Die Geldfalle/Wie hat sich Falschgeld entwickelt?

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Es gibt bis heute nur drei Varianten von Falschgeldtricks, aber auf die mußte man auch erst einmal kommen.

In der Geschichte des Geldes reiht sich ein staatlicher Geldbetrug an den anderen. Immer wieder neu wurden die Menschen mit dem immer gleichen simplen Trick ihres Eigentums und damit auch ihrer Freiheit beraubt. Meist wird allerdings die Geldgeschichte nicht unter diesem Blickwinkel erzählt. Deshalb ist es vielleicht ganz nützlich, in konzentrierter Form einmal diese Sicht der Geschichte auf sich wirken zu lassen. Auf alle Fälle wird Ihnen dabei klar, wie der Trick funktioniert. Obwohl es sich dabei um immer wieder den gleichen Trick handelt, nämlich dass von staatswegen legales Falschgeld erzeugt wird, können wir in der praktischen Durchführung doch einen Wandel beobachten, der in erster Linie damit zusammenhängt, dass sich die Fälscherei immer mehr auf Kreditgeld verlagert. Es ergeben sich deshalb drei Varianten dieses Grundprinzipes, die ich mal mit Trick 1, Trick 2 und Trick 3 bezeichnen möchte. Dieses Muster hat sich in allen Staaten der Welt praktisch in gleicher Weise entwickelt. Ich möchte mich deshalb auf die Entwicklung in Deutschland beschränken, zumal es hier zu recht drastischen Formen dieser 3 Varianten gekommen ist. Bernd Sprenger, auf dessen Buch: „Das Geld der Deutschen“ ich mich hierbei weitgehend stütze, teilt die deutsche Geldgeschichte in 4 große Perioden ein:

  • Die erste und zugleich längste erstreckt sich über mehr als zwei Jahrtausende. Sie beginnt mit dem Aufkommen vormünzlicher Zahlungsmittel in der Bronzezeit, und endet im 8. Jahrhundert n. Chr. mit den grundlegenden karolingischen Münzreformen.
  • Die sich daran anschließende zweite Periode wird als das Zeitalter der Pfennigmünze bezeichnet. Von der Mitte des 8. bis zum Ende des 13. Jahrhunderts war der silberne Pfennig die einzige umlaufende Münzsorte und zugleich das Währungsgeld in Deutschland.
  • Mit dem Aufkommen von größeren Silber- und Goldmünzen im Spätmittelalter wurde der Pfennig zur geringwertigen Kleinmünze. Für diesen dritten Zeitabschnitt der deutschen Geld- und Währungsgeschichte - von etwa 1300 bis 1871 - ist eine fast unübersehbare Vielfalt nebeneinander bestehender Münzsorten und regionaler Währungen charakteristisch.
  • Der vierte und letzte Zeitabschnitt reicht von der Gründung des Deutschen Reiches 1871 bis zur Gegenwart. Dieser letzte Zeitabschnitt ist auch durch den Übergang von der traditionellen, jahrtausendealten gedeckten Metallwährung zur ungedeckten stoffwertlosen Papierwährung, also vom Warengeld zum Kreditgeld, gekennzeichnet. Unser aktuelles Geldsystem ist also noch sehr jung.


  • A.Der Zauber beginnt

Die Germanen benutzten als Zwischentauschmittel vorwiegend Vieh, wobei ziemlich genau festgelegt war, wie eine solche Standardkuh auszusehen hatte. Daneben wurde auch Kleidergeld verwandt, sog. Weden, worunter ein mehr oder weniger standardisiertes Wollgewand zu verstehen ist. Und schließlich auch Schmuckgeld in Form von Ringen aus Gold, Silber oder Kupfer. Man merkte sehr früh, dass sich Gold und Silber besonders gut als Zwischentauschmittel eignen, einfach weil sie unbegrenzt haltbar sind, und sich sehr leicht in beliebig kleine Einheiten teilen lassen, die homogen sind. Ein Goldstück gleicht immer genau dem anderen, was z. B. bei Diamanten nicht der Fall ist. Diese physikalisch chemischen Eigenschaften machen Gold und Silber zum idealen Zwischentauschmittel, zum idealen Geld. Es liegt zwar nahe, dieses ideale Tauschmaterial in standardisierten Klumpen weiterzureichen, aber man musste auf diese Idee der Münze eben auch erst einmal kommen.

Midas in Lydien hat wohl im 7. Jahrhundert v. Chr. seinen sagenhaften Reichtum genau mit dieser Idee begründet, indem er kleine Edelmetallklumpen mit einem Stempel versehen hat, als Zeichen, dass es sich hier um einen Standardklumpen handelt. Mit diesem Stempel war die Münze erfunden, aber auch das Grundprinzip des Staatsbetruges. Die Münze breitete sich im Mittelmeerraum rasch aus und legte den Grundstein für den Aufstieg der griechischen und römischen Kulturen.

Die Germanen kamen erst im 1. Jahrhundert vor Chr. mit dieser Erfindung in Berührung, vorwiegend durch Soldzahlungen der Römer an die Kelten. Es finden sich grobe Nachprägungen der römischen Goldmünzen, die alle etwa 7,5 Gramm wiegen. Im Laufe des 1. Jahrhunderts v. Chr. gelangte Gallien und wesentliche Teile des späteren Deutschland unter römische Herrschaft und damit für die nächsten 500 Jahre unter den Einfluß des römischen Geldsystems. Die keltischen Münzen verschwanden aus dem Verkehr.

Zur gängigen Goldmünze wurde der Aureus. Dabei wurden aus einem römischen Pfund das 327 Gramm wog 40 Aurei geprägt. Dann führte Kaiser Augustus eine Münzreform durch. Man nennt das immer Münzreform, nicht Münzbetrug. Er nahm das alleinige Prägerecht in Anspruch und liess 42 Aurei aus dem Pfund prägen. Damit sank das Gewicht eines Aureus von ursprünglich 8,2 gr Gold auf 7,8 gr. Neben der Goldmünze gab es den bereits zu Zeiten der römischen Republik massenhaft geprägten Denar aus Silber, von dem 84 Stück aus einem Pfund geprägt wurden, was einem Sollgewicht von 3,9 gr pro Münze entsprach. Die Münzen waren praktisch aus reinem Gold und Silber. Daneben gab es noch kleinere Münzen aus Kupfer und Messing, was insgesamt ein erstaunliches und vorbildlich abgestuftes Münz- und Geldsystem ergab.

Bereits unter Nero (54-68 n. Chr.) begann eine allmähliche Verschlechterung der Münzen, indem nun 45 statt 42 Aureus aus dem Pfund Gold geprägt wurden und 96 statt 84 Denar aus dem Pfund Silber. Dadurch ging das Münzgewicht, das sog. Schrot, bei der Goldmünze von 7,8 auf 7,3 und bei der Silbermünze von 3,9 gr auf 3,4 gr zurück. Gleichzeitig führte Nero aber noch einen neuen, recht fiesen Trick ein, indem er den Feingehalt, das sog. Korn bei der Silbermünze Denar verschlechterte. Bisher war der Denar praktisch unlegiert aus 97 - 98 %igem Silber gewesen. Das wurde jetzt durch Beimischung von Kupfer auf 90-94 % reines Silber reduziert.

Trajan (98-117) verringerte diesen Feingehalt dann auf 80-85 %, Marc Aurel (161-180) auf etwa 75 %, Commodus (180-192) auf rund 70 % und Septimus Senerus (193-211) auf nur noch knapp 50 %. Das System funktionierte allerdings trotzdem, denn zum einen schwankte das Gewicht der einzelnen Münzen untereinander, weil es nicht ganz einfach war, gleiche Münzen herzustellen, man nahm es also nicht so genau. Zum anderen waren die unter der Münzhoheit des Kaisers hergestellten und mit seinem Namen versehenen Münzen mit einer Art Wertgarantie versehen, die niemand anzweifelte und sie waren das allein gültige Zahlungsmittel. Man konnte also davon ausgehen, dass ein anderer die Münze nahm, auch wenn weniger Silber drinnen war.

Wieso ist es dann aber Betrug, wenn weniger Silber in so einer Münze ist? Kann man hier nicht argumentieren, daß es doch nur wirtschaftlich sei, wenn der Kaiser versucht, aus einem Klumpen Silber soviel Münzen wie möglich machen zu lassen? Kann es dem Tagelöhner nicht egal sein, wieviel Silber in so einer Münze ist, Hauptsache er bekommt einen Denar für einen Tag Arbeit? Nun, der Betrug liegt einfach in der heimlichen Veränderung des Maßstabes. Der Tagelöhner bekommt nur noch das halbe Geld, die halbe Gegenleistung für einen Tag Arbeit, wenn nur noch halb soviel Silber im Denar ist wie vorher. Er merkt es aber nicht und es wird ihm natürlich auch nicht gesagt. Erst nach einer gewissen Zeit merkt er,dass er nur noch halb soviel Güter für einen Tag Arbeit bekommt und verlangt deshalb zwei Denar. Aber bis dahin hat der Landesherr den Silbergehalt schon wieder heimlich halbiert und der Tagelöhner wird erneut rasiert.

Von den nachfolgenden Kaisern wurde dieser Trick dann immer schamloser angewandt, der Silbergehalt sank immer weiter, bis er um 250 nur noch etwa 4 bis 6 % erreichte. Um die drastische Münzverschlechterung zu vertuschen, ging man dazu über, durch Weißsieden, wobei Kupfermünzen einfach in Silber getaucht wurden, Kupfermünzen als Silbermünzen erscheinen zu lassen. Dabei war allerdings nach kurzer Umlaufzeit die dünne Silberschicht abgegriffen und das Kupfer kam zum Vorschein . Der Missbrauch des Geldmonopols durch die römischen Kaiser im 3. Jahrhundert führte zum allmählichen Vertrauensverlust in die staatliche Wertgarantie. Dass der Vertrauensverlust schon vorher eintrat, kann man aus Funden ablesen, in denen meist nur ältere Denar gehortet wurden.

Spätere Kaiser versuchten durch Geldreformen das Vertrauen wieder herzustellen. So führte Constatin der Große 309 den Solidus ein, der zunächst in Trier geprägt wurde und der ab 324 die Standardgoldmünze im gesamten römischen Reich wurde. Er bestand aus reinem Gold, soweit das technisch damals möglich war und wog 4,55 Gramm, d.h. aus einem römischen Pfund wurden 72 Solidus geprägt. Zur Erinnerung: zur Jahrtausendwende wurden nur 40 Aureus aus einem Pfund geprägt, was 8,2 gr pro Münze entsprach.

Immerhin wurde der Solidus für viele Jahrhunderte Grundlage des römisch-byzantinischen Geldwesens und er hat eine erstaunlich lange Geldwertstabilität bewirkt. Wie war das möglich? Was hatte sich plötzlich geändert? Im Gegensatz zu früher wurde jetzt auf die exakte Einhaltung des Gewichtes der Goldmünze geachtet. Aufgrund der vorausgegangenen Währungszerüttungen im 3. Jahrhundert war das Vertrauen in den Staat erschüttert. Jetzt vertraute man nicht mehr auf den Stempel, sondern wog nach. Zahlungen nahm man nach Gewicht vor und es wurde auch ungemünztes Gold als Zahlung genommen. Das heißt, es konnte eigentlich jeder sein privates Geld prägen und seine eigenen Zeichen drauf machen. Der Staatsbetrug mit dem Stempel funktionierte nicht mehr und damit wurde die Währung wieder zu Privatgeld und damit stabil. Allerdings galt das nur für Goldmünzen. Bei Silbermünzen wurde lustig weiter betrogen, wohl weil sich hier der Aufwand mit dem Wiegen nicht lohnte. Solidus für die Großen und Denare zum Betrügen für die Kleinen.

Im 5. Jahrhundert brach die Herrschaft der Römer in Deutschland zusammen, die Münzstätte in Trier stellte die offizielle römische Prägetätigkeit ein. Eine ausgeprägte Geldwirtschaft, wie die Römer sie geschaffen hatten, gab es nicht mehr. Wirtschaft und Handel bildeten sich zurück.

Die Germanen kopierten dann die römischen Goldmünzen mit den Stempeln der verschiedensten römischen Kaiser, meist allerdings sehr roh und mit Fehlern in den Umschriften, was allerdings keine Rolle spielte, weil ohnehin kaum jemand lesen konnte.

Der Frankenkönig Theudebart (534-548) war der erste, der es wagte, seinen eigenen Namen auf den Solidus zu setzen. Das wurde damals wohl als ungeheuerlich empfunden, weil dieses Recht nach allgemeiner Auffassung nur dem römischen bzw. byzantinischen Kaiser zustand. Dieser Vorgang ist deshalb besonders interessant, weil er sehr schön die Nahtstelle zwischen staatlichem und privatem Geld zeigt. Offenbar wurde das Nachmachen von Münzen als eine Art Geldfälschung empfunden, auch wenn es sich um das gleiche Münzgewicht handelte. Der Stempel hatte schon eine Art magische Kraft entfaltet. Allerdings sollte sich diese Kraft erst einmal wieder völlig auflösen.

Die schwindende Kraft der Zentralgewalt spiegelt sich in der stark zersplitterten Münzprägung des 7. Jahrhunderts wieder. Es gab über 800 Prägeorte in Deutschland, darunter Köln, Zülpich, Mainz, Worms, Trier, Speyer. Die Münzen trugen selten den Namen des Königs, sondern vielmehr den Namen des Münzmeisters und des Prägeortes. Kontrolliert wurde mit Feinwaagen. Betrügerische Münzen hatten keine Chance im privaten Wettbewerb.

  • B. Der Pfennig kommt und ein neuer Trick

Um 800 unter Karl dem Großen kam es zu einer grundlegenden Reform der Münzordnung, die für Jahrhunderte das deutsche Geldwesen bestimmen sollte. Das Münzrecht wurde wieder allein für den König in Anspruch genommen und die privaten Münzstätten geschlossen. Nur wenigen ausgewählten kirchlichen und weltlichen Herren billigte man eine Ausnahme zu. Die Zahl der Münzstätten wurde auf etwa 30 reduziert. Zunächst wurden nur noch silberne Denare oder Pfennige geprägt, mit einem Gewicht von 1,24 Gramm reinem Silber. Goldmünzen wurden nicht mehr geprägt. Karl der Große änderte dann diesen Münzfuß in ganz ungewöhnlicher Weise. Die Pfennige wurden deutlich schwerer. An die Stelle des römischen Pfund trat das sog. Karlspfund zu 408 Gramm und aus ihm sollten 240 Pfennige geprägt werden. Das Gewicht des Pfennigs hatte sich damit auf 1,7 gr erhöht und die alten leichteren Pfennige wurden „verrufen“, d.h. eingezogen. Über diesen einzigartigen Vorgang, dass ein Herrscher das Münzgewicht erhöht, hat man lange gerätselt und hat es schließlich mit einem gewissen Silberüberfluß erklärt. Der Vorgang ist aber auch in der Geschichte ziemlich einmalig geblieben. Der Pfennig galt im gesamten Frankenreich und weit darüber hinaus. Allerdings war der Geldbedarf relativ gering, weil man weitgehend autark wirtschaftete. Für einen Pfennig bekam man etwa 6 kg Weizen oder 2 Hühner und ein Landarbeiter bekam 1/2 Pfennig pro Tag. Man sieht daran, dass der Pfennig für den Kleinhandel noch zu hochwertig war, er wurde vorwiegend für den Fernhandel verwendet.

Im Laufe des 10. und 11. Jahrhunderts gewährte der Kaiser dann immer mehr Priviligierten das Münzrecht. Neben die ursprünglich nur königlichen Münzen traten erzbischöfliche, bischöfliche, gräfliche und Abtspfennige. Auf den Märkten wurden Münzen wegen des Stempels bzw. Münzbildes - die eine Art amtliches Gütesiegel für den Feingehalt waren - natürlich lieber genommen als Rohsilber, zumal wenn es sich um eine anerkannte Münzsorte wie den Kölner oder Regensburger Pfennig handelte.

Nun ist überliefert, dass der Kaiser bereits 1061 dem Augsburger Bischof gestattete, 30 Pfennig mehr aus dem Pfund zu schlagen (also 270 statt 240), was eine Reduzierung des Gewichtes um immerhin 12,5 % bedeutete. Immer mehr Herren fanden diesen Gedanken gut. Der Prozess vollzog sich zwar allmählich, aber immerhin war gegen Ende des 11. Jahrhunderts das Gewicht des Pfennig gegenüber seiner Einführung um etwa die Hälfte gesunken. Wie verhindert man nun als fürsorglicher Landesvater, dass das Volk von so etwas beunruhigt wird? Ganz einfach, der Besitz von Feinwaagen wurde verboten. Zur Ehrenrettung muss man allerdings sagen, dass der Moralstandard der Herrschenden damals doch noch vergleichsweise hoch war. Am Silberfeingehalt, der ja sehr viel schwerer zu überprüfen ist, wurde noch kaum manipuliert. Bei Schrot und Korn wurde nur am Schrot gemogelt.

Im Laufe des 12. + 13. Jahrhunderts schwand die kaiserliche Macht über das Reich zusehends und immer mehr Territorialherrscher usurpierten einfach das lukrative Münzrecht und errichteten ihre eigenen lokalen Münzstätten. Mitte des 13. Jahrhunderts war die Zahl der Münzstätten bereits wieder auf etwa 500 gestiegen, diesmal aber nicht unter privater sondern unter staatlicher Regie. Natürlich bildeten sich regional unterschiedliche Münzfüße aus mit im Zeitablauf immer weiter sinkenden Pfenniggewichten. Bei größeren Geldleistungen wurden die Pfennige dann nicht mehr gezählt sondern gewogen, und deshalb entwickelte sich nun zunehmend wieder der zweite miese Trick, indem der Feingehalt an Silber durch absichtlichen Zusatz unedler Metalle herabgesetzt wurde, was viel schwerer zu erkennen war.

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurde aber noch ein weiterer Trick entwickelt, die sog. Münzverrufung. Dabei wurden unter irgendeinem Vorwand die umlaufenden Geldstücke einfach für ungültig erklärt und eingezogen, wobei man häufig für 4 alte nur 3 neue Pfennige ausgab, die meist auch noch schlechter waren. Der Beitrag von Münzverrufungen zur Staatsfinanzierung war nicht unerheblich.

Häufige Münzverrufungen waren aber nur möglich, wenn die Münzbilder der einzelnen Ausgaben deutlich genug von einander unterschieden werden konnten. Deshalb kam man auf den Gedanken, die Münzen nur aus dünnem Silberblech zu prägen und, damit das Pfenniggewicht etwa stimmte, dafür größer zu machen. Diese etwa 5 cm großen Münzen, die sog. Hohlpfennige oder Brakteaden, wurden nur einseitig geprägt. Dies hatte den Vorteil, dass man deutlich unterscheidbare, teilweise sogar künstlerisch hochstehende Münzbilder prägen und so auch mehrmals im Jahr einzelne Münzbilder verrufen konnte.

Die Anhänger von Silvio Gesell, die sog. Freiwirte, empfehlen diese Form von Staatsbetrug auch heute noch als Geldreform und schreiben den Brakteaden eine wundersam belebende Wirkung zu, weil ja jeder versucht, diese Art von Schwundgeld vor dem Verfall schnell wieder loszuwerden. Allerdings litten die Märkte und die Städte sehr stark unter diesem Prozess quasi automatischer Münzverschlechterung. Der Handel war auf gute gleichbleibende Münzen angewiesen. Einzelne Städte kauften deshalb den Fürsten das Münzrecht ab, um so gleichsam die Münzprägung wieder zu privatisieren. Lübeck erlangte so 1226 das Münzrecht, Basel 1273, und später auch Erfurt , Hamburg und Lüneburg. Die Städte beseitigten die Münzverrufung, bemühten sich um gleichbleibend stabile Münzen und führten den „ewigen Pfennig“ ein, der auch als Dickpfennig bezeichnet, jetzt wieder beidseitig geprägt war.


  • C. Die Herren werden immer hemmungsloser und kommen auf neue Ideen

Im 14. und 15. Jahrhundert kamen neue Münzsorten auf, die jetzt Groschen hiessen. Diese waren mit etwa 4 Gramm deutlich schwerer als die Pfennige, die zuletzt weniger als 1/2 Gramm wogen. Der Vorteil dabei war, dass man damit das Spiel mit Schrot und Korn von neuem beginnen konnte, denn während man bei 1/2 Gramm nicht mehr viel abknapsen konnte, war das bei 4 Gramm schon wieder eher möglich. Die Zeit war aber auch schon schnellebiger geworden und der Verfall ging diesmal sehr viel schneller. Die z. T. recht drastischen Verschlechterungen der neuen größeren Silbermünzen erschütterten rasch das Vertrauen, das man ursprünglich diesen Geldstücken entgegengebracht hatte. Zahlreiche Städte gingen deshalb im 15. Jahrhundert dazu über, fremde Groschen nach Überprüfung erst gegenzustempeln. Oft weisen Groschen die Stempel von mehreren Städten auf.

Das 14. und 15. Jahrhundert ist von einer unglaublichen Vielfalt an Münzsorten gekennzeichnet. Neben zahlreichen Silbermünzen gab es in geringerem Umfang auch noch Goldmünzen. Im Grunde geht es dabei aber immer nur um das Bezahlen mit Metall in Gramm. Gold und Silber nach Gewicht waren gleichsam einheitliches Weltgeld. Ein Problem entstand nur deshalb, weil jeder seiner Münze ein anderes Gewicht gab, das man erst umrechnen musste und weil immer etwas anderes drauf stand als drin war.

Wir sehen wieder einmal, dass der Staat bzw. die Obrigkeit das Problem nicht löst, sondern schafft. Private Münzen im Wettbewerb und ohne Annahmezwang hätten das Problem viel besser gelöst, zum einen weil sich sehr rasch ein einheitliches Standardgewicht im Markt durchgesetzt hätte und zum anderen, weil falsche Münzen einfach nicht angenommen würden. Ausserdem ist es viel praktischer, wenn alle Münzen das gleiche Gewicht haben und man nicht an jeder Landesgrenze umrechnen und umtauschen muss. Aber auch die zahlreichen Münzvereine, die sich damals bildeten, konnten das Problem nicht lösen.

Diese Münzvereine und Münzverträge waren ja der Versuch, wieder ein einheitliches, verlässlichliches Gewicht der Münzen sicherzustellen, weil der Handel nun einmal auf Vertrauen und verlässlichliches Geld angewiesen ist. Aber offensichtlich können Verträge und gute Absichten das Problem nicht lösen. Jedenfalls haben zahlreiche Münzverträge und Münzvereine im Deutschland des 14. und 15. Jahhunderts den Prozess permanenter Münzverschlechterungen und den Verfall der Landeswährungen auch nicht aufhalten können, weil niemand die Verträge einhielt. Die Münzverschlechterungen waren ja ein bewußter Mißbrauch des Münzregals zum Betrug durch deren Inhaber. Das Münzrecht wurde in erster Linie als eine zusätzliche finanzielle Einnahmequelle des Staates angesehen. Münzverschlechterungen konnten diese Einnahmen erhöhen. Eine Verringerung des Feingewichtes der Münzen brachte so lange zusätzlichen Gewinn wie dies im Zahlungsverkehr nicht auffiel. War die Verschlechterung erkannt und die Münze dementsprechend abgewertet, konnten nur weitergehende Verschlechterungen neue, zusätzliche Einnahmen bringen. Wir werden später sehen, dass sich an diesem Zusammenhang jedenfalls im Prinzip bis heute nichts geändert hat. Wie stark die Münzverschlechterung war, zeigt sich exemplarisch am Kölner Pfennig, der über lange Zeit als die stabilste Münze galt. Der Kölner Pfennig war bis um 1280 etwa 1,4 gr Silber schwer. Er besass zu Beginn des 14. Jahrhunderts noch 0,5 gr Silber und knapp ein Jahrhundert später nur noch rund 0,07 gr. Bei anderen Münzen, wie dem Lübecker oder Konstanzer Pfennig war die Entwicklung ähnlich.

Um 1400 entstand aber auch eine neue revolutionäre Geldentwicklung, zunächst vorwiegend in Italien , nämlich Wechsel und Anweisung als bargeldlose Zahlungsmittel. Man musste nicht mehr Silbermünzen von Nürnberg nach Florenz schleppen. Es genügte ein Zettel, der die Bank in Florenz anwies, Münzen vom eigenen Konto auszuzahlen. Durch diesen Wechsel und Giroverkehr entstand jedoch kein zusätzliches Geld. Das vorhandene Gold und Silber wurde lediglich nicht mehr in Truhen sondern in Form von Zetteln transportiert, die gewissermassen als Stellvertreter für das Metall standen. Der eigentliche Trick mit Papiergeld war damit noch nicht erfunden.

Allerdings konnte man von 1458 - 1460 in Deutschland mit den sog.Schinderlingen auch ohne Papiergeld zum ersten Mal die volle Wucht des Staatsbetruges mit Geld geniessen, nämlich die erste große Inflation in Deutschland, die sich allerdings zunächst auf den bayrischen und österreichischen Raum beschränkte.

Im Jahre 1457 begann in Bayern der Graf von Öttingen unterwertige Pfennige in größeren Stückzahlen zu prägen. Die Landgrafen von Hals, der Erzbischof von Salzburg und der Bischof von Passau schlossen sich an und auch der Kaiser liess in Unmengen verschlechterte Pfennige und Kreuzer herstellen. Dabei scheute man nicht davor zurück, Münzbilder des längst verstorbenen Königs Albrecht zu verwenden, um so die Leute glauben zu lassen, es handele sich um ältere gute Pfennige. Die bayrischen Herzöge schlossen sich an und so prägten bald alle Potentaten in Bayern und Österreich, vom Kaiser bis zu Grafen und Bischöfen um die Wette minderwertiges Geld, im Volksmund Schinderlinge genannt. Irgendwie müssen da plötzlich alle moralischen Dämme bei den Herrschern gebrochen sein.

Am Kurs des Goldguldens kann man die Entwertung gut ablesen. Er stieg von 222 Pfennige Anfang 1458 über 300 Pfennige Ende 1458 auf 960 Pfennige Ende 1459 auf schliesslich 3700 Pfennige im April 1460. Auf dem Höhepunkt der Schinderlingszeit stieg der Kurs des Guldens um 20-30 Pfennige täglich. Dies war für die Menschen eine völlig neue Erfahrung. Bisher hatte sich der Silbergehalt des Pfennigs im Laufe eines Menschenlebens allenfalls auf die Hälfte verringert. Die wirtschaftlichen Folgen der Schinderlingszeit müssen verheerend gewesen sein. Die Deutschen erlebten zum ersten Mal die volle Wucht des staatlichen Geldbetruges, ihre erste große Inflation - es sollte nicht die letzte sein. Ende April 1460 ging man wieder zur Ausprägung guter Pfennige über. Die Inflation hatte sich totgelaufen.

Der Übergang vom 15. zum 16. Jahrhundert, also vom Mittelalter zur Neuzeit, bringt auch eine neue Münze hervor, den Taler. In Tirol und im Erzgebirge bei Joachimsthal wurden reiche Silbervorkommen entdeckt. Daraus prägte man etwa 30 Gramm schwere, sog. „Joachimsthaler Guldengroschen“, mit einem Silbergehalt von zunächst 27,4 Gramm, was dem Wert eines herkömmlichen Goldguldens zu 2,5 Gramm Gold entsprach, daher der Name Guldengroschen. Der Name wurde später auf Joachimstaler und schliesslich nur noch auf Taler verkürzt, womit die neuen schweren Silbermünzen ihren bleibenden Namen hatten, der später als Dollar weiterlebte.

Der Grundgedanke war, eine Silbermünze (Guldengroschen) zu schaffen, die genau einer Goldmünze (Gulden) entsprach, also eine Wertgleichheit von Gold-und Silbermünzen. Aber auch der Silbergehalt des Talers ging in der Folgezeit wieder zurück. Der Staat ist im Grunde nie an ehrlichem Geld interessiert. Er betrügt nur mal mehr und mal weniger hemmungslos. Die zahlreichen Reichsmünzordnungen hatten daher nur die Wirkung, dass die Menschen wieder eine Weile glaubten, von nun an hielte sich jeder an das neue Gewicht.

Mit dem Ausbruch des 30jährigen Krieges 1618 nahm die Münzverschlechterung wieder rasch zu. Der Silbergehalt sank auf weniger als die Hälfte des vorgeschriebenen Edelmetallgehaltes. Um die Herkunft der Münzen zu verschleiern, trugen sie oft keine Angaben über den Münzherren mehr sondern dafür Sprüche wie „An Gottes Segen ist alles gelegen“. Da die meisten Menschen nicht lesen konnten, vertrauten sie auf das übliche Münzbild. Fast alle deutschen Fürsten beteiligten sich an der Ausgabe minderwertigen Geldes. Selbst die großen Handelsstädte, die eigentlich an stabilen Währungsverhältnissen interessiert waren, machten mit.

Zur Edelmetallbeschaffung waren überall in Deutschland Händler unterwegs, welche hochwertige Münzen aufkauften und zum Einschmelzen zu den zahlreichen, neu eingerichteten Münzstätten brachten. Die dabei benutzten Münzwaagen und das häufig betrügerische Kippen und Wippen der Waagschalen, verschaffte den Aufkäufern im Volksmund den Namen Kipper und Wipper. Die Bevölkerung tauschte dabei ihre Ersparnisse, die sie in Form von vollgewichtigen Reichstalern und Goldmünzen im Sparstrumpf hatte gegen sog. Kippermünzen ein. Man glaubte, dadurch reicher zu werden, da man ja eine nominell höhere Summe erhielt, diese allerdings in schlechterem Geld.

Die alten Reichstaler und andere hochwertige Münzen stiegen ständig im Kurs der Kippermünzen, die immer mehr Kupfer enthielten. Die immer größere Münzmenge regte zunächst Handel und Produktion an bis starke Preissteigerungen einsetzten und plötzlich der Lohn nicht mehr ausreichte, das Leben zu bestreiten. Die Getreidepreise verfünf- und versechsfachten sich in Kippermünze. Nur wer gute Reichstaler oder Goldmünzen hatte spürte die Inflation nicht.

Um 1622/23 weigerten sich immer mehr Bauern, Händler und Handwerker, ihre Waren gegen schlechtes Silbergeld abzugeben. Nur wer hochwertiges Geld hatte, konnte kaufen, was er begehrte. Gustav Freytag schildert in seinen „Bildern aus der deutschen Vergangenheit“ eindringlich diese Zeit:

„Von allen Schrecken des beginnenden Krieges erschien dem Volk keiner so unheimlich als die plötzliche Entwertung des Geldes, weil es überall die gehässigen Leidenschaften aufwühlte und Unfrieden in den Familien, Haß und Empörung zwischen Gläubigern und Schuldner, Hunger, Armut, Bettelhaftigkeit und Entsittlichung zurückließ. Es machte ehrsame Bürger zu Spielern, Trunkenbolden und Troßknechten, jagte Prediger und Schullehrer aus ihren Ämtern, brachte wohlhabende Familien an den Bettelstab, stürzte alles Regiment in heillose Verwirrung und bedrohte in einem dichtbevölkerten Land die Bewohner der Städte mit dem Hungertod.“

Und dann ereignete sich ein kleines Wunder. 1623, mitten im Krieg, kehrten die Münzherren wieder zur Herstellung guten Geldes zurück, wobei allerdings die Kippermünzen nochmals drastisch abgewertet und eingezogen wurden. Ein 75 Kreuzer-Stück wurde mit 10 Kreuzer, ein 48 Kreuzer-Stück mit 6 Kreuzer usw. eingelöst. Wie kam es zu dem plötzlichen Sinneswandel mitten in dem Krieg, der noch 25 Jahre dauern sollte und weiterhin viel Geld kostete?

Der Hauptgrund dürfte wohl gewesen sein, dass die Landesherren bei Abgaben und Steuern ihr eigenes schlechtes Geld zurück bekamen, das keiner mehr haben wollte und sie selbst natürlich auch nicht. Die Geldentwertung war an ihre Grenze gestossen. Die Rückkehr zu einem geordneten Münzwesen mitten im Krieg stellt in der deutschen Geschichte einen einzigartigen Vorgang dar. Die Folgen der vorangegangenen kurzen Episode der Kipper und Wipperinflation waren für das Land gleichwohl wieder verheerend.

Das ausgehende 16. Jahrhundert war aber auch die hohe Zeit der großen Handelshäuser der Fugger und Welser. Der gewaltige Aufschwung des Handels im 16. Jahrhundert war begleitet von der zunehmenden Entwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Geldzahlungsversprechen, wie Anweisungen und Wechsel, ersetzten den risikoreichen und beschwerlichen Transport von Münzen über große Entfernungen. Daneben kam es zur Gründung zahlreicher Börsen, an denen solche Wechsel gehandelt wurden. Frankfurt am Main entwickelte sich ab 1615 zur bedeutendsten deutschen Geld- und Wechselbörse.

Im Jahre 1619 entstand aber in Hamburg noch etwas Neues, sehr bemerkenswertes, nämlich das Grundmodell eines privaten Geldsystems, das wir heute sofort wieder übernehmen können, und zwar die Hamburger Girobank. Um den Geld- und Zahlungsverkehr in der Hansestadt zu erleichtern, der durch den Umlauf zahlreicher Münzsorten mit unterschiedlichem Metallgehalt erheblich erschwert wurde, sollte die Bank Zahlungen bargeldlos durch Umbuchung von Konto zu Konto ermöglichen. Als Kontoeinlage wurden zunächst nur vollwertige Reichstaler angenommen, wofür pro Reichstaler 3 Mark „Banco“ gutgeschrieben wurden. Dies war nur eine Verrechnungseinheit, wodurch die Bank aber quasi eine stabile Recheneinheit und eine eigene Währung schuf, die von Münzverschlechterungen verschont blieb. Später wurde auch ungemünztes Silber in Form von Barren angenommen. Die Bank war verpflichtet, den Kontoinhabern ihre Guthaben jederzeit in Metall auszuzahlen. Sie konnte aufgrund ihrer Satzung kein Buchgeld schöpfen, das über ihren Bestand an Silber in den Tresoren hinausging. Damit war das Modell einer privaten Währung geschaffen, das auch heute wieder sofort funktionieren würde. Es könnte auch durchaus sein, das in den kommenden Jahren im Internet so etwas wieder entsteht. Ja es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass neben dem staatlichen Monopolgeld in aller Welt wieder Privatgeld nach genau diesem Modell entsteht. Es laufen in der Tat bereits mehrere konkrete Versuche damit, auf die ich später zu sprechen komme. Die Mark Banco galt bis zur Einführung der Reichswährung 1870, also immerhin 250 Jahre, als das sicherste und unveränderlichste Geld der Welt und die Bank als Symbol der Solidität des Hamburger Kaufmanns.

Nach den üblen Erfahrungen der Kipper und Wipperzeit und den Reformen von 1623 blieb Deutschland für fast 30 Jahre von Münzverschlechterungen verschont, trotz des 30jährigen Krieges. Aber ab etwa 1650 begann das Spiel wieder von Neuem. Kaiser, Fürsten und Bischöfe, alle beteiligten sich daran, immer neue, vor allem kleinere Münzen, in Umlauf zu bringen, bei denen der vorgeschriebene oder angebliche Silbergehalt nicht eingehalten wurde. Dazu kamen noch ausländische Münzen und solche von konkurrierenden Geldfälschern, sog. Heckenmünzen. Zwischendurch wurde immer mal wieder eine Münzreform erklärt und alte Münzen verrufen und eingezogen. Dieses Spiel konzentrierte sich vorwiegend auf Silbermünzen. Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts verbreiteten sich auch in Deutschland allmählich wieder Goldmünzen, vor allem der französische Louisdor und die spanische Pistole. Silbergeld blieb jedoch vorherrschend. Goldmünzen dienten nur zur Abwicklung hochwertiger Geschäfte, etwa im Pferdehandel oder als Sparkapital. Im täglichen Verkehr stellten sie eher eine Ausnahme dar.

Friedrich der Große übernahm 1740 von seinem Vater ein recht desolates Münz- und Geldwesen. Er beauftragte 1750 Johann Philipp Graumann mit einer Münzreform, mit dem Ziel, dass die zahlreichen, auch ausländischen Münzsorten, von einem einheitlichen preußischen Geld abgelöst würden. Hauptwährungsmünze wurde das Eintalerstück mit einem Silbergehalt von 16,7 Gramm und daneben gab es den Friedrichsdor mit einem Goldgehalt von 6,06 Gramm und einem Nennwert von 5 Talern. Die Münzreform gelang. Mit dem neuen Taler stand eine stabile Großsilbermünze zur Verfügung, die im kommenden Jahrhundert ihren Siegeszug durch ganz Deutschland antreten sollte. Für Preußen, das keine eigenen Minen besass,war allerdings die Edelmetallbeschaffung ein Problem.

Im August 1756 besetzte Friedrich II das Nachbarland Sachsen, womit der Siebenjährige Krieg begann. Sachsen besass reiche Silbervorkommen im Erzgebirge. Noch im gleichen Jahr verpachtete Friedrich die Leipziger Münzstätte an den Juden Veitel Ephraim. Der Vertrag sah vor, bei der Prägung das Münzbild des sächsischen Kurfürsten beizubehalten, den Silbergehalt der Geldstücke jedoch um ein Viertel zu verringern - eine bewusste Verfälschung der sächsischen Landeswährung. Für so hergestellte neue Münzen im Nennwert von je 1 Million Reichstaler sicherte Ephraim dem preussischen König einen Schlagschatz von 200.000 Reichstaler zu. Daraufhin begann in der Leipziger Münzstätte ab Januar 1757 die Prägung von unterwertigen Groschen. Um die Bevölkerung über den Zeitpunkt der Herausgabe zu täuschen, versah man die Geldstücke mit den Jahreszahlen 1753, 1754 und 1756. Auch sächsisch polnische Sorten wurden mit diesen Jahreszahlen geprägt.

Diese Münzen wurden in der Folgezeit die häufigsten Kriegsmünzen, ihr Umlauf in Preußen jedoch zunächst verboten. Allerdings lies sich der edle Vorsatz, das eigene Land vor Münzverschlechterungen zu verschonen, auf Dauer nicht aufrecht erhalten. Bereits 1758 verpachtete Friedrich auch alle preußischen Münzstätten an ein Konsortium, das sich aus Veitel Ephraim, Moses Isaac und Daniel Itzig zusammensetzte. Anstelle des 1750 eingeführten 14 Taler Fußes prägte man ab 1759 einen 19 3/4 Taler-Fuß, womit ein Taler nur noch 11,8 statt 16,7 Gramm Silber enthielt. Ab 1760 sank der Silbergehalt gar auf 7,8 Gramm und noch schlechter. Auch die Goldmünzen Friedrichsdor und den sächsischen Augustdor liess er ausprägen, allerdings mit um 30 % verringerten Feingehalt. Zur Täuschung wurden wieder die Jahreszahlen 1755, 1756 und 1757 verwendet. Die minderwertigen Kriegsmünzen, im Volksmund als „Ephraimiten“ bezeichnet, behielten ihr ursprüngliches Rauhgewicht. Verschlechtert wurde nur der Feingehalt, so dass sie mit der Münzwaage kaum von vollwertigen Stücken unterschieden werden konnten. Die Verbreitung auch in neutrale und feindliche Territorien gelang so gut, dass zeitweise sogar die Österreicher ihre eigenen Truppen damit entlohnten. Man hielt es wohl mal wieder nicht für möglich, dass Friedrich der Große so etwas machen würde.

Zur Ehrenrettung Friedrichs muss man allerdings sagen, dass er am Ende des Krieges mit einer Sanierung der preußischen Währung begann. Mit dem Münz-Edikt vom März 1764 erfolgte die Rückkehr zum 14 Taler Fuß mit 16,7 gr. Die Kriegsmünzen wurden eingezogen. Ihr Umtausch bei den Staatskassen erfolgte allerdings in Anlehnung an den Metallwert. Die Besitzer der Kriegsmünzen verloren damit einen beträchtlichen Teil ihres Geldvermögens, im Höchstfall bis zu knapp Drei Viertel. Die Geldreform gelang ebenfalls. Bis etwa 1770 war die Umprägung der Kriegsmünzen abgeschlossen. Friedrich war ein sparsamer Fürst. Als er 1786 starb hatte er es immerhin geschafft, einen Staatsschatz in Höhe von 55 Mio Reichstalern anzulegen, was etwa 30 - 40 % des preußischen Volkseinkommens entsprach. Außerdem empfand man damals noch Falschgeld als moralisch bedenklich. Im Jahre 1777, also noch zu Lebzeiten Friedrichs, schrieb die Preußische Akademie der Wissenschaften die bereits erwähnte Preisaufgabe über die Frage aus, ob es nützlich sei, das Volk zu betrügen, woraus sich eine umfangreiche philosophischen Debatte zur Aufklärung überhaupt entwickelte. Eine solche Debatte wäre heute sicher wieder nützlich.

Anfang des 18. Jahrhunderts wurde aber auch bereits eine ganz neue geradezu geniale Betrugsidee entwickelt, die sich so hervorragend bewährt hat, dass man sich heute praktisch ausschließlich nur noch darauf stützt. Der pfälzische Kurfürst Johann Wilhelm II, im Volksmund Jan Wellem genannt, gründete 1705 in Köln die „Banco di gyro d‘affrancatione“, die als erste Notenbank in Deutschland gilt, und die damals als Zettelbank bezeichnet wurde. Mit ihr hoffte der Kurfürst seine drückenden finanziellen Probleme zu lösen. Die Bank gab 1706 - also noch Jahre vor dem Papiergeldexperiment des John Law in Frankreich - Zettel in Umlauf, die auf den Namen ausgeschrieben und durch Unterschrift übertragbar waren. Die Zettel waren von den Ständen unterschrieben, die der Kurfürst zur Unterschrift gezwungen hatte, also eine Art Zwangsanleihe. Die Zettel sollten am Verfallstag von der Bank eingelöst werden, mit einem gewissen Aufschlag, waren also verzinslich. Eingelöst heisst natürlich in Edelmetall. Das Grundkonzept ist so genial, dass uns bis heute noch nichts Besseres eingefallen ist.

Die Zettel waren ja keine Banknoten, bei denen Gold bei der Bank hinterlegt wird und die Bank eine Art Lagerschein als Banknote dafür ausstellt. Vielmehr handelte es sich hier um ein Versprechen auf Gold. Das Gold war noch gar nicht da. Die Bank, bzw. die Stände, die unterschrieben hatten, versprachen lediglich, wenn der Zettel fällig war, Gold zu liefern. Die Einlösung gestaltete sich natürlich schwierig. Die alten Zettel wurden deshalb einfach durch neue ersetzt, wieder mit Zins versteht sich. Die gesamte Emission belief sich auf etwa 3 Millionen Reichstaler. Die Zettel wurden dann schliesslich mit 30 - 40 % Abschlag gehandelt und erst 1750 - 1777 löste man sie endgültig zu einem Drittel des Nennbetrages, unter Verzicht auf die Zinsen, ein. Nach genau diesem Prinzip funktionieren heute Staatsanleihen, mit dem kleinen Unterschied, dass heute überhaupt nicht mehr eingelöst wird. Man bekommt nur immer neue Zettel.

Irgendwie muss dieser geniale Gedanke damals in der Luft gelegen haben und John Law hat ihn ja auch in einem brillianten Buch ausführlich theoretisch begründet, bevor er in Frankreich um 1720 sein Experiment mit Papiergeld in ganz großem Stil durchführte. Der Grundgedanke für unser heutiges Betrugssystem war geboren.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde dieser neue Gedanke dann von Österreich und auch von anderen Staaten aufgegriffen. Johann Wolfgang von Goethe war später von dem Gedanken so fasziniert, dass er einen Teil des Faust II diesem Thema widmete. Darin offenbart sich eine so profunde Kenntnis dieser neuen Betrugsidee, dass man eigentlich nur staunen kann. Selbst heute sind den Wenigsten diese Zusammenhänge wirklich klar, weshalb ja auch der Trick nach wie vor hervorragend funktioniert. Im Faust II erklärt Mephisto wie er gedenkt, aus dem Nichts Geld zu schaffen, aber Kanzler und Kaiser verstehen es nicht und drängen Mephisto, er möchte endlich wirkliches Geld besorgen. Daraufhin lässt Goethe Mephisto sagen:

„Daran erkenn ich den gelehrten Herrn! Was ihr nicht tastet, steht euch meilenfern, Was ihr nicht fasst, das fehlt euch ganz und gar, Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr, Was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht, Was ihr nicht münzt, das, meint ihr, gelte nicht!“

Darauf der Kaiser, dem das alles zu nebulös ist:

„Dadurch sind unsere Mängel nicht erledigt; Was willst du jetzt mit deiner Fastenpredigt? Ich habe satt das ewige Wie und Wenn; Es fehlt an Geld, nun gut, so schaff es denn!“

Nachdem Mephistopheles nochmals vergeblich versucht, es zu erklären, resigniert er schließlich mit dem Satz:

„Wie sich Verdienst und Glück verketten, Das fällt den Toren niemals ein; Wenn sie den Stein der Weisen hätten, Der Weise mangelte dem Stein.“

Mit anderen Worten, selbst wenn sie wüßten, wie es funktioniert, würden sie es doch nicht kapieren. Mephisto schafft dann das Geld und in der Szene im Lustgarten kommt die bekannte Stelle, die ich zur Erinnerung und weil sie den Vorgang so schön klar beschreibt, hier noch einmal zitieren will:

KANZLER (der langsam herankommt) Beglückt genug in meinen alten Tagen.- So hört und schaut das schicksalschwere Blatt, Das alles Weh in Wohl verwandelt hat. Zu wissen sei es jedem, der‘s begehrt: Der Zettel hier ist tausend Kronen wert. Ihm liegt gesichert, als gewisses Pfand, Unzahl vergrabnen Guts im Kaiserland. Nun ist gesorgt, damit der reiche Schatz, Sogleich gehoben, diene zum Ersatz.

KAISER Ich ahne Frevel, ungeheuren Trug! Wer fälschte hier des Kaisers Namenszug? Ist solch Verbrechen ungestraft geblieben?

SCHATZMEISTER Erinnre dich! hast selbst es unterschrieben; Erst heute nacht. Du standst als großer Pan, Der Kanzler sprach mit uns zu dir heran: Gewähre dir das hohe Festvergnügen, Des Volkes Heil, mit wenig Federzügen. Du zogst sie rein, dann ward‘s in dieser Nacht Durch Tausendkünstler schnell vertausendfacht. Damit die Wohltat allen gleich gedeihe, So stempelten wir gleich die ganze Reihe, Zehn, Dreißig, Funfzig, Hundert sind parat. Ihr denkt Euch nicht, wie wohl‘s dem Volke tat. Seht Eure Stadt, sonst halb im Tod verschimmelt, Wie alles lebt und lustgenießend wimmelt! Obschon dein Name längst die Welt beglückt, Man hat ihn nie so freundlich angeblickt. Das Alphabet ist nun erst überzählig, In diesem Zeichen wird nun jeder selig.

KAISER Und meinen Leuten gilt‘s für gutes Gold? Dem Heer, dem Hofe gnügt‘s zu vollem Sold? So sehr mich‘s wundert, muss ich‘s gelten lassen.

MARSCHAll Unmöglich wär‘s, die Flüchtigen einzufassen; Mit Blitzeswink zerstreute sich‘s im Lauf. Die Wechsler-Bänke stehen sperrig auf, Man honoriert daselbst ein jedes Blatt Durch Gold und Silber, freilich mit Rabatt. Nun geht‘s von da zum Fleischer, Bäcker, Schenken; Die halbe Welt scheint nur an Schmaus zu denken.

So etwas kann man nur schreiben, wenn man den Zusammenhang verstanden hat. Ich weiß nicht woher Goethe seine geldtheoretischen Kenntnisse hatte, die Erfahrung mit den französischen Assignaten mag dabei eine Rolle gespielt haben. Vielleicht kannte er auch das Buch von John Law. Heute machen sich die Bürger jedenfalls über staatliches Falschgeld keine Gedanken mehr. Man glaubt, so etwas würde der Staat heute nicht mehr machen. Die Wenigsten können mit diesen Zeilen im Faust überhaupt noch etwas anfangen.

Mit dem Einmarsch Napoleons 1803 verloren die große Mehrheit der über 300 souveränen deutschen Territorien und die meisten freien Reichsstädte sowie alle geistlichen Fürstentümer ihre Souveränität und damit auch ihre Münzrechte. Nach dem Ansturm Napoleons erklärte Kaiser Franz II das Römische Reich Deutscher Nationen für aufgelöst. Für die herrenlos gewordenen Geldstücke der ihrer Souveränität beraubten Fürsten und Städte, fühlte sich niemand verantwortlich und sie blieben daher noch lange Zeit im Umlauf. Wie man daraus sieht, funktioniert Gold und Silber als Geld auch ohne Staat. Auf deutschem Boden blieben noch 35 selbständige Staaten und 4 freie Städte bestehen. Als 1833 zwischen 18 deutschen Staaten der Deutsche Zollverein gegründet wurde, gab es noch rund ein Dutzend verschiedener Münz- und Rechnungssysteme, sieben sich teilweise überschneidende Währungsgebiete und vier verschiedene Währungssysteme. Dabei handelte es sich allerdings immer nur um Gold und Silber mit unterschiedlichem Gewicht, also letztlich doch um ein einheitliches Währungssystem.

In verschiedenen Münzverträgen versuchten verschiedene Staaten immer wieder die Münzsysteme in ihren Gebieten zu vereinheitlichen, was jedoch nicht gelang. Allerdings bewirkte der technische Fortschritt und die hohen Investitionskosten in moderne Prägemaschinen jetzt ein Massensterben der Prägeanstalten. Von 1803 - 1871 sank ihre Zahl von 43 auf 9. Die Kleinstaaten vergaben ihre Prägeaufträge und verloren damit die Möglichkeit, mit der Münzproduktion Einnahmen zu erzielen, weil man ja nicht gut offizielle Aufträge zur Geldfälschung erteilen konnte. Man verlegte sich daher zunehmend zur Finanzierung von Staatsausgaben auf den neuen Trick, nämlich auf die Ausgabe von Papiergeld.

Allerdings standen die Deutschen dem Papiergeld lange Zeit noch sehr skeptisch gegenüber. Nach der drastischen Abwertung der französischen Assignaten und den schlechten Erfahrungen mit anderen Papiergeldexperimenten wie den preußischen Tresorscheinen, die innerhalb kurzer Zeit bis zu 75 % ihres Wertes verloren, trauten sie dem Papier nicht. Im Brockhaus von 1820 heisst es: „Papiergeld ist in vieler Ohren ein so furchtbarer Ton, dass sie schon bei dem blossen Namen desselben erschrecken.“

Im Laufe der Zeit sank aber der Widerstand gegen das Papiergeld. Zum einen ist es natürlich sehr viel praktischer, einen Zettel mit der Zahl 1000 Taler zu übergeben als 1000 Münzen herumzuschleppen und abzuzählen, zum anderen half der Staat mit sanftem Druck nach, bei der Einführung von Papiergeld. Um die Akzeptanz seiner „Cassen-Anweisungen“ zu erhöhen, verfügte der preußische Staat, dass alle in Silbergeld zu entrichtenden Zahlungen an den Staat zur Hälfte in Cassen-Anweisungen zu erfolgen hätten, bei Androhung einer Strafe von 2 Silbergroschen pro Taler bei Nichtbefolgung. Später wurde dann Papiergeld immer gleich mit einem Annahmezwang ausgestattet, damit es akzeptiert wurde. Nicht wenige deutsche Kleinstaaten sahen angesichts wirtschaftlicher Schwierigkeiten im Revolutionsjahr 1848 in der Ausgabe von Papiergeld eine günstige Möglichkeit, sich billige Finanzierungsmittel für den Staatshaushalt zu beschaffen. Billig deshalb, weil sie für die gedruckten Zettel ja keine Zinsen bezahlen mussten. Wobei in der Regel kleine Scheine zu 1 und 5 Talern gedruckt wurden, weil die leichter unterzubringen waren.

Allerdings hielt man diesen Papiergeldtrick damals dann doch noch für unmoralisch und so wurde es im Artikel 22 des Wiener Münzvertrages von 1857 verboten, einen Zwangskurs für Papiergeld festzulegen, sofern das Papiergeld nicht jederzeit in vollwertige Silbermünzen eingetauscht werden konnte. Heute gibt es solche Bedenken nicht mehr. Heute muss kein Staat das Geld, das er erzeugt, gegen irgendetwas eintauschen.

Für das Papiergeld der damaligen Zeit muss man eine klare Unterscheidung treffen. Es gab einerseits das Staatspapiergeld, also gedruckte Zettel, denen keine Deckung zugrunde lag, eine Art staatliches Falschgeld, das in dem Münzvertrag von 1857 verboten wurde. Daneben gab es Banknoten, denen eine Metalldeckung zugrunde lag und die jederzeit wieder in Metall umgetauscht werden konnten. Diese Banknoten waren gleichsam Geldsurrogate, weil es praktischer war, ein paar Zettel mitzutragen als einen Beutel mit Münzen. Diese Banknoten kann praktisch jeder ausgeben, dazu braucht man den Staat nicht. Der Ausgeber muss nur vertrauenswürdig genug sein, und es muss vorgeschrieben sein, dass er seine Noten auch jederzeit wieder in Silber oder Gold zurücktauscht.

Eine liberale Wirtschaftsgesinnung und der allgemeine wirtschaftliche Aufschwung führte in Deutschland in den Jahren 1853 - 1856 zu einer Gründungswelle von sog. Zettelbanken, wie diese Notenbanken damals genannt wurden, die alle solche gedeckten privaten Banknoten ausgaben. 1857 wurde diese euphorische Phase von einer Handels- und Bankenkrise beendet, wobei einige in Not geratene Banken gestützt werden mussten, weil sie ihre Einlöseverpflichtung nicht voll erfüllen konnten. Immerhin gab es 1858 in 20 deutschen Ländern 30 private Zettelbanken und von 1865 - 1871 gab es noch weitere 6 Neugründungen. Der private Banknotenumlauf erreichte 1870 bereits 281 Millionen Taler gegen nur 31 Millionen Taler 1850. Das Papiergeld hatte sich in Deutschland als zusätzliches Zahlungsmittel eingebürgert. Es war einfach praktischer, mit einem 1000 Talerschein zu bezahlen, dem damals größten Papiergeldschein, als 1000 Taler abzuzählen, die immerhin ca. 18 kg wogen. Aber man muss immer sehen, dass diese Banknoten damals gedecktes privates Geld waren, das jederzeit in Metall eingelöst werden konnte. Es gab zwar unterschiedliche Deckungsvorschriften, die Bank musste also nicht immer 100 % Deckung vorhalten, aber die Einlösepflicht bestand immer und die Möglichkeit eines Bankruns musste bei der Kreditvergabe immer mit einkalkuliert werden.

Der Anteil des Papiergeldes an der gesamten Stückgeldmenge stieg bis 1870 auf etwa 1/3 und 2/3 waren nach wie vor Münzen. An dieser Relation änderte sich bis 1913, also kurz vor dem ersten Weltkrieg, nichts wesentliches. Allerdings verdoppelte sich der Münzgeldbestand von etwa 300 auf 600 Millionen Taler. Daneben nahm aber ein anderes neues Geld, nämlich das Kreditgeld in Form von Buchgeld beträchtlich zu. 1870 war von der Gesamtgeldmenge, von etwa 1500 Millionen Taler, ca. die Hälfte Buchgeld und die andere Hälfte Metallgeld bzw. durch Metall gedecktes Papiergeld. Der durch die rasche Industrialisierung wachsende Geldbedarf wurde überwiegend mit Kreditgeld befriedigt.

  • D. Warengeld wird von Kreditgeld verdrängt und beide vom Falschgeld

Im Jahre 1871, nach dem gemeinsamen Sieg der deutschen Einzelstaaten über Frankreich, wurde das Deutsche Reich gegründet und in der Verfassung des Reiches wurde die bisher von den Einzelstaaten beanspruchte Geldhoheit auf das Reich übertragen. Die Einzelstaaten hatten vorwiegend Silbermünzen geprägt. Das Reich prägte Goldmünzen als 10 und 20 Mark Stücke mit 3,5 bzw. 7 Gramm Gold. Diese Reichsgoldmünzen galten für das ganze Reich als gesetzliches Zahlungsmittel. Die silbernen Ländermünzen sollten allmählich eingezogen werden, blieben aber zunächst im Umlauf, wodurch sich eine Gold und Silber Doppelwährung ergab, mit einem festgelegten Wertverhältnis von 1 : 15.

Mit der allmählichen Außerkurssetzung der alten silbernen Ländermünzen, die sich bis 1878 hinzog, überwog allmählich das Goldgeld, was nicht zuletzt durch die Reparationszahlungen Frankreichs in Gold möglich war. Daneben wurden zwar auch noch reichseinheitliche Silbermünzen zu 1, 2 und 5 Mark geprägt, die pro Mark 5 Gramm Silber enthielten, das 5 Markstück also 25 Gramm Silber. Offiziell war Deutschland jedoch, wie davor schon England, zu einer Goldwährung übergegangen.

Die Münzreform war jedoch der einfachere Teil. Schwieriger gestaltete sich die Neuordnung des staatlichen Papiergeldes, das ja gerade als neues, sehr leistungsfähiges Finanzierungsinstrument entdeckt worden war. Besonders die Einzelstaaten bangten um ihre neuen Pfründe. Immerhin bedeutete die Aufnahme eines Staatskredites von 1 Million bei 4 % Zins eine jährliche Zinsbelastung von 40.000 Taler, die man sich mit der Ausgabe von Papiergeld sparen konnte - zumindest so lange dieses nicht zur Einlösung vorgelegt wurde.

Nach langen zähen Verhandlungen einigte man sich darauf, dass die Ausgabe von legalem Falschgeld nur dem Zentralstaat zustehen sollte. Bis zum 1.1.1878 sollte das bisherige Staatspapiergeld der deutschen Länder eingezogen werden und an seiner Stelle ungedecktes Reichspapiergeld im Gesamtwert von 120 Mio Mark ausgegeben werden. Die Summe sollte unter den deutschen Bundesstaaten entsprechend ihrem Anteil an der Bevölkerung verteilt werden und deren bisherige Emissionen ersetzen. Der Zentralstaat und die Bundesstaaten einigten sich gewissermaßen, ein gemeinsames staatliches Falschgeld auszugeben, in einer vergleichsweise noch bescheidenen Menge.

Bemerkenswert ist allerdings, dass diese sog. Reichskassenscheine kein gesetzliches Zahlungsmittel waren, ihre Annahme im Privatverkehr konnte verweigert werden, während die Kassen des Reiches und der Bundesstaaten sie annehmen mussten. Die Reichshauptkasse löste darüber hinaus die Scheine in Bargeld, d.h. Gold und Silbermünzen ein. Das Geld wurde zwar ohne Deckung ausgegeben, aber der Staat empfand noch die Verpflichtung, notfalls dafür einzustehen und es nachträglich zu decken, also eine Gegenleistung zu erbringen. Diese Verpflichtung wird heute von staatswegen nicht mehr empfunden. Deckung wird gar nicht erst versprochen. Dafür wird das ungedeckte Papier heute von vorneherein als gesetzliches Zahlungsmittel mit einer Annahmepflicht ausgestattet. Neben diesen staatlichen Reichskassenscheinen liefen aber nach wie vor die Banknoten der privaten Notenbanken um, wie auch Banknoten der Reichsbank, die nur mit vorhandener Deckung ausgegeben werden durften. Dabei musste mindestens 1/3 durch Münzen oder Goldbarren, der Rest durch Wechsel mit einer Verfallszeit von höchstens 3 Monaten mit 2 guten Unterschriften gedeckt sein. Es handelte sich also schon um eine Mischung aus Kredit- und Warengeld.

Um Ihnen einmal zu zeigen, wie man denselben Sachverhalt auch genau umgekehrt sehen kann, will ich an dieser Stelle ein Zitat einfügen, aus einem lesenswerten Buch, das der bekannte Journalist Wolfram Weimer von der Frankfurte Allgemeinen Zeitung geschrieben hat, mit dem Titel: „Geschichte des Geldes“. Sie sehen an dem Zitat auch, wie man mit Begriffen verwirren kann und wie wichtig es ist, die Dinge beim richtigen Namen zu benennen. Den allmählichen Übergang zu staatlichem Falschgeld, den Weimer offenbar befürwortet, beschreibt er wie folgt: „Auch nach der Reichsgründung zeigten die Banknoten-Sperrgesetze und die heftig umstrittene Genese einer staatlichen Zentralbank erst zögernd ihre Wirkung. Im Jahre 1900 druckten immerhin noch sieben Institute ihr eigenes Geld, von der Bayrischen bis zur Sächsischen Notenbank (was Weimer offenbar verurteilt). Die Reichsbank wurde erst 1906 ermächtigt, auch Banknoten in Höhe von 50 und 20 Mark auszugeben. Dagegen werden den Privatnotenbanken die Stückelungsgenehmigung verweigert. 1909 wurden die Reichsbanknoten schliesslich zum gesetzlichen Zahlungsmittel erkoren, blieben aber „unechtes“ Papiergeld, da sie per staatlicher Garantie jederzeit in Gold umgetauscht werden konnten. Insofern stellten diese Banknoten nur ein Zertifikat für die Auszahlung von Goldmünzen oder ein Goldsubstitut dar. Erst nach Aufhebung des Umtauschrechtes am 31.7.1914 entstand echtes Papiergeld.“ So verkauft man die Einführung von Falschgeld als Fortschritt.

Halten wir einmal kurz fest, wo wir in der Entwicklung auf dem Weg zu unserem modernen Falschgeldsystem jetzt stehen:

1. Der Trick mit den Münzgewichten kommt aus der Mode.

2. Der neue Trick mit Papiergeld ist zwar bereits entdeckt, man ist jedoch noch sehr zögerlich in der Anwendung. Eine richtige volkswirtschaftliche Theorie dazu, welche auch moralische Bedenken ausräumt, fehlt noch.Erst mit Kriegsbeginn 1914 spielt Moral keine Rolle mehr.

3. Nur Münzen sind gesetzliches Zahlungsmittel. Für Papiergeld besteht noch kein Annahmezwang.

4. Jeder Notenemittend, auch der Staat, muss immer damit rechnen, dass er seine Noten zum Umtausch in richtiges Geld, also Metall präsentiert bekommt, wenn Mißtrauen entsteht. Das Kreditvolumen muss sich an den realen Rückzahlungsmöglichkeiten orientieren. Die Geldmenge ist über die Metalldeckung an die reale Güterwelt gebunden.Es gibt noch keine Instanz, die beliebig Geld erzeugen kann.

In den folgenden Jahren gingen die meisten europäischen Staaten, wie auch die USA, Russland und Japan zur reinen Goldwährung über, die in England schon seit 1816 galt. Damit waren die Währungen der wichtigsten Industrieländer über die Goldparität fest mit einander verbunden. Wechselkursschwankungen gab es praktisch nicht. Es gab quasi ein einheitliches Weltgeld, nämlich Gold und zwar ohne, dass es einer politischen Einigung bedurfte. Ein Zustand, von dem wir heute nur träumen können.

Diese Jahrzehnte des klassischen internationalen Goldstandards, der bis 1914 währte, waren mit Abstand das best funktionierende Geldsystem, das die Welt bisher erlebt hat, darin sind sich viele Sachverständige einig. Die deutsche Wirtschaft, wie auch die Weltwirtschaft erlebte in dieser Zeit ein atemraubendes Wirtschaftswachstum mit einer weltweiten Industrialisierung und immensen Investitionen. Dabei gab es praktisch keine Inflation und die Zinsen lagen bei 2% bis 3%. Die häufig vorgetragene Behauptung, eine von Natur aus zu knappe Goldversorgung würde das Wirtschaftswachstum behindern, trifft für diese Zeit offenbar nicht zu.

Allerdings trat jetzt zusätzlich ein neues Phänomen auf, nämlich eine rasante Zunahme der Bankeinlagen und des bargeldlosen Zahlungsverkehrs.Während sich der Metallgeldbestand und der Papiergeldumlauf in Deutschland von 1875-1913 nur etwa verdoppelte, verzehnfachte sich der Umfang des Buchgeldes. Da Buchgeld im Gegensatz zu Banknoten nicht gedeckt sein musste, konnte so dabei eine beträchtliche Geldschöpfung betrieben werden, die vom Goldvorrat weitgehend unabhängig war. Die Fessel der Goldwährung wurde so umgangen, und es läßt sich im Nachhinein natürlich schwer sagen, ob ohne dieses Phänomen die Entwicklung nicht doch langsamer verlaufen wäre, wegen der Goldfessel. Man muß aber gleichwohl sehen, daß Buchgeld ja immer in Bargeld und dieses in Gold umgetauscht werden mußte, was heute nicht mehr der Fall ist. Die Fessel war zwar gelockert, aber sie bestand nach wie vor.

Der Anteil des Buchgeldes an der gesamten Geldmenge erhöhte sich in dieser Zeit von etwa 60 % auf 90 %, was etwa auch dem heutigen Anteil entspricht. Das rasante Wirtschaftswachstum wurde also auch durch die Entwicklung des sog. „fractional banking“ und der damit verbundenen Kreditausweitung begünstigt. Mit dem fractional banking war aber ein neuer, atemraubender Gelderzeugungstrick gefunden, der von nun an eine immer größere Rolle spielen sollte.

Es gibt im wesentlichen bis heute nur drei grundlegende Tricks, für die Falschgelderzeugung, die man gedanklich immer auseinander halten muss, weil sonst leicht die Übersicht verlorengeht.

Da haben wir zunächst den Trick 1 mit dem falschen Gewicht, den wir bisher beobachten konnten. Also die Münze enthält nur 20 Gramm Silber, obwohl 30 Gramm draufsteht.

Dann haben wir den Trick mit der Zukunft, wie ihn Goethe beschreibt, den ich mal als Trick 2 bezeichnen möchte. Also, ich verpfände etwas, das es noch garnicht gibt, das erst in der Zukunft vielleicht entsteht, wie das Gold in der Erde, und bezahle schon heute damit.

Und nun kommt ein dritter, recht raffinierter Trick dazu: Ich verkaufe oder verpfände denselben Gegenstand mehrfach. Also z. B. verkaufe ich denselben van Gogh an mehrere Leute, jeweils mit der Bedingung, dass das Bild aber im Museum hängen bleiben muss. Allerdings ist van Gogh ein schlechtes Beispiel, weil jeder von den Leuten sagen kann, das ist mein van Gogh. Bei Goldbarren ist das einfacher, weil ein Goldbarren ausieht wie der andere, für den Fall das man mal einen Barren vorzeigen muss zum Beweis, dass er noch da ist. Und noch einfacher funktioniert es natürlich mit Papiergeld, wobei man heute üblicherweise einen einmal eingelegten Papiergeldbetrag bis zu 20 mal und mehr verleiht. Buchgeldschöpfung oder fractional banking nennt man diesen Vorgang, weil das gleiche Geld bis zu 20 mal verliehen wird und dann nur noch 1/20 (fraction) des verliehenen Betrages als Reserve in der Kasse ist. Deshalb nennt man das System „fractional reserve system“. Früher wurde der gleiche Goldbarren 20mal verliehen und heute wird ein und dasselbe Zentralbankgeld 20mal verliehen. Neuerdings wird übrigens auch Gold wieder mehrfach verliehen, wie wir später sehen werden.

In den Lehrbüchern wird dieser Vorgang meist furchtbar kompliziert beschrieben und es wird darauf hingewiesen, dass nur mehrere Banken zusammen im sog. Gleichschritt diesen Prozess in Gang bringen könnten. Dieses Argument wird jetzt allerdings immer hohler, je mehr Banken fusionieren. Deutsche plus Dresdner können ausreichend Gleichschritt im eigenen Konzern in Gang bringen, was übrigens ein Fusionsmotif sein könnte. Bei den Goldschmieden wird das fractional banking meist noch so erklärt, dass diese auf den Goldvorrat im Keller einfach mehrere Banknoten ausgestellt hätten. Aber für das heutige Geldsystem wäre diese einfache Erklärung wohl doch etwas zu klar und durchsichtig und deshalb wird es so erklärt, dass das Publikum garnichts davon weiß, obwohl es in jedem Lehrbuch steht. Aber lesen Sie es einfach mal in irgendeinem Lehrbuch selbst nach, oder lassen Sie es sich von einem Fachmann erklären. Sie werden sehen, am Ende kommt genau das raus was ich hier beschrieben habe, nämlich der 20 fache Betrag der ursprünglichen Einlage wird verliehen, wenn der vorgeschriebene Reservesatz (fractional reserve) bei 5% liegt.

Damit Sie sich eine ungefähre Vorstellung machen können, wie das Wunder funktioniert, machen wir wieder ein kleines Gedankenexperiment. Stellen Sie sich vor, 10 Freunde sitzen in der Kneipe am Stammtisch. Nun leiht der A dem B 20 Mark und der B schreibt auf einen Bierdeckel „Ich B schulde gegen Vorlage dieses Deckels 20 Mark - Unterschrift B“. Dann gibt der B die 20 Mark weiter an C und der stellt auch eine Quittung auf einem Bierdeckel mit seiner Unterschrift aus, usw. Am Ende kommen die 20 Mark wieder beim A an und jeder hat einen Bierdeckel als Schuldschein über 20 Mark. Damit sind praktisch 200 Mark neues Kreditgeld in Form von Bierdeckeln aus dem Nichts entstanden, die durch ein Leistungsversprechen der Freunde gedeckt sind. Man kann unterstellen, dass die Freunde sich vertrauen, und jeder einen solchen Bierdeckel, den ein anderer unterschrieben hat, als Bezahlung akzeptiert. Wahrscheinlich würde auch der Wirt jeden dieser Deckel als Bezahlung akzeptieren und dafür Bier ausschenken. So ungefähr funktioniert in der Tat Kreditgeld und auch fractional banking. Die Bierdeckel sind solange echtes Kreditgeld, wie jeder der Feunde die Absicht hat, seine Verpflichtung zu erfüllen und notfalls für 20 Mark Leistung zu erbringen. In dem Moment aber, wo einer der Feunde nicht mehr die Absicht hat, zu erfüllen, oder sagt, ein anderer soll die Leistung erbringen, so wie es Staat und Banken machen, in dem Moment wird sein Bierdeckel zu falschem Kreditgeld, zu Falschgeld.

Die weitere Entwicklung stützt sich vornehmlich auf diese beiden neuen Tricks, also Verpfändung eines noch gar nicht vorhandenen Gegenstandes und Mehrfachbeleihung einunddesselben Gegenstandes. Zur Verschleierung kommt jetzt aber noch ein recht raffiniertes Manöver hinzu. Man rückt den eigentlichen Gegenstand, welcher der Verpfändung und Beleihung zugrunde liegt, nämlich das Gold, zunehmend aus dem Blickfeld des Publikums, mit einem wirklich faszinierenden intellektuellen Trick. Wenn man vor das Tätigkeitswort arbeiten einen Artikel setzt, entsteht der abstrakte Begriff die Arbeit. Wenn ich irgendeine Person oder einen Gegenstand liebe oder wert schätze und setze einen Artikel vor diese Empfindung, so entstehen die abstrakten Begriffe die Liebe, oder der Wert. Diese abstrakten Begriffe fangen dann an im menschlichen Gehirn ein Eigenleben zu führen, als ob sie ein realer Gegenstand wären. Der anfassbare reale Wertgegenstand Gold wird jetzt zu einem gedanklichen, abstrakten Wertkonzept gemacht, zu „das Geld“. A thing of value becomes a concept of value, würde man in Englisch sagen. Wir werden später sehen, wie dieser Prozess große Bedeutung erlangt. Er ermöglicht es schließlich, sog. fiat money, also Falschgeld, zu erzeugen, und theoretