Die Geldfalle/Die Falschgeldfalle - Warum Staat und Banken jetzt immer mehr Falschgeld erzeugen müssen
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Jetzt reiten alle auf dem Tiger.
Lassen Sie uns zunächst noch ein weiteres Gedankenexperiment machen. Wahrscheinlich kennen Sie das schon. Da wächst eine Seerose in der Mitte eines Teiches und verdoppelt jeden Tag ihre Blattgröße. Nach 100 Tagen hat sie den ganzen Teich bedeckt. Frage: Nach wieviel Tagen hat sie die Hälfte des Teiches bedeckt? Die Meisten antworten, so nach 60 - 70 Tagen. Was würden Sie sagen? Nun am 99. Tag hat sie erst den halben Teich bedeckt und schon am nächsten Tag ist der Teich zu.
Vielleicht kennen Sie ja die ähnliche Geschichte mit den Weizenkörnern, die der Erfinder des Schachspieles vom König gefordert hat. Nämlich für das erste Feld 1 Korn, für das zweite Feld 2 Körner, das dritte Feld 4 Körner, für das vierte Feld 8 Körner und so weiter. Am Ende hätte der König Millionen Tonnen von Weizen liefern müssen. Warum sind diese Ergebnisse für die Menschen immer wieder überraschend? Weil wir keine Empfindung für Exponentialfunktionen haben. Wir können uns so etwas nicht vorstellen, es sprengt geradezu unsere Vorstellungskraft. Es kommt ja auch in der Natur selten vor. Vielleicht bei Heuschreckenplagen, Bakterienbefall oder so etwas, aber normalerweise wachsen eben die Bäume nicht in den Himmel.
Es gibt aber eine Exponentialfunktion im Wirtschaftsbereich, nämlich den Zinseszins. Wenn man bei Christi Geburt einen Pfennig zu 5 % Zins angelegt hätte, wäre die Anlage bis ca. 1750 auf einen Wert gewachsen, der etwa einer Kugel Gold von der Größe der Erde entspräche und bis 1990 etwa auf einen Wert von 134 Milliarden solcher Kugeln - schwer vorstellbar. Aber genau an dieser Stelle ist die Achillesferse unseres Falschgeldsystems. Alles Geld, das auf dieser Welt existiert, jetzt einmal davon abgesehen, dass es noch das Gold gibt, das aber ja seit 1971 offiziell kein Geld mehr ist, also alles offizielle Geld ist verzinslich unterwegs. Das sind so zwischen 50 und 60 Tausend Milliarden Dollar, die Tag und Nacht verzinst werden müssen, wobei auch die Zinsen geliehen werden und zur Schuld hinzukommen. Dabei handelt es sich um das, was man im weitesten Sinne unter M3 plus versteht, also praktisch alles Geldvermögen. Diesem Geldvermögen steht notwendigerweise eine gleich hohe Schuld gegenüber, die verzinst werden muss und diese Zinsen fließen dem Geldvermögen zu. Geldvermögen und Geldschulden saldieren sich immer zu null. Erst wenn die Schulden faul werden, erlassen werden oder sonstwie verschwinden, löst sich damit auch das Geldvermögen in Luft auf und die Verzinsung hört auf.
Diesen Punkt muss man sich wirklich klar machen, dass nämlich die riesigen Falschgeldvermögen, im Gegensatz zu Gold, das ja keine Schuld ist, ständig verzinst werden müssen. Auch jeder 100 Markschein ist immer nur verzinslich unterwegs und muss verzinst werden, auch wenn er unter der Matratze liegt, denn der Geldschein kommt nur in Umlauf, indem sich jemand verschuldet. Heinrich Heine hat diesen beängstigenden Sachverhalt der permanenten Verzinsung des Kreditgeldes schon 1848 sehr eindringlich wie folgt beschrieben: „Es ist still ......Nur ein leiser monotoner Tropfenfall. Das sind die Zinsen, die fortlaufend hinabtröpfeln in die Kapitalien, welche beständig anschwellen; man hört ordentlich, wie sie wachsen, die Reichtümer der Reichen. Dazwischen das leise Schluchzen der Armut. Manchmal klirrt auch etwas, wie ein Messer, das gewetzt wird......“
Die Zentralbank rückt Papiergeld nur gegen Verzinsung raus. Auch das Giralgeld, welches die Banken erzeugen, wird nur gegen Verzinsung zur Verfügung gestellt. Mit anderen Worten, die Banken erzeugen das Falschgeld nicht nur für sich, um damit einzukaufen (das tun sie auch), sondern dieses Falschgeld wird auch nur gegen Zinsen an das Publikum verliehen. Auch der Staat bekommt das Falschgeld der Banken nur gegen Zinsen zur Verfügung gestellt. Es hat Versuche gegeben das zu ändern. Man hat sich gesagt, warum soll der Staat eigentlich das Falschgeld bei den Banken leihen und dafür auch noch Zinsen zahlen. Warum sollte er sich nicht sein Papiergeld einfach selbst drucken, da spart er wenigstens die Zinsen. In der Tat hat John F. Kennedy diesen Versuch gewagt, das Falschgeldmonopol der Banken zu brechen. Die neuen staatlichen Noten waren teilweise sogar schon gedruckt. Es hält sich hartnäckig das böse Gerücht in Amerika, dass die Banken aus diesem Grund in den Kennedy-Mord involviert gewesen seien, was natürlich nie bewiesen wurde. Aber plausibel ist der Gedanke schon. Es wäre ja um sehr viel Macht gegangen. Jedenfalls wurden die neuen Banknoten wieder eingezogen.
