Die Geldfalle/Es gibt da ein paar Vorschläge, wie man es besser machen könnte
Aus FreiheitsWiki
Was wir heute haben ist nicht das Gelbe vom Ei. Man kann es auch ganz anders machen.
Es gibt einen klaren Grund dafür, dass die Menschen immer wieder ihrer Ersparnisse beraubt werden und dass es immer wieder zu Geldentwertungen bis hin zu einem Zusammenbruch des Banken- und Finanzsystems kommt. Der Grund ist offenbar der immer erneute Versuch von Staat und Banken, sich mit legalem Falschgeld Vorteile zu verschaffen oder auf scheinbar bequeme Weise Probleme zu lösen. Bequem deshalb, weil mit der Erzeugung von Falschgeld keinerlei Leistung oder Anstrengung verbunden ist. Staat und Banken lösen aber damit nicht die Probleme, sondern schaffen sie erst und verschleppen nur deren Lösung, wie wir gesehen haben. Natürlich haben die Menschen das schon immer gespürt und es gibt zahlreiche Versuche, das System zu durchschauen und bessere Alternativen vorzuschlagen. Aber man muss ganz klar sehen, dass Staat und Banken ihr System verteidigen und sie dabei die stärkeren Bataillone auf ihrer Seite haben. Das Betrugssystem mit legalem Falschgeld ist über viele Jahrhunderte gewachsen und von höchsten wissenschaftlichen Autoritäten intellektuell gerechtfertigt worden. Man denke nur an die „Staatliche Theorie des Geldes“, die F.W. Knapp 1905 veröffentlicht hat. In dieser Theorie wird wissenschaftlich untermauert die abstruse Behauptung vorgetragen, nur was der Staat als Geld bestimme sei auch Geld. Noch im Jahrhundert davor hätte man so etwas für dummes Zeug gehalten. Aber diese Theorie ist heute in den Köpfen derart verankert, dass sich kaum noch jemand privates Geld überhaupt nur vorstellen kann. Post und Eisenbahn kann man ja möglicherweise privatisieren, aber eine Reprivatisierung des Geldes ist praktisch unvorstellbar.
Die Tatsache, dass die Geldfälscher die unbestrittene Meinungsführerschaft haben, führt dazu, dass die Geldreformer immer wie ein Häuflein mitleidig belächelter Querulanten dastehen. Hinzu kommt, dass die Geldreformer sich untereinander immer die heftigsten intellektuellen Schlachten liefern, über den richtigen Reformansatz. Bei diesen Reformvorschlägen ist es wahrscheinlich sinnvoll, wenn man zwischen einer Reform von unten, einer Reform von oben und einer gemeinsamen Reform unterscheidet.
Ich will versuchen, für jede Gruppe einen solchen Ansatz einmal allgemeinverständlich darzustellen und kritisch zu beleuchten. Es gibt wesentlich mehr solcher Ansätze. Besonders in Amerika sind diese Reformgruppen bereits sehr stark verbreitet und das Thema wird dort bereits viel umfassender diskutiert, in zahlreichen Büchern und Artikeln. Ein Prozess, der bei uns erst wieder in Gang kommen muß, wobei wir allerdings an eine umfangreiche Literatur anknüpfen können, aus einer Zeit, in der sich die Bildungsbürger noch mit Geldtheorie befaßt haben. Besonders die sog. österreichische Schule dürfte in diesem Zusammenhang neu entdeckt werden.
- A. Silvio Gesell und Freigeld
Als bedeutende Reformgruppe muss hier für Deutschland Silvio Gesell und seine Freigeldbewegung genannt werden. Unter dem Eindruck der weltweiten Depression schrieb Gesell 1932 sein berühmtes Buch: „Die natürliche Wirtschaftsordnung“. Der zentrale Gedanke ist dabei, dass Geld gleichsam das Blut der Wirtschaft sei, das immer zirkulieren müsse. Wirtschaftskrisen schreibt er in erster Linie Stockungen im Geldkreislauf zu. Um solche Stockungen zu verhindern, erfindet er ein neues Geld, das sog. Schwundgeld, das automatisch ständig an Wert verliert. Damit soll verhindert werden, dass Menschen Geld horten. Jeder soll gezwungen werden, sein Geld möglichst rasch wieder in den Kreislauf zurückzugeben. Damit soll eine sehr hohe konstante Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sicher gestellt werden und der Staat könne dann über die gedruckten Geldscheine sehr genau das Preisniveau oder auch die Konjunktur steuern.
