über 100 Milliarden Derivate bewegt. Zum anderen kann man die Umlaufgeschwindigkeit erhöhen, ohne dass die Geldmenge M1, M2, M3 usw. steigt. Man kann den Gegenstand, der dem Derivat zugrunde lieg, viel schneller und in viel größerem Umfang handeln. Die „Liquidität“ des Handelsgegenstandes wird erhöht. Das geschah auch mit Gold. Im Jahr 1997 wurde der Goldmarkt von der Mitteilung überrascht, dass an der LBMA der London Bullion Marketing Association täglich etwa 1000 Tonnen Gold im Wert von etwa 10 Milliarden Dollar gehandelt werden. Das ist deshalb überraschend, weil insgesamt nur 2500 Tonnen Gold jährlich neu produziert werden. Der Goldmarkt ist also viel größer als man bisher angenommen hatte. Wobei in London aber überwiegend Papiergold gehandelt wird, während der sehr viel kleinere physische Goldmarkt weitgehend über Zürich läuft. Der Vorteil eines großen Papiergoldmarktes liegt darin, dass man hier den Goldpreis mit Papiergeld kontrollieren kann und nicht unbedingt physisches Gold braucht. Es werden ja immer nur die Differenzen von Wetten in Geld abgerechnet und nicht physisches Gold bewegt. Viel Geld macht auf diesem Markt gleichsam mehr Eindruck als viel Gold.

Hinzu kam aber ein weiterer recht raffinierter Mechanismus, um den Goldpreis seit 1987 unter einer unsichtbaren Glasdecke von etwa 400 Dollar pro Unze zu halten bzw. weiter zu drücken. In Anbetracht der stagnierenden oder sinkenden Goldpreise sind viele Goldminen dazu übergegangen, ihre Produktion „vorwärts“ zu verkaufen. Der Mechanismus ist sehr einfach. Eine Goldmine mit nachgewiesenen Reserven im Boden will einen Teil dieser Reserven vorwärts verkaufen und geht zu einer Goldhandelsbank, die sich bereit erklärt, heute schon das Gold zu kaufen zur Lieferung in zwei Jahren zum Preis von sagen wir 450 Dollar pro Unze. Die Goldmine hat damit einen Gewinn fixiert und sie bekommt jetzt schon Geld für Gold, das noch im Boden ist. Im Allgemeinen besorgen sich Goldminen auf diese Weise Geld, um neue Bohrungen und neue Produktionen zu finanzieren. Letztlich handelt es sich dabei aber um den alten Trick, den wir schon bei Goethe kennengelernt haben, nämlich etwas Zukünftiges, das noch gar nicht da ist, wird schon heute verkauft.

Ein weiterer Trick, mehr Gold zu verkaufen als man eigentlich hat, läuft über die sog. Goldleihe. Die Zentralbanken der Welt haben etwa 35.000 Tonnen Gold im Keller. Die restlichen 90.000 Tonnen gehören Privatleuten. In den letzten Jahren sind die Zentralbanken immer mehr dazu übergegangen, einen Teil dieses Goldes gegen geringe Zinsen von etwa 2 % zu verleihen. Das Argument dafür lautet, so bringe das Gold, das sonst nutzlos im Keller liegt, wenigstens ein paar Zinsen. Große Banken leihen sich nun das Gold für 2 %, verkaufen es am Markt und legen den Erlös zu 7 % in „sicheren“ Staatsanleihen an. Gold carry trade nennt man dieses Geschäft. Diese Verkäufe drücken natürlich den Goldpreis und wenn man Glück hat, kann man später, wenn das geliehene Gold zurückgegeben werden muss, sogar zu einem niedrigeren Preis zurückkaufen und hat so zusätzlichen Gewinn. Dieses Geschäft hat in den letzten 10 Jahren hervorragend funktioniert und immer mehr zugenommen, weil dadurch auch der Goldpreis immer mehr gefallen ist.