Hier zeigt sich ein Problem, vor dem die Freunde von ungedecktem Papiergeld, also die Falschgeldfreunde, immer stehen, nämlich der Frage, wie soll das Falschgeld unter die Leute kommen. Naheliegend wäre natürlich, die Grundausstattung dem Volk zu schenken, etwa nach Köpfen verteilt oder mit dem Hubschrauber abgeworfen. Silvio Gesell hat vorgeschlagen, dass der Staat das Falschgeld als erster bekommt und es dann über seine Staatsausgaben unters Volk verteilt. Das ist offenbar das, was auch Kennedy wollte.
Heute ist es so, dass Banken und die Zentralbank das Monopol auf Falschgeldproduktion haben und sie dieses Falschgeld dem Publikum wie auch dem Staat nur verzinslich zur Verfügung stellen. Und hier schnappt nun die Geldfalle zu. Der Zwang zur Verzinsung erfordert, dass jetzt immer schneller immer mehr Falschgeld produziert werden muss, weil ja die Verzinsung auch in Form von Falschgeld erzeugt werden muss. Wo sonst sollte das zusätzliche Geld herkommen? Es gibt ja nur noch dieses Schuldgeld und das können nur die Banken machen.
Man muss sich nur einmal gedanklich vorstellen, die Banken würden alles Geld nur für ein Jahr verleihen. Am Ende des Jahres muss alles bisher ausgeliehene Geld an die Banken zurückgezahlt werden plus 5 % Zinsen. Wo soll dieses Geld für die 5 % Zinsen herkommen? Richtig - man muss es sich bei der Bank leihen. Genau das ist der Sprengsatz des Systems. Ich glaube, diese Erkenntnis ist sehr wichtig, deshalb will ich hier zum Verständnis noch eine hübsche kleine Geschichte einfügen, die den Zusammenhang sehr schön klar macht, die auch Bernard Lietaer in seinem Buch: „Das Geld der Zukunft“ erzählt:
Das elfte Lederstück
Es war einmal ein kleines Dorf im australischen Busch. Dort bezahlten die Menschen alles mit Naturalien. Auf dem Markt spazierten sie mit Hühnern, Eiern, Schinkenkeulen und Broten herum und verhandelten lange miteinander über den Tausch der Güter, die sie brauchten. An einem Markttag tauchte ein Fremder auf. Er trug glänzende schwarze Schuhe und einen eleganten weissen Hut und beobachtete das Treiben mit einem sardonischen Lächeln. Beim Anblick eines Farmers, der verzweifelt versuchte, die sechs Hühner einzufangen, die er gegen einen grossen Schinken eintauschen wollte, konnte er sich das Lachen nicht verkneifen. „Die armen Leute“, stieß er hervor, „wie primitiv sie leben“. Die Frau des Farmers hörte seine Worte und sprach ihn an. „Meinen Sie, Sie kämen mit den Hühnern besser zurecht?“ fragte sie ihn. „Mit den Hühnern nicht“, erwiderte der Fremde, „aber es gibt einen viel besseren Weg, sich den ganzen Ärger zu ersparen.“ „Ach ja und wie soll das gehen?“ „Sehen Sie den Baum dort?“ sagte der Fremde. „Ich gehe jetzt dorthin und warte, bis einer von euch mir eine grosse Kuhhaut bringt. Dann soll jede Familie zu mir kommen. Ich werde euch den besseren Weg erklären.“ Und so geschah es. Er nahm die Kuhhaut, schnitt gleichmäßige, runde Stücke davon ab und drückte auf jedes Stück einen kunstvoll gearbeiteten, hübschen kleinen Stempel. Dann gab er jeder Familie ein rundes Stück und erklärte, dass es den Wert von einem Huhn habe. „Jetzt könnt ihr mit den Lederstücken Handel treiben anstatt mit den widerspenstigen Hühnern.“ Das leuchtete den Farmern ein. Alle waren sehr beeindruckt von dem Mann mit den glänzenden Schuhen und dem interessanten Hut. „Ach, übrigens“, meinte er noch, nachdem jede Familie ihre zehn runden Lederstücke entgegengenommen hatte, „in einem Jahr komme ich zurück und sitze wieder unter diesem Baum. Ich möchte, dass jeder von euch mir elf Stücke zurückgibt. Das elfte Stück ist ein Unterpfand der Wertschätzung für die technische Neuerung, die ich in eurem Leben eingeführt habe.“ „Aber wo soll das elfte Stück denn herkommen?“ fragte der Farmer mit den sechs Hühnern. „Das werdet ihr schon sehen“, erwiderte der Mann und lächelte beruhigend.
