Die Geldfalle/Plädoyer für einen friedlichen Staatsbankrott

Aus FreiheitsWiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Vielleicht sollten wir uns nicht aufregen, und die Welt so nehmen, wie sie ist.

Staatsbankrotte führen leicht zu Revolution, blutigem politischen Umsturz bis hin zum Bürgerkrieg. Das Volk fühlt sich betrogen und sucht Schuldige. Das bekannteste Beispiel ist wohl die französische Revolution, die zwar auch mit Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu tun hatte, aber in erster Linie die Folge eines Staatsbankrottes war. Die Ursache ist immer die gleiche. Der Staat nimmt Kredite auf und finanziert damit Dinge, die von vorneherein eine Rückzahlung der Investition nicht erwarten lassen, meist sind das Kriege, bei denen die zu erwartende Beute in keinem Verhältnis mehr zum Aufwand steht oder neuerdings vorwiegend Staatskonsum. Wie bei jedem schlecht geführten Unternehmen entstehen so Dauerschulden, die aus den Erträgen nicht mehr bedient werden können. Auch die Zinsen müssen geliehen werden.

Aber hat denn Staatskredit nicht auch eine positive Seite, weil damit im großen Stil neue Dinge angepackt werden können? Bringt nicht gerade der Kredit diese enorme Dynamik in die Wirtschaft und läßt neue Arbeitsplätze entstehen? Es ist schon richtig, Kredit gehört zur freien Wirtschaft. Aber weil es sich dabei immer um die Einschätzung von Zukunft handelt, gehört auch die Möglichkeit des Irrtums dazu. Es kommt immer wieder vor, dass sich die Menschen bei der Einschätzung der Zukunft irren. Chance und Risiko gehören zusammen, zum Kredit gehört auch die Möglichkeit des Scheiterns, also des Konkurses. Der Bankrott gehört ebenso zu einer freien Marktwirtschaft wie der Kredit. Allein die Möglichkeit des Konkurses zwingt die Gläubiger mitzudenken und sich nicht nur auf die Versprechungen der Schuldner zu verlassen.

Dass es nun ausgerechnet dem größten Schuldner, nämlich dem Staat, gelungen ist, dieses heilsame Prinzip außer Kraft zu setzen, ist schon erstaunlich. Viele Menschen glauben überraschenderweise, der Staat könne nicht pleite gehen, obwohl praktisch alle Staaten in der Geschichte pleite gegangen sind. Wie ist es möglich, dass in einer offenen, aufgeklärten Gesellschaft mit freier Presse es wieder so weit kommen konnte, dass der weltweite Staatsbankrott jetzt wieder vor der Tür steht. Der Hauptgrund liegt wohl in einer Art kollektiver Selbsttäuschung. Der Staat sind wir selbst. Wir verschulden uns bei uns selbst und wollen anschließend unseren eigenen beruhigenden Sprüchen glauben. Wir sind nachsichtig mit uns selbst bei der Beurteilung der Verschuldungskriterien. „Die“ werden schon irgendetwas finden und wir glauben fest daran. So lange das Publikum daran glaubt, der Staat sei ein „mündelsicherer“ Schuldner und Staatsanleihen seien die sicherste Form der Geldanlage, so lange können wir von Politikern kein Augenmaß und erst recht keine Lösung der Krise erwarten. Sie werden den Staat, also uns, immer weiter verschulden, so lange wir ihnen die Möglichkeit dazu geben.

Ein rascher Staatsbankrott wäre zweifellos die klarste und beste Lösung zur Überwindung der gegenwärtigen Krise, denn so lange die Forderungs- und Schuldenberge nicht beseitigt sind, wird die Arbeitslosigkeit weltweit immer weiter steigen. Den Zusammenhang zwischen Staatsverschuldung und Arbeitslosigkeit hat Paul C. Martin in seinem Buch: „Die Krisenschaukel“ sehr schön klar und einfach beschrieben. Die Kosten dieser Arbeitslosigkeit in Form von nie mehr einholbaren Produktionsbeiträgen dieser Arbeitslosen, dürften wohl die Leiden eines Staatsbankrottes weit übersteigen, zumal der Großteil der Leidtragenden ja Erben von Staatsanleihen sind. Ihr Vermögen in Form von Staatsanleihen war ja ohnehin immer nur Illusion und sie hatten ja auch lange genug die Chance, das Risiko von Staatsanleihen zu erkennen und ihr Risiko zu streuen, etwa durch Investition in Unternehmen oder andere Anlageformen.

Das eigentlich brisante am Staatsbankrott ist im Grunde das naive Vertrauen der Bevölkerung in den Staat. Die Bürger fühlen sich betrogen, weil ihr Vertrauen mißbraucht wurde, dabei haben sie dem Staat ihr Vertrauen geradezu aufgenötigt, um es mal überspitzt zu formulieren. Es wäre sicher verdienstvoll, einmal eine Theorie des friedlichen Staatsbankrottes zu formulieren. Ähnlich wie Demokratie im Grunde nicht Herrschaft des Volkes meint - das Volk will gar nicht herrschen. Vielmehr handelt es sich nur um ein praktisches Verfahren, wie man die Herrschaft friedlich und unblutig verändern kann. Ein ähnliches Verfahren fehlt uns für den Staatsbankrott. Der Staatsbankrott muss als selbstverständliche Möglichkeit wieder in das System eingebaut werden. Dies hätte eine enorm heilsame Wirkung auf das Finanzgebaren des Staates und den Absatz von Staatsanleihen. Zahlreiche Staatspapiere wären wohl schon seit längerer Zeit unverkäuflich oder wenigstens mit extrem hohen Zinsen ausgestattet, die das wahre Risiko widerspiegeln würden.

Den Staatsbankrott zur Normalität zu machen könnte sich als bester Schutz vor dem Staatsbankrott erweisen, weil es gar nicht erst so weit kommt. Wenn wir uns schon nicht der Disziplin eines Goldstandards unterwerfen, sondern die Vorteile eines reinen Kreditgeldsystems genießen wollen, gehört der normale Staatsbankrott eigentlich zur Logik des Systems. Alle Staaten haben ihren Kredit schon längst überzogen. Wir hätten die Sache auch schon längst hinter uns, wenn Alan Greenspan und Andere sie 1987 und danach nicht immer wieder verschleppt hätten.

Persönliche Werkzeuge