Ein Weiteres kommt noch hinzu. Die Zentralbanken verleihen meist nicht physisches Gold, indem sie Barren auf LKW‘s laden. Das Gold bleibt im Keller und wird gar nicht bewegt. Vielmehr verleiht die Zentralbank nur einen Zettel, auf dem steht, der Inhaber dieses Zettels kann soundsoviel Gold bei der Zentralbank abholen, wenn er will. Die Bank, die sich Gold bei der Zentralbank leiht, bekommt nur diesen Zettel, das ist viel praktischer. Sie verkauft dann auch nicht physische Barren sondern eben diesen Zettel, den Anspruch auf Barren.

Nun kann die Zentralbank dieselben Barren in Form von Zetteln natürlich mehrfach verleihen, wenn ohnehin niemand die Barren abholt. Sie kann 10 oder auch 20 Zettel für dieselben Barren hergeben. Erkennen sie ihn wieder? Das ist der uralte Trick, den die Goldschmiede schon vor hunderten von Jahren entwickelt haben - fractional banking. Sie sehen, es ändert sich kaum etwas, es wiederholt sich nur alles. Gerade hat die Firma Flow-Tex diesen Trick mal wieder neu entdeckt, und über 1000 fiktive Bohrgeräte für über 3 Milliarden Mark an Banken verkauft, bis dann einer sein Bohrgerät mal wirklich haben wollte und Flow Tex Konkurs anmelden musste. Das Typenschild an der Bohrmaschine wurde einfach ausgewechselt, so dass man dieselbe Bohrmaschine 10 oder 20 mal verkaufen bzw. beleihen konnte. So ähnlich funktioniert das auch mit Goldbarren. Das Goldangebot wurde in den letzten 10 Jahren beträchtlich ausgeweitet, mit diesen zwei uralten Tricks. Man verkauft zukünftiges Gold, das es noch gar nicht gibt, schon heute und man verkauft bzw.verleiht das Gold, das man im Keller hat, mehrfach. Damit konnte man das Wunder vollbringen, dass der Goldpreis ständig gefallen ist, obwohl die Nachfrage ständig gestiegen ist und seit 10 Jahren die Nachfrage auch die jährliche Neuproduktion um etwa 1000 Tonnen pro Jahr übersteigt. Diese Lücke ist praktisch mit fiktivem (versprochenem) Gold aufgefüllt worden. Man schätzt, dass im Goldmarkt eine Short-Position von etwa 10.000 bis 15.000 Tonnen besteht, also Gold, das irgendjemand liefern muss, weil er es verkauft hat, über das er aber gar nicht verfügt. Und nun raten Sie mal, wem das Gold abgenommen wird und wer es fast umsonst bekommt? Richtig, Sie ahnen es, das Publikum und die Goldminenaktionäre, die jetzt glauben, sie hätten Gold, bekommen es abgenommen und die Zentralbanken und Goldhandelsbanken bekommen das Gold zu extrem günstigen Preisen. Diesmal läuft es allerdings nicht so simpel brutal wie es 1933 Roosevelt gemacht hat, indem er einfach den Leuten per Gesetz das Gold weggenommen hat und es anschließend höher bewertet hat. Diesmal läßt man, wie gesagt, das Publikum die Irrtümer freiwillig selbst begehen.

Da ist zunächst einmal der simple alte Börsentrick, dass man schlechte Nachrichten lanciert und eine Sache schlecht redet, die man kaufen will. Seit Jahren wird dem Publikum erzählt, das Gold nicht mehr gebraucht wird, dass es bei den Zentralbanken mittlerweile zu einer Art Entsorgungsproblem wird, weil sie nicht wissen, wie sie das Zeug rasch los werden können bevor es ganz wertlos wird. Ständig steht in der Zeitung, dass irgendeine Zentralbank ihr Gold verkauft. Holland, Belgien, Kanada, der IWF und sogar die Schweiz. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass immer nur die Verkäufer in der Zeitung stehen und nie der Käufer, der ja dazugehört? Da steht z.B., Holland verkauft 400 Tonnen Gold, aber es steht nie dabei, wer das eigentlich gekauft hat. Wenn Sie also Gold hin und her verkaufen und immer nur über den Verkauf berichten, können Sie ganz einfach den Eindruck erzeugen, alle Welt würde nur Gold verkaufen. Den umgekehrten Eindruck würde man erzeugen, wenn man nur die Käufer nennen würde.

