Die Geldfalle/Modellfall Japan - Falschgeld funktioniert nicht mehr
Aus FreiheitsWiki
Wenn der Trick jetzt nicht mehr funktioniert, was machen wir dann?
Wenn man unser Weltfinanzsystem verstehen will, muss man den Unterschied zwischen Illusion und Realität erkennen. Man muss sehen, dass die Ursache eines jeden Bankrotts die Tatsache ist, dass die Schulden nicht bezahlt werden können. Schulden können nur aus Einkommen bezahlt werden. Wenn das Einkommen dazu nicht ausreichen, folgt der Bankrott. Wenn alte Schulden nur mit neuen Schulden bezahlt werden, erhöht das nur die Schulden und den künftigen Verlust. Als in Japan 1990 die Kreditblase platzte, wurden die kurzfristigen Zinsen auf 0,5% gesenkt und die Regierung hat die größten Staatsausgabenprogramme aufgelegt, welche die Welt je gesehen hat. Gleichzeitig war die Welt Zeuge eines starken Wirtschaftswachstums in den USA und eines geradezu explosiven Wachstums in Südostasien und China. Haben Sie sich einmal gefragt, warum die Wirtschaft der zweitgrößten Wirtschaftsnation der Welt seit 10 Jahren ständig zurückgeht und teilweise mit Jahresraten von 11 % geschrumpft ist, obwohl ihre wichtigsten Handelspartner massives Wachstum verzeichneten, obwohl die Zinssätze die niedrigsten sind, die die Welt je gesehen hat und obwohl Jahr für Jahr die größten staatlichen Ausgabeprogramme aufgelegt werden, welche die Welt je gesehen hat?
Um diese Frage zu beantworten müssen wir zurückgehen zu dem Höhepunkt der Japanblase, als der Nikkei bei 40.000 stand und der Grundstückswert einzelner Stadtgebiete in Tokio den Wert von ganz Kanada oder Californien übertroffen hat, als Tokio mehr wert war als alles Land in den USA. Auf der Grundlage dieser Bewertung wurden Billionen Dollar bzw. Yen von den japanischen Banken verliehen, was die japanischen Banken zu den größten Banken der Welt machte.
Diese Darlehen waren aber nicht auf das Einkommen der Schuldner gegründet, sondern auf die verpfändeten Werte. Heute dümpelt der Nikkei zwischen 17.000 und 18.000 und die Grundstückpreise sind um über 70 % gefallen. Die Darlehen stehen aber noch in voller Höhe in den Büchern, die Schuldner sind nicht in der Lage, sie zu bedienen und die Werte der Sicherheiten liegen weit unter den gewährten Darlehen. Die wirkliche Höhe der dadurch entstandenen Verluste ist nicht bekannt. Man schätzt, dass bei manchen Banken nur noch 10 % der gesamten Ausleihungen bedient werden. Die Verluste durch den Einbruch der Aktien- und Immobilienpreise betragen viele Billionen Dollar. Auf dem Höhepunkt der Blase wurden die Grundstückswerte auf etwa 16 bis 20 Billionen Dollar geschätzt. Ein Preisrückgang von 70 % bedeutet etwa 11 bis 14 Billionen Dollar Verluste allein bei den Grundstückswerten. Als die Blase in Japan platzte und diese Verluste offenbar wurden, mussten die Banken eine neue Einkommensquelle finden. Dies führte zu einer starken Ausweitung der Ausleihungen nach Südostasien und erzeugte dort eine weitere Blase. Das Platzen dieser Blase mit der Asienkrise erzeugte weitere Verluste, welche die Banken nicht ausweisen können, weil ihr Eigenkapital sonst unter die vorgeschriebenen 8 % sinkt.
Als die japanische Blase platzte, versuchte die Regierung mit einer Reihe von Konjunkturprogrammen und massiver Geldvermehrung die Wirtschaft wieder zu beleben. Die Staatsverschuldung stieg von 80 % auf über 150 % des Bruttosozialproduktes und die Neuverschuldung auf über 7 % des Nationalproduktes. Trotz der niedrigen Zinssätze beträgt mittlerweile die Zinszahlung 60 % der gesamten Steuereinnahmen. Dazu kommt das spezielle staatliche Darlehens- und Investitionsprogramm, mit dem Geld aus dem Postsparsystem und den Pensionskassen in 57 staatliche Agenturen gelenkt wird, die damit zusätzliche Staatsausgaben finanzieren.
Die japanischen Lebensversicherungen halten etwa 25 % der 12 Billionen Dollar Haushaltsersparnisse. Als die Lebensversicherung Nissan Mutual zusammenbrach, konnten nur 2/3 des Verlustes von dem Feuerwehrfonds der Versicherungen aufgefangen werden. Standard & Poors hat ausgerechnet, dass für den größten Teil der japanischen Lebensversicherer bei einem Nikkei von etwa 18.000 sich die stillen Reserven in Form von Aktienkursgewinnen in Luft aufgelöst haben. Was kann der japanische Staat machen, um Banken und Versicherungen zu retten? Er kann seine eigenen Schulden nicht bedienen und zusätzliche Staatsverschuldung, um Banken und Versicherungen zu retten beschleunigt nur noch den Verschuldungsprozess.
Die Banken halten bereits einen großen Teil der Staatsschulden. Natürlich könnte sich der Staat noch mehr bei den Banken leihen und dieses Geld den Banken dann als Einlage wieder zurückgeben, damit sie so ihre Eigenkapitalpositionen aufbessern, aber das verschleiert nur das Problem, das eigentlich beide bereits überschuldet sind. Die bankrotte Regierung borgt von den bankrotten Banken, die sich wiederum auf die bankrotte Regierung stützen. Bei beiden übersteigen die Schulden längst die Fähigkeit zur Rückzahlung. Der Zinseszinseffekt in Verbindung mit einer schrumpfenden Wirtschaft dürfte das Schicksal besiegeln, das ist eigentlich simple Mathematik. Aber dieser Prozess kann eben sehr viel länger dauern als bei einem privaten Unternehmer.
Die japanischen Banken müssen die Staatsanleihen kaufen, unabhängig von der fundamentalen Situation ihres Staates. Wenn der Staat seine Anleihen nicht bedienen kann, sind die Anleihen im Bestand der Banken auch nichts mehr wert und damit die Banken pleite. Die Banken und der Finanzmarkt sind darauf angewiesen, dass der Markt für Staatsanleihen weiter funktioniert, weshalb auch ein überschuldeter Staat immer weiter borgen kann.
Die niedrigen Zinsen und die gewaltigen Ausgabeprogramme seit 1990 hätten eigentlich in einem Land wie Japan mit einer intelligenten, sehr fleißigen Bevölkerung ein explosives Wachstum hervorbringen müssen. Die Tatsache, dass dieser Effekt nicht eingetreten ist, kann eigentlich nur bedeuten, dass die Verschuldung so hoch ist, dass die zusätzlichen Zinsen immer den Produktionszuwachs übertreffen. Wenn die faulen Schulden z. B. nur 500 Milliarden Dollar betragen hätten in den letzten 8 bis 9 Jahren, so wäre durch das weltweite Wachstum und die massiven Konjunkturprogramme das Problem wohl gelöst worden. Die Tatsache, dass all dies über so lange Zeit keine Wirkung zeigt, lässt wohl darauf schließen, dass die faulen Schulden sehr viel größer sein müssen als bisher angenommen und bereits Billionen von Dollar betragen. Mit diesen Schulden wurden riesige Produktionskapazitäten in Japan und Südostasien aufgebaut, die jetzt auf die Preise drücken und so die Bedienung der Schulden noch schwerer machen. Ein großer Teil der Schulden wird nicht mehr bedient, aber sie können auch nicht abgeschrieben werden.
Was hat das alles mit uns, den westlichen Industriestaaten, zu tun? Nun, Japan ist der größte Gläubiger dieser Welt und Amerika der größte Schuldner. Über 2000 Milliarden amerikanische Aktien und Anleihen wurden von Japanern gekauft. Diese Anlagen haben, trotz des riesigen Handelsbilanzdefizits, den Dollar hochgetrieben, die Zinsen in Amerika niedrig gehalten, die Konjunktur in Amerika belebt und dort eine Aktienblase erzeugt. Wenn die Kreditpyramide in Japan weiter bröckelt, werden die japanischen Banken und Versicherungen versuchen, ihre amerikanischen Anlagen zu verkaufen. Die Amerikaner müssten ihre Defizite plötzlich selbst finanzieren, die bisher andere, vorwiegend Japan und China, finanziert haben. Da Amerikaner selbst kaum sparen, sondern in erster Linie leihen, dürfte das schwer fallen, wenn die Bank, bei der sie bisher geliehen haben, nämlich Japan, zusammenbricht.
Die Ersparnisse der japanischen Haushalte in Höhe von etwa 12.000 Milliarden Dollar wurden von Banken und Versicherungen mit Aktien, Immobilien und Überkapazitäten weitgehend verspielt. Die realen Werte, welche die Forderungen der Sparer decken sollten, sind nur noch ein Bruchteil der Forderungen wert. Warum kann man die Lücke nicht einfach mit Falschgeld schließen? Weil für die Ersparnisse bereits eine Leistung von den Sparern erbracht wurde. Diese Leistung müsste nun noch einmal erbracht werden, von den Empfängern des Falschgeldes, aber das funktioniert nicht.
Man kann sich das etwa so vorstellen, dass eine Gruppe von Menschen spart durch Konsumverzicht, um dann im Alter Güter (Wohnung, Kleidung, Nahrung) zur Verfügung zu haben. Diese Ersparnisse geben sie einer Bank oder Versicherung, die sie so lange aufheben soll. Jahre später merkt die Gruppe dann, dass die Bank oder Versicherung gleichsam die Ersparnisse aus dem Sparschwein genommen und verbraucht hat und dafür Falschgeld hineingelegt hat. Für dieses Falschgeld bekommen sie dann viel weniger Güter wegen der „Inflation“. Diese Inflation war aber nichts anderes als eben die Falschgelderzeugung durch Banken und Zentralbank. Die meisten Ersparnisse werden vom Staat ausgegeben, den die Banken und Versicherungen über den Falschgeldtrick ans Sparschwein lassen. Weder Staat noch Banken erbringen Leistung für das Falschgeld, das sie ins Sparschwein gelegt haben.
Auch die Amerikaner werden die Leistung nicht erbringen, wenn die Japaner wirkliche Leistung von Amerika abrufen wollen, für ihre Dollarreserven. Auch amerikanisches Falschgeld kann das Problem nicht lösen. Falschgeld funktioniert nicht mehr.