Der Witz der Geschichte ist natürlich, dass ein elftes Lederstück gar nicht abgeschnitten wurde. Man kann also nur auf Kosten der Anderen an das elfte Lederstück herankommen, z.B. indem ein Farmer pleite geht.
Es könnte sein, dass hier ein wichtiger Schlüssel verborgen liegt für eine Fehlsteuerung unseres Wirtschaftssystems. Es gibt Leute wie z. B. Paul C. Martin, die behaupten, nicht die Gier nach Gewinn und Reichtum treibe die Kapitalisten zu immer mehr Wachstum an, vielmehr sei die Angst vor dem Untergang durch Bankrott, also der Schuldendruck, die eigentliche Peitsche des Kapitalismus. Debitismus nennt Martin diesen plausiblen Gedanken. Der Debitismus, der Schuldendruck, zwingt die Unternehmer, auf Kosten anderer zu wachsen und sich zu bereichern. Erst der Debetismus, der Schuldendruck durch Falschgeld, bringt die gnadenlose Konkurrenz aller gegen alle hervor. Der Debitismus bringt die Maxime hervor: „Nimm es Deinem Nachbarn weg“. Das hat aber mit Kapitalismus eigentlich nichts zu tun. Denn im Kapitalismus lautet die Maxime: „Bereichere Deinen Nachbarn“, denn nur, wenn es Deinem Nachbarn gut geht, kannst Du ihm etwas verkaufen und dann geht es auch Dir besser. Es kann durchaus sein, dass durch den Schuldendruck, der durch Falschgeld erzeugt wird, die gnadenlose Konkurrenz, Wachstumszwang, Umweltzerstörung bis hin zu Krisen und Kriegen in das System kommen.
Da ist der Vorschlag von Gesell oder Kennedy von der Logik her schon besser. Zinseszins ist eine Exponentialfunktion, wie wir gesehen haben und damit muss das System notwendigerweise explodieren bzw. im Bankrott enden. Die einzige Möglichkeit, den Bankrott eine zeitlang zu verschleppen, besteht darin, immer mehr Falschgeld zu produzieren und den Zinssatz möglichst gegen Null zu senken. Genau diesen Prozess können wir sehr deutlich seit etwa 10 Jahren in Japan beobachten und zunehmend auch bei uns und in Amerika. Wir werden also eine Explosion der Falschgeldmenge und möglicherweise sogar rückläufige Zinsen beobachten können, was natürlich die Aktienmärkte in ungeahnte Höhen treiben kann bevor der Crash kommt.
Wo liegt der Grundfehler, dass es zu einem solchen, in sich instabilen System kommen konnte? Der Grundfehler liegt offenbar darin, dass man die Unterscheidung zwischen Warengeld und Kreditgeld immer mehr verwischt und schließlich Warengeld ganz abgeschafft hat. Warengeld ist keine Schuld und ist folglich nicht verzinslich unterwegs. Ich kann das Gold 100 Jahre unter der Matratze liegen lassen, es kostet niemanden Zinsen. Der 100 DM-Schein unter der Matratze muss von irgendjemand ständig verzinst werden. Natürlich nicht von dem Besitzer, der ihn unter die Matratze gelegt hat, aber von demjenigen, der ihn von der Bank geliehen hat. Kreditgeld ist ex definitione immer verzinslich unterwegs. Normalerweise entsteht Kreditgeld für kurze Zeit und verschwindet wieder. Deshalb kann es normalerweise nicht zu solchen Exponentialeffekten kommen. Wenn es aber nur Kreditgeld gibt, ich also Kreditgeld unvergänglich mache, und die Schuld nie „zurückzahle“, wie z. B. die Staatsschulden, laufe ich notwendigerweise in diese Geldfalle.