Tatsächlich ist es so, dass sich an den Zentralbankbeständen von insgesamt etwa 35.000 Tonnen in den letzten 30 Jahren praktisch nicht viel geändert hat. D. h., wenn eine Zentralbank Gold verkauft, kauft es eine andere, meist über die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel, die so etwas wie die Zentralbank der Zentralbanken ist. Der ständige Strom von immer wiederkehrenden schlechten Nachrichten in den Medien über das Gold hat nun tatsächlich dazu geführt, dass zumindest in den westlichen Industrieländern, Gold als Anlagemedium kaum noch eine Rolle spielt. Kaum noch jemand hält, wie früher, wenigstens 10 % seiner Anlagen in Gold. Die privaten Horte wurden tatsächlich zu billigen Preisen abgegeben.

Anders sieht das in den Entwicklungsländern aus. Besonders Indien und China, aber auch andere asiatische und arabische Länder importieren massiv Gold und Silber. Die Edelmetalle, die lange Zeit nach Westen geflossen sind, fließen wieder zurück nach Osten.

Bevor ich in diesem Zusammenhang noch einmal auf die Frage eingehe, warum Gold immer Geld sein wird, will ich Ihnen aber noch beschreiben, auf welch raffinierte Weise die Besitzer von Goldminenaktien jetzt ihr Gold abgenommen bekommen und wie diesmal die Zentralbanken Gold konfiszieren.

Gegen Ende des Jahres 1999 trat plötzlich der merkwürdige Fall ein, dass die Kurse bestimmter Goldaktien stark zu fallen begannen, sobald der Goldpreis stieg. Eigentlich merkwürdig, dass eine Aktie ausgerechnet dann fällt, wenn das Produkt der Gesellschaft im Preis stark steigt. Betrachten wir einmal eine Goldmine, die durch einen steigenden Goldpreis praktisch in den Ruin getrieben wurde. Ashanti ist die größte Goldmine in Ghana und ihre Aktien werden weltweit an den Börsen gehandelt und liegen bzw. lagen in vielen Goldfonds oder Depots der noch verbliebenen Goldfreunde. Ashanti hat 12 Millionen Unzen vorausverkauft und damit seine zukünftige Goldproduktion für die nächsten 8 Jahre bereits verkauft, zu einem Preis zwischen 330 und 380 Dollar pro Unze. Zusätzlich hat Ashanti massiv Wetten abgeschlossen, dass der Goldpreis fällt, indem es ca. 10.000 Puts auf Gold gekauft hat. Den Kaufpreis für diese Puts hat Ashanti finanziert, indem es etwa die doppelte Menge Calls geschrieben hat. Der Prämienerlös aus zwei Calls bringt etwa den Kaufpreis eines Put. Die Wette hat Ashanti also zunächst scheinbar kein Geld gekostet. Nun haben plötzlich und unerwartet am 26. Sept. 1999 fünfzehn europäische Zentralbanken erklärt, dass sie für die nächsten 5 Jahre kein zusätzliches Gold mehr verleihen wollen, dass nur noch die ohnehin geplanten und bereits angekündigten 2000 Tonnen Gold verkauft werden sollen und dass Gold weiterhin eine zentrale Rolle im Geldsystem spielen werde.