Die Gesell-Anhänger sind über die ganze Welt verstreut und sehr aktiv. Es gibt eine enorme Fülle von Büchern, Zeitschriften und Seminaren, sowie eine ganze Reihe von Experimenten, in denen versucht wurde, das System praktisch durchzuführen. Besonders die Zeit der Brakteaten, also der permanenten Geldverrufung im Mittelalter, wird als Beispiel für die segensreiche Wirkung dieser Art von Geldsystem hervorgehoben. Sind doch gerade in dieser Zeit zahlreiche Dome entstanden.
Nun muss man aber sehen, dass es sich bei Gesellgeld ebenfalls um ein institutionalisiertes Falschgeldsystem handelt. Silvio Gesell hat das auch ganz klar so gesehen, wenn er schreibt: „Europa verdankt seinen Aufstieg der größten Erfindung aller Zeiten - dem Falschgeld. Die Falschmünzerei hat in der Renaissance Rom und ganz Europa aus dem mittelalterlichen Winterschlaf geweckt.“ Das Falschgeld soll bei Gesell allerdings ausschließlich der Staat, oder eine zentrale Behörde in Umlauf bringen, jedenfalls nicht die Banken.
Dies ist ein sehr wichtiger Unterschied zum heutigen System. Heute dürfen nur Banken Falschgeld aus dem Nichts erzeugen. Dieses Falschgeld wird aber nicht verteilt oder vom Hubschrauber abgeworfen, sondern nur gegen Zins verliehen. Auch der Staat muss sich Falschgeld von den Banken gegen Zins leihen. Damit kommt das leidige Zinseszinsproblem in die Geldversorgung, was wegen der Exponentialfunktion notwendig immer wieder zu einer Explosion des Geldsystems führen muss. Dagegen wendet sich Gesell ganz klar. Der Staat, nicht die Banken, erzeugen sein Falschgeld und damit kommt es gleichsam unverzinslich in die Welt. Jeder 1000 DM-Schein, der heute umläuft, muss ja ständig verzinst werden, denn er kommt ja nur in Umlauf, wenn er von den Banken geliehen wird bzw. die Banken ihn von der Zentralbank gegen Zinsen leihen.
Auch wenn die Oma das Geld unter die Matratze legt, müssen ständig Zinsen dafür bezahlt werden. Zwar nicht von der Oma, aber von demjenigen, der den Schein ursprünglich vom Bankensystem geliehen hat. Bei Gesell druckt nur der Staat das Falschgeld und bringt es unverzinst in Umlauf, indem er es als Staatsausgaben ausgibt. Falschgeld ist es deshalb, weil der Staat ja nur druckt und keine Gegenleistung damit verbindet. Der Staat hat den Vorteil, den jeder Falschgelddrucker hat, nämlich dass er etwas bekommt ohne Gegenleistung. Aber das stört Gesell nicht, denn der Staat sind wir alle und so kommt der Vorteil allen zugute, nicht nur den Banken. Natürlich ist Gesell Etatist in höchstem Maße. Er will sein Geld notfalls auch gegen den Willen der Bevölkerung ins Publikum prügeln und auf seinen Geldscheinen soll der Satz stehen: „Wer diesen Zettel zur Einlösung bei der Reichsbank vorzeigt, erhält dort ohne Legitimation 100 Knutenhiebe (negatives Zahlungsversprechen)!“ Damit soll ganz klar gemacht werden, dass es sich hier um Falschgeld handelt und der Staat nichts aber auch gar nichts für sein Geld verspricht.