Dabei müssen wir uns allerdings das Wort zurückzahlen etwas genauer ansehen. Es ist nämlich ein weit verbreiteter Irrtum zu glauben, wenn ein Kredit zurückgezahlt wird, sei das Kreditgeld wieder aus der Welt. Wenn ich mit Bargeld, also Scheinen, zurückzahle, kann man klar erkennen, dass dem nicht so ist. Die Scheine werden ja nicht zerissen. Ein Anderer übernimmt die Schuld. Erst wenn die Schuld erlischt, verschwindet auch das Kreditgeld. Mit anderen Worten, unser Geldsystem ist in sich nicht logisch konstruiert. Wir müssen wieder ein Geldsystem schaffen, in dem es dauerhaftes, unverzinsliches Warengeld und vergängliches Kreditgeld gibt. Wenn uns das nicht bald gelingt, kommt es zu einer „natürlichen“ Lösung des Problems.
Wie wir gesehen haben, ist eine exponentielle Verzinsung auf Dauer nicht möglich. Das System explodiert. Soweit kommt es aber gar nicht, weil es vorher schon eine natürliche Grenze gibt. Schuld ist nämlich eine Beziehung unter Menschen und Menschen sind sterblich. Mit dem Tod des Schuldners erlischt die Schuld und niemand erbt freiwillig Schulden. Dies ist auch eines der stärksten Argumente gegen ein Zinsverbot. Es gibt eine recht starke Gruppe, auch in christlichen Kreisen, die ein generelles Zinsverbot fordern und im Zins die Wurzel allen Übels sehen, eben weil Zins und Zinseszins zur Exponentialfunktion führen. Diese ewige Verzinsung gibt es aber im wirklichen Leben nicht, weil sie immer wieder vom Tod unterbrochen wird.
Hier könnte man vielleicht einwenden, dass eine Bank, eine Firma, oder der Staat ja nicht stirbt, aber das ist ein Trugschluß. Eine Schuld kann letztlich nur von Menschen erfüllt, oder beglichen werden. Selbst wenn die Bank, oder der Staat zahlt, müssen doch Menschen dafür leisten. Für die Staatsschulden müssen wir oder unsere Nachkommen gerade stehen, nicht der Staat. Niemand übernimmt freiwillig eine bankrotte Bank oder einen bankrotten Staat. Früher oder später muß der Überschuldung doch ins Auge gesehen werden, die Verschuldung unterbrochen und die Verzinsung abgebrochen werden, entweder mit Bankrott oder Schuldenerlass, wenn die Menschen sie nicht übernehmen.
Mit unserem aktuellen Geldsystem wird aber gerade versucht, genau diesen Zwang zur Unterbrechung aufzuheben und ein „ewiges“ Kreditgeld zu installieren. Aber das ist nicht möglich, ein solches System ist nicht haltbar, die nachfolgenden Generationen werden das Erbe nicht antreten, die Geldfalle schnappt vorher zu. Der eigentliche Systemfehler ist also nicht der Zins. Im Gegenteil, der Zins ist ein sehr wichtiges und notwendiges und auch sehr sensibles Steuerungsinstrument für die Wirtschaft. Der eigentliche Systemfehler ist der Versuch, ewiges Kreditgeld zu installieren, Schulden zu installieren, die nie zurückgezahlt werden müssen. Ein solches Kreditgeld ist notwendigerweise Falschgeld, ein falsches Versprechen, weil es über den Sachverhalt hinwegtäuscht, dass eine Schuld mit dem Tod erlischt. Ewige Schuld kann es genauso wenig geben wie ewiges Kreditgeld. Die Amerikaner haben mit ihrer unnachahmlichen, praktisch zupackenden Art daraus die Empfehlung gemacht: „die broke!“, also nicht vererben, alles verleben und die Schuld mit dem Tod bedienen. Nach genau diesem Motto haben sie auch ihr Land entwickelt, nämlich nach dem Motto, entwickele Dich und Dein Land mit fremden Geld und mach bankrott. Das entwickelte Land und das schöne Leben kann Dir niemand mehr nehmen. Amerika hat nach diesem Motto bereits drei Mal Konkurs gemacht (1780, 1837 und 1971) und wird es wohl auch diesmal wieder machen. Wohlgemerkt im Gegensatz zu Europa und Japan immer mit fremden Geld. Während Europäer und Japaner eher dazu neigen, morgen das auszugeben, was sie heute verdienen, geben die Amerikaner heute das aus, was sie (vielleicht) morgen verdienen. Das Letztere passt natürlich viel besser zum Falschgeldkonzept, ja es ist der eigentliche Kern des Falschgeldkonzeptes.