Was der eigentliche Hintergund für diese überraschende Erklärung war, wird die Welt vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt einmal erfahren. Möglich, dass damit die Ablösung des Dollar als Leitwährung eingeläutet wurde. Auf alle Fälle schoß der Goldpreis unmittelbar nach der Veröffentlichung dieser Erklärung von etwa 250 auf 330 Dollar hoch und Ashanti (wie auch einige andere Minen) waren über Nacht zahlungsunfähig, weil Ashanti von seinen Banken einen „margin call“ bekam über etwa 580 Millionen Dollar, die Ashanti nicht bezahlen konnte. Ashanti hatte mit einem hohen Leverage auf fallende Goldpreise gesetzt und musste jetzt für seine Positionen zusätzliche Sicherheiten leisten. Die Aktien fielen ins Bodenlose. Ashanti hat dann ein Stillhalteabkommen mit den Banken geschlossen zu sehr ungünstigen Bedingungen. Die Mine gehört jetzt praktisch den Banken und nicht mehr den Aktionären. Und nun dürfen Sie einmal raten, wer die Gegenpositionen zu den Baisseengagements von Ashanti hält, wer also von dem Goldpreisanstieg profitiert. Richtig, die Hausbank Goldmann Sachs, die diese komplexen Finanzierungs- und Hedge-Instrumente mit entwickelt hat und wohl auch Ashonti den Rat gegeben hat, sich gegen fallende Goldpreise ordentlich abzusichern. Goldman Sachs hält den größten Teil der Gegenpositionen und bekommt wohl auch die Mine. Nun kann man Goldmann Sachs wohl kaum einen Vorwurf machen, denn das Management von Ashanti hat diese Geschäfte ja freiwillig und aus eigener Überzeugung abgeschlossen. Wenn jemand in die Spielbank geht und Haus und Hof verspielt, wird man nicht die Spielbank verklagen wollen. Böse Zungen behaupten zwar, hier habe mal wieder die überlegene Intelligenz des weißen Mannes die Bimbos aufs Kreuz gelegt. Aber das stimmt nicht, aufs Kreuz gelegt sind nämlich alle Goldinvestoren dieser Welt, egal welcher Hautfarbe.

Normalerweise kauft ein Aktionär ja Goldminenaktien, weil er auf einen steigenden Goldpreis spekuliert. Jetzt müssen viele Aktionäre plötzlich überrascht feststellen, dass sie in Wahrheit statt einer Goldmine einen Hedge-Fonds gekauft haben, der auf Drängen und Anraten seiner Bank mit hohem Leverage auf fallende Goldpreise spekuliert hat. Möglicherweise gibt es da noch ein paar Klagen, weil diese völlig andere Zielsetzung den Aktionären nicht ausreichend mitgeteilt wurde.

Wenn Sie also Goldminenaktien kaufen, weil sie glauben, dass der Goldpreis steigt, müssen Sie neuerdings sich sehr genau das Hedgebuch Ihrer Gesellschaft ansehen und sich über Vorausverkäufe und Short-Positionen informieren. Barrick Gold ist z. B. so eine Zeitbombe, die auch massiv auf fallende Goldpreise spekuliert hat. Viele Goldminenaktionäre verkaufen jetzt auch empört ihre Aktien, was den Banken natürlich die Möglichkeit gibt, zu günstigen Kursen einzusammeln. Sie sehen, es ist gar nicht so einfach, den eigenen Verstand zu gebrauchen und die richtige Entscheidung zu treffen, die anderen denken sich auch was. Auch Anlageberater empfehlen daher in der Tat, sich ausschließlich physische Barren zu kaufen und die im Garten zu vergraben oder wenigstens in ein separates Bankfach zu legen und die Finger von jeder Form von „Papiergold“ zu lassen.