Mal abgesehen davon, dass Gesellgeld ein tiefes Vertrauen ausgerechnet in die Instanz voraussetzt, die immer wieder und wieder dieses Vertrauen durch Geldbetrug mißbraucht hat, nämlich den Staat, muss man ganz klar sehen, dass es sich hier um ein Geldsystem handelt, das außerhalb aller historischen Geldentwicklung steht. Die Gesell-Anhänger lehnen sowohl Warengeld (Gold) als auch Kreditgeld (Buchgeld) leidenschaftlich ab. Gesell war einer der schärfsten Goldgegner und Buchgeld gibt es für Gesellanhänger praktisch nicht. Ihre theoretische Hauptstütze ist die sog. Quantitätsgleichung, die besagt, dass Geldmenge mal Umlaufgeschwindigkeit exakt der Gütermenge multizipliert mit den Güterpreisen entspricht. G x U = M x P. Diese Gleichung fasziniert natürlich Ingenieure, was vielleicht erklärt, warum unter den Gesell-Anhängern viele Techniker, Ingenieure und Naturwissenschaftler zu finden sind, die auch das Wirtschaftssystem gern exakt geregelt hätten. Von Ökonomen werden sie deshalb zuweilen gern als „Hydraulikökonomen“ belächelt , und das trifft wohl auch den Kern der Sache. Aber Wirtschaft ist eben keine exakte Naturwissenschaft, sondern wohl eher das genaue Gegenteil, nämlich Freiheit, Willkür bis hin zum Chaos, weshalb wohl Chaostheorien in der Wirtschaft angemessener sind als exakte Kausaltheorien. So handelt es sich bei der Gleichung G x U = M x P auch keineswegs um einen kausalen Zusammenhang, sondern um eine schlichte Tautologie, etwa von der Art „wenn es regnet, regnet es“. Die Gleichung besagt nämlich nicht mehr und nicht weniger als dass nachträglich alles, was in einer Periode gekauft wurde, auch bezahlt werden musste. Wenn mehr gekauft wurde, musste auch mehr bezahlt werden oder wenn mehr bezahlt wurde, ist auch mehr gekauft worden. Es besteht nicht der geringste kausale Zusammenhang etwa dergestalt, dass wenn sich eine Größe ändert, sich eine andere Größe entsprechend ändern müsste. Es besteht zwar eine gewisse Plausibilität für das Argument, wenn ich die Geldmenge erhöhe, sollten sich die Preise erhöhen, aber es besteht eben kein kausaler Zusammenhang. Man kann weder sagen, welche Preise sich erhöhen, ob sie sich überhaupt erhöhen oder wann sie sich erhöhen. Es könnten sich schlicht auch die Gütermenge oder die Umlaufgeschwindigkeit oder alle drei ändern, und zwar nach der einen, wie nach der anderen Seite.
Die Gesell-Anhänger glauben nun, man bräuchte nur die Umlaufgeschwindigkeit fixieren und damit hätte man die Sache im Griff, die Kausalität sei hergestellt. In Wahrheit handelt es sich aber um eine Gleichung mit vier Unbekannten. Nicht eine der Größen in dieser Gleichung läßt sich im praktischen Leben auch nur annähernd exakt bestimmen. Weder kann man sagen, was die Geldmenge ist, geschweige denn ihre Größe bestimmen, noch kann man sagen, was die Umlaufgeschwindigkeit ist oder die Gütermenge und auch die Bestimmung des Preisniveaus ist eine völlig willkürliche Angelegenheit. Das hindert aber unsere oberste Geldbehörde, die Bundesbank, nicht daran, diese ominöse Gleichung ebenfalls als eigentliche Grundlage ihrer sog. Geldpolitik, ja ihrer Existenzberechtigung überhaupt zu nehmen. Umso wichtiger ist es, diese Gleichung als eine Schwindeltheorie zur Rechtfertigung von legalem Falschgeld zu entlarven.
Die Bundesbank hat in Frankfurt ein wunderschönes Geldmuseum eingerichtet, dessen Besuch ich jedem nur empfehlen kann. In diesem Museum steht eine Maschine, mit welcher die unendlich schwierige Aufgabe der Bundesbank demonstriert werden soll, die Geldmenge richtig zu steuern, so dass weder Inflation noch Deflation entsteht. Die Begriffe „Inflation“ und „Deflation“ werden hier natürlich als Steigen und Sinken der Güterpreise oder des Preisniveaus definiert. Sie kennen diesen Fälschertrick bereits. Statt das Auf- und Abblähen der Geldmenge, also deren Veränderung als Inflation und Deflation zu bezeichnen, wird die Aufmerksamkeit auf eine ganz andere Stelle gerichtet, nämlich auf die Güterpreise. Damit schaut man nicht mehr auf die Quelle, nämlich die Falschgelderzeuger in der Zentralbank, sondern auf die bösen Kaufleute, Kapitalisten oder Gewerkschaften, welche leichtfertig die Preise und Löhne erhöhen und die brave Bundesbank muss dann mit der Geldmenge gegensteuern. Bei der Maschine hat man zwei Säulen, welche die Gütermenge und die Geldmenge enthalten. Die schwierige Aufgabe der Bundesbank ist es nun, die Geldmenge in der rechten Säule so zu steuern, dass sie der ständig veränderten Gütermenge in der linken Säule angepasst wird, so dass der große Zeiger in der Mitte weder Inflation noch Deflation anzeigt, sondern schön neutral in der Mitte bleibt.
Am Anfang scheitert man natürlich kläglich an dieser Aufgabe, indem man ständig von extremer Inflation zur Deflation wechselt und so kaum Punkte macht, bis man nach einer Weile dahinterkommt, dass die Gütermenge in der linken Säule plötzlich sprunghaft steigt, dann wieder zurückfällt, um dann wieder unerwartet rasch zu steigen. Irgendwie führt man das natürlich zunächst darauf zurück, dass man zu viel oder zu wenig Geld in den Kreislauf gepumpt hat. Aber irgendwann merkt man, dass sich die Gütermenge völlig unabhängig von der Geldmenge ändert. Ob man den Hebel ganz in Ruhe läßt, ständig Vollgas gibt oder ständig auf der Geldbremse steht, egal, die Gütermenge springt aus völlig unerfindlichen Gründen in der gleichen Weise mal rauf und mal runter. Man muss diese Bewegung nur auswendig lernen und schon ist man ein toller Bundesbanker und gewinnt immer.
Ich nehme mal an, dass die Bundesbank ihre sinnlose Tätigkeit der Geldmengensteuerung nicht auf diese Weise entlarven wollte, aber es ist ihr unbeabsichtigt sicher hervorragend gelungen. Geldmengensteuerung ist in der Tat etwa so als ob ich behaupte, ich könne die Regenmenge beeinflussen, indem ich mal mehr und mal weniger Eimer Wasser vor die Tür stelle. Das ist natürlich eine ungeheuer schwierige Aufgabe, die mir meist nicht gelingt. Wenn ich einen Riesenstab von Meteorologen, Statistikern und sonstigen Experten beschäftige, habe ich vielleicht mehr Glück, aber ich kann es auch ganz lassen, am Wetter wird sich nichts ändern.
Zentralbanken stützen ihre Existenzberechtigung vorwiegend auf das Argument, sie müssten die Geldmenge steuern und dafür sorgen, dass Geld knapp bleibt. Bei der letzten Aufgabe aber haben sie kläglich versagt. Sie haben im Gegenteil nachgewiesen, dass Zentralbanken denkbar ungeeignet sind, die Geldmenge knapp zu halten. Erst seit es Zentralbanken gibt, gibt es auch immer größere Krisen durch immer größere Geldmengenschwankungen. Und erst seit es Zentralbanken gibt, ist die Geldmenge auf etwa das 80-fache dessen explodiert, was zur Abwicklung des Welthandels notwendig wäre. Ohne Zentralbanken wäre es nicht möglich gewesen, die Welt derart mit Falschgeld zu überschwemmen. Es ist eigentlich erstaunlich, dass trotz Zentralbanken das System immer noch einigermaßen funktioniert. Wie gut würde es erst ohne Zentralbanken funktionieren.
Um es nochmals ganz klar zu sagen, die Behauptung, die Geldmenge müsse gesteuert werden, damit weder Inflation noch Deflation entsteht, ist schlicht falsch. Sie dient nur dazu, die Existenz von legalem Falschgeld zu rechtfertigen. Inflation und Deflation entstehen nur und ausschließlich durch die Erzeugung von Falschgeld. Die Geldmenge muss sich gar nicht verändern, ebensowenig wie das Metermaß ständig angepaßt werden muss. Die Wirtschaft kann mit einer einmal vorhandenen Geldmenge die nächsten 100 Jahre und länger arbeiten, ohne dass sich an der Geldmenge etwas ändern muss. Prinzipiell kann jede Gütermenge mit jeder beliebigen Geldmenge umgesetzt werden. Eine größere Geldmenge setzt die gleiche Gütermenge lediglich zu höheren Preisen um, also auf einem höheren Preisniveau. Daraus folgt u.a., dass es nie zu wenig Gold geben kann, und auch dieses Argument prinzipiell falsch ist.
Ich werde darauf später noch einmal zurückkommen. Hier kam es mir nur darauf an zu zeigen, dass auch die Gesellanhänger, trotz aller guten reformerischen Absichten, dem Fälschertrick der Quantitätsgleichung aufgesessen sind und damit den Fälschern in die Hände spielen. Es wäre gut, wenn es gelänge, die reformerische Kraft der Gesellanhänger in die richtige Richtung zu lenken, weg von Umlaufgeschwindigkeit, Quantitätsgleichung, Schwund- und Falschgeld und hin zu privatem entstaatlichten Geld mit dem Leistung und Gegenleistung fair ausgetauscht werden. Ich glaube, dass dies viel mehr das zentrale Anliegen der meisten Gesellanhänger ist als die Verwirklichung der Quantitätsgleichung und die Einführung von Schwundgeld. Erste Anzeichen einer Entwicklung in diese Richtung lassen sich bereits erkennen. Gesellanhänger fangen an, die Vorzüge einer Warendeckung zu erkennen und sind neuerdings bereit, Durchhaltekosten als Lagerkosten zu akzeptieren. Dass man Falschgeld nicht auch noch gegen Zins verleihen darf, haben sie schon immer gesagt. Wenn man sie jetzt noch überzeugen kann, dass es auch ohne Falschgeld geht und man ihnen die völlig unbegründete Angst vor der „Verschatzung“, also der Geldhortung nimmt, könnte die Geldreform mächtig an Schubkraft gewinnen.
- B. Keynes und die Weltbank
Als 1944 in Bretton Woods das Geldsystem der Nachkriegszeit geboren wurde, der sog. „Gold-Devisenstandard“ mit dem goldgedeckten Dollar als Weltleitwährung, hatte Keynes ein ganz anderes System im Sinn. Er hatte den Bancor als Weltgeld vorgeschlagen, eine Art Goldstandard ohne Gold. Keynes konnte sich nicht durchsetzen und den Amerikanern ist es gelungen, mit dem IWF und dem Dollar als Leitwährung das genialste und umfangreichste Falschgeldsystem zu installieren, das es je gegeben hat. Wie genial zum Vorteil der Amerikaner dieses Falschgeldsystem funktioniert, kann man daran ablesen, dass Amerika seit vielen Jahren jedes Jahr Waren und Dienstleistungen im Wert von über 250 Milliarden Dollar erhält, die es mit Falschgeld bezahlt. Mittlerweile ist eine reale Schuld von über 2500 Milliarden Dollar aufgelaufen. In dieser Größenordnung müsste Amerika eigentlich seinerseits reale Güter und Dienstleistungen an die Welt geliefert haben, wenn es nicht mit Falschgeld bezahlt hätte. Es ist haargenau das Gleiche, was wir in einem früheren Kapitel in St. Petersburg mit unserem Falschgeld gemacht haben, nämlich Waren beziehen ohne Gegenleistung.
Natürlich kann man argumentieren, es stünde der Welt ja jederzeit frei, ihre 2500 Milliarden Dollar Falschgeld zu nehmen und in Amerika einzukaufen. Aber das geht nur theoretisch. Die Amerikaner müssten ein halbes Jahr auf jeden Konsum verzichten und nur für das Ausland arbeiten. In Praxis ist das Falschgeld beim Emittenten nicht in reale Leistung umzuwandeln, wie das immer so ist bei Falschgeld. Die Amerikaner werden einen Teufel tun, für ihr Falschgeld reale Gegenleistung zu erbringen. Sie werden ihre Schulden bezahlen mit neuen Dollar. Zu mehr sind sie nicht verpflichtet, genauso wie die Bundesbank oder jede andere Bank. Die sind auch nicht verpflichtet, für das Geld, das sie emittiert haben, irgendetwas zu leisten. Man hat allenfalls Anspruch auf neue Noten und das gilt auch für den Bankier Amerika. Wie wir am Beispiel Japan gesehen haben, besteht die Einlösemöglichkeit nur theoretisch.
Das war freilich nicht immer so. Am Anfang des Bretton Woods Systems mussten die Amerikaner noch leisten und etwa 0,7 Gramm Gold für jeden Dollar herausrücken. Als die Leute aber dem Dollar nicht mehr trauten und wirklich Gold haben wollten, zeigte sich, dass es sich beim Dollar eben in Wahrheit um legales Falschgeld handelt. Als in den 70er Jahren diese Stunde der Wahrheit kam, schuldeten die Amerikaner der Welt etwa 70 Milliarden Dollar, hatten aber nur noch für etwa 11 Milliarden Dollar Gold in Fort Knox. Präsident Nixon machte 1971 deshalb das Goldfenster einfach zu und fortan gibt es für den Dollar nur noch Dollar. Der amerikanische Staat als Emittent muss nicht mehr leisten für sein Geld, das müssen andere, wie bei jedem gewöhnlichen Falschgeld. Aber wie immer ist das natürlich höchst unfair, weil der Falschgeldproduzent einen enormen Vorteil hat, wenn er nicht leisten muss. Während Staat und Banken diesen Vorteil normalerweise nur gegenüber den eigenen Landeskindern haben, hat Amerika mit einer Weltleitwährung diesen Vorteil gegenüber der ganzen Welt.
Keynes wollte das nicht. Er wollte ein ganz anderes System. Er wollte eine Weltzentralbank installieren, die als einzige in der Lage sein sollte, das Weltgeld “Bancor“ zu erzeugen. Dieser Bancor sollte zwar teilweise durch Goldeinlagen gedeckt sein, allerdings ohne eine Umtauschverpflichtung von Seiten der Weltzentralbank. Es sieht zwar zunächst so aus, als ob mit diesem Plan die segensreichen Mechanismen des Goldstandard wieder eingeführt würden, wenn auch ohne eine feste Bindung an das Gold - ein Goldstandard ohne Gold gewissermaßen, aber es sieht eben nur so aus.
Im Grunde handelt es sich dabei um eine Imitation des zweistufigen Bankensystems, das wir heute in den nationalen Geldsystemen haben. Es wird gewissermaßen über die nationalen Zentralbanken noch eine dritte Ebene in Form einer übernationalen Zentralbank geschaltet, die wiederum die nationalen Zentralbanken kontrolliert und die Geldmenge weltweit steuert. Ein solches System hätte zwar eine ganze Reihe von Vorteilen gegenüber dem heutigen System, insbesondere indem es den höchst unfairen Vorteil der Amerikaner beseitigen würde (weshalb sich Amerika gegen ein solches System solange wie möglich wehren wird), aber im Grunde handelt es sich um genau das gleiche Falschgeldsystem, das wir heute schon haben. Auch in diesem System würde die Weltzentralbank das Falschgeld erzeugen und gegen Zins verleihen und die untergeordneten Banken würden das Falschgeld mit fractional banking vervielfachen und ebenfalls gegen Zins verleihen. Gesteuert würde das Ganze nach der Quantitätsgleichung.
Nur zur Erinnerung noch einmal, Falschgeld nach unserer Definition ist Geld, das ohne Leistung erzeugt wird und für das auch nicht die Absicht beim Emittenten besteht, eine Leistung jemals selbst zu erbringen. Es ist von vorneherein klar, dass nur Andere die Leistung erbringen müssen.
Ich bin deshalb auf das keyns‘sche Konzept einer Weltbank mit Bancor hier besonders eingegangen, weil es durchaus denkbar ist, dass im Anschluß an eine Krise des Finanzsystems genau dieses Konzept als neue Lösung einer Geldreform von oben auftaucht. Es gibt zahlreiche Wirtschaftswissenschaftler, die genau dieses Konzept befürworten.
Wenn der Dollar als Leitwährung nicht mehr akzeptiert wird und z. B. die Araber ihr Öl in Euro fakturieren, könnte es durchaus passieren, dass die Amerikaner dieses System befürworten und die Europäer diesmal nein sagen, weil sie hoffen, dass der Euro die vorteilhafte Position des Dollar erbt. Aber dann wäre der Teufel nur mit dem Belzebub ausgetrieben. Es gibt wahrlich bessere Systeme als eine Weltbank oder nationale Weltleitwährungen. Es ist eigentlich nicht einzusehen, warum man nochmals eine neue Variante ausgerechnet des Systems ausprobieren sollte, das immer wieder gescheitert ist. Betrachten wir deshalb noch einen Reformvorschlag, an dessen Realisierung eigentlich alle Beteiligten interessiert sein sollten.
- C. Hayek und privates Geld
Unser aktuelles Geldsystem ist nicht marktwirtschaftlich organisiert. Das, was wir immer für das eigentliche Herz des Kapitalismus halten, das Geldsystem, schlägt in der Tat links. Es entspricht eher dem Modell einer sozialistischen Verwaltungswirtschaft als dem Modell einer freien Marktwirtschaft. Das heutige Geldsystem ist, wie wir gesehen haben, aus den Notwendigkeiten der Kriegsfinanzierung entstanden und ist heute in Wahrheit die stärkste heimliche Bastion des sozialistischen Umverteilungsstaates. Es ist ja auch in wesentlichen Teilen von Nationalsozialisten entwickelt worden. Zu allen Zeiten hat der Staat neben den offiziellen Steuern den Bürgern zusätzlich etwa den gleichen Betrag noch einmal über das Geldsystem abgenommen. Neben dem offiziellen Zehnten gleichsam einen versteckten Zehnten. Heute nimmt der Staat neben den offiziellen 50 % weitere 50 % über das Geldsystem weg, und zwar mit dem Trick der Staatsverschuldung. Staatsverschuldung ist ja nichts anderes als eine vorweggenommene zukünftige Besteuerung. Die Erkenntnis dieses Sachverhaltes, nämlich dass der Staat seinen Bürgern heute mehr als 100 % ihres Einkommens wegnimmt, legt eigentlich den Gedanken an ein „Recht auf Steuerhinterziehung“ nahe. Aber dieser Sachverhalt wird gar nicht erkannt. Statt dessen setzt man sich vor dem Bundesverfassungsgericht über den sog. Halbteilungsgrundsatz auseinander. Das Bundesverfassungsgericht ist der Auffassung, der Staat dürfe nach dem Grundgesetz seinen Bürgern nicht mehr als die Hälfte ihres Einkommens wegnehmen. Der Staat ist der Auffassung, dass ihm offiziell mehr als 50 % zustünde. Dass er mittels Falschgeld längst mehr nimmt und schon immer mehr genommen hat, wird nicht gesehen. Die einzige Möglichkeit das wirklich zu verhindern besteht darin, dem Staat die Geldhoheit, die er immer mißbraucht hat, wieder wegzunehmen, das Geld wieder zu reprivatisieren. Genau diesen Vorschlag hat der Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek in seinem Buch: Die Entnationalisierung des Geldes, 1977 gemacht.
Dass die Geldhoheit beim Staat liegen müsse, dass es nur staatliches Geld geben dürfe, diese Vorstellung ist heute so stark in den Köpfen der Menschen verankert, dass Hayek‘s Vorschlag oft nur mildes Lächeln oder allenfalls ungläubiges Staunen hervorruft. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass es praktisch nur privates Geld gab. Münzen und insbesondere Banknoten waren ursprünglich private Erfindungen und Entwicklungen, deren sich der Staat später bemächtigt hat. Weder für Münzen noch für Banknoten braucht man den Staat.
Eine Gold- oder Silbermünze kann praktisch jeder prägen. Die Leute müssen nur darauf vertrauen können, dass was draufsteht auch drin ist, also das aufgeprägte Gewicht stimmt. Ein Privatmann kann es sich kaum leisten, mit dem Gewicht zu schummeln, weil er sehr schnell seinen Ruf verliert und niemand mehr seine Münzen nimmt. Immer wenn der Staat die Münzen gemacht hat, wurde nach kurzer Zeit betrogen, Falschmünzerei betrieben, aber die Menschen konnten nicht ausweichen, weil der Staat die Konkurrenz verboten und Annahmezwang verfügt hat. Die simple Überlegung von Hayek ist nun, dass wir auch beim Geld wieder Wettbewerb herstellen müssen. Zwar wird es auch beim Wettbewerb immer wieder einmal Betrüger geben, aber das merken die Leute sehr schnell und weichen auf besseres Geld aus. Jedenfalls ist der Dauerbetrug, der sich immer beim staatlichen Geldmonopol einstellt, nicht mehr möglich.
Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland über 40 sog. Zettelbanken. Das waren Privatbanken, die privates Geld ausgaben - private Banknoten, die durch Gold gedeckt waren. Die Bank verpflichtete sich, ihre Banknoten jederzeit gegen Gold oder Silber einzutauschen. Die Banken gewährten auch Kredite und es kam durchaus vor, dass die Banken mehr Noten ausgegeben hatten als sie Gold im Tresor hatten. Das bedeutete immer die Gefahr eines Bankruns, für den Fall, dass Mißtrauen im Publikum aufkam gegenüber dem Finanzgebaren einer Bank.
Es hat in der Tat Bankruns gegeben und Bankzusammenbrüche, so wie es immer Firmenpleiten geben wird, aber es gab nie die katastrophalen Riesenpleiten, die immer mit dem staatlichen Geldmonopol verbunden waren und die ganze Völker verarmen ließen. Privates Geld war in der Geldgeschichte das mit Abstand erfolgreichste Geld. Die private „Hamburger Girobank“ war mit ihrem Privatgeld „Mark Banco“ über 250 Jahre lang der Inbegriff für solide Hamburger Kaufmannschaft, bis sie nach 1870 von staatswegen geschlossen wurde, um das staatliche Geldmonopol sicherzustellen. Die Zeit des Goldgeldes und des Goldstandard war praktisch immer eine Zeit auch privaten Geldes. Das staatliche Geld musste immer mit einer Form des privaten Geldes konkurrieren, die Leute konnten immer auf Gold und Silber ausweichen. Die Tatsache, dass es sich auch um eine Zeit immenser Kapitalbildung und Wohlstandsmehrung handelte, zeigt, dass Privatgeld funktioniert. Auch beim Geld sorgt der Wettbewerb dafür, dass die Qualität der Produkte, hier des Geldes, besser wird.
Dass diese genial simple Idee von Hayek sich noch nicht durchgesetzt hat, hängt sicher mit dem zusammen, was wir im ersten Kapitel als Aufklärung beschrieben haben, mit einer selbstverschuldeten Unmündigkeit. Die Menschen können und wollen sich ein privates Geld nicht vorstellen.Sie haben Angst davor und vertrauen lieber auf den Nuckelstaat, auch wenn der sie noch so oft betrogen hat. Wie also sieht der Hayek-Vorschlag in Praxis etwa aus?
Zentraler Punkt ist, dass Geld wieder gedeckt sein muss, dass Geld wieder mit einem konkreten Schuldinhalt ausgestattet werden muss. Wer Geld erzeugt, muss wieder konkret sagen, wozu er sich verpflichtet, wenn er sein Geld zurückbekommt und das heißt ganz schlicht, Abschaffung des Falschgeldes. Wer heute Geld erzeugt, geht keinerlei Verpflichtung ein. Allenfalls verpflichtet er sich, alte Scheine in neue Scheine umzutauschen. Bei Hayek muss jeder Emittent sein Geld auf Verlangen in ein konkretes Gut umtauschen. Was das im einzelnen ist, soll der Markt entscheiden. Nach Hayek ist der Markt am Besten geeignet, die Dinge herauszufinden, die sich am Besten als Deckung eignen. Die Anbieter, die das beste Geld anbieten, werden sich im Wettbewerb durchsetzen. Als Deckung kann man sich Öl, Aktien, Immobilien, Fondsanteile, Gold, Silber oder auch einen Warenkorb aus verschiedenen Rohstoffen vorstellen.
Im Grunde haben die Menschen diesen Auswahlprozeß über Jahrhunderte schon vorgenommen und als bestes Material für eine Deckung hat sich im Wettbewerb am Ende Gold und Silber ergeben. Aber Hayek ist da ganz offen. Vielleicht ergeben sich heute mit unseren technischen Möglichkeiten andere, bessere Alternativen. Hayek sagt, wir können uns nicht anmaßen zu wissen, was das beste Material ist oder die beste Deckung. Wir können nur den Wettbewerb ermöglichen und offen halten und dann sehen, was sich ergibt. Dieser Wettbewerb ist aber bereits in vollem Gange. Es gibt bereits eine Fülle von Experimenten und Bewegungen, in denen versucht wird, alternative Geldsysteme zu entwickeln, von denen ich einige hier einmal kurz beleuchten will.