Damit kommen wir zu dem zweiten genialen Trick, nämlich wie die Zentralbanken vom Publikum und auch von den Goldhandelsbanken das Gold einsammeln. In der Tat, diesmal wird das Gold freiwillig bei den Zentralbanken abgeliefert und das geht so: Wenn die Zentralbank dieselbe Tonne Gold sagen wir 10 mal verleiht, indem sie dafür 10 mal einen Zettel herausgibt, auf dem steht: „Gegen Vorlage dieses Zettels erhält der Überbringer von der Zentralbank 1 Tonne Gold“, so betreibt sie damit ganz normales, legales fractional-banking. Das ist genau das, was jede Bank mit Papiergeld macht. Nun leiht sich eine Goldhandelsbank, sagen wir Goldmann-Sachs, 1 Tonne Gold in Form eines solchen Zettels und verkauft den Zettel im Markt. Damit drückt das zusätzliche Angebot von einer Tonne Gold ein wenig auf den Goldpreis. Nach einem Jahr, wenn der Leihvertrag ausläuft muss Goldmann-Sachs entweder den Zettel zurückgeben oder 1 Tonne Gold. Den Zettel haben sie aber verkauft für 10 Millionen Dollar und der Käufer rückt ihn nicht wieder raus. Also müssen sie Gold liefern. Wenn das den anderen 9 Banken auch so geht, bekommt die Zentralbank 10 Tonnen Gold geliefert, ohne zunächst dafür einen Pfennig zu bezahlen und die Goldhandelsbanken müssen das Gold irgendwie im Markt besorgen, wahrscheinlich zu einem massiv gestiegenen Preis. Ob die Zentralbank später ihre Zettel mit Goldlieferungen honoriert oder die Inhaber einfach mit Zentralbankgeld zum niedrigen Goldpreis abgefunden werden wie 1933, wird sich zeigen.

Es ist jedenfalls in der Tat so, dass Banken und Zentralbanken weitgehend unbemerkt ein zusätzliches System des fractional banking auf Goldbasis aufgebaut haben. Das riesige Volumen des Londoner Goldmarktes von etwa 1000 Tonnen täglich, die umfangreichen Goldleihen, Vorwärtsverkäufe und Derivate sprechen für diese These. Die Zentralbanken haben auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie umfangreiche Goldleihegeschäfte betreiben. Aber es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen einem fractional reserve system, das auf Papiergeld aufbaut und einem das auf Gold aufgebaut ist. Papiergeld kann man beliebig erzeugen und nachschieben - Gold nicht. Auch ein fractional reserve system, das auf Gold aufbaut, kann lange gut funktionieren. Das hat die Geschichte gezeigt. Aber bei Gold kann man, anders als bei Papier, einen Bankrun nicht mehr abwenden. Die Natur steht als lender of last ressort nicht zur Verfügung. Wahrscheinlich ist das der tiefere Grund, warum die europäischen Zentralbanken jetzt kalte Füße bekommen haben und diese ominöse Erklärung vom 26. Sept. 1999 abgegeben haben, dass sie kein Gold mehr verleihen.

Nachdem also in London ein liquider großer Goldmarkt aufgebaut wurde und mit den beiden alten Tricks, nämlich Verkauf von Gold, das noch gar nicht vorhanden ist und Mehrfachverkauf desselben Goldes, eine große Menge fiktiven Goldes erzeugt wurde, das man zusätzlich verkaufen konnte, scheint dieser Prozess an eine Grenze zu stoßen. Auch die Vermehrung dieses fiktiven Goldes über Derivate ist möglicherweise ausgereizt. Das könnte dafür sprechen, dass der Goldpreis jetzt seinen Tiefpunkt erreicht hat und er möglicherweise über längere Zeit und vielleicht sogar explosionsartig wieder ansteigt auf einen wesentlich höheren Gleichgewichtspreis. In Dollar würde das natürlich nichts anderes heißen als dass der Dollar wieder entsprechend gegen Gold abgewertet würde.

Nur um Ihnen einmal eine Vorstellung von der Größenordnung zu geben. Wenn die etwa 500 Milliarden gedruckten Dollarscheine mit den angeblich noch vorhandenen amerikanischen Goldreserven von ca. 8500 Tonnen zu 100 % gedeckt werden sollen, ergäbe das einen Preis von etwa 1700 Dollar pro Unze. Manche sehen den Preis auch bei 3000 Dollar und höher. Aber das sind alles Gedankenspielereien. Wie das System dann aussieht und welchen Preis eine Unze Gold darin hat, kann heute niemand sagen.

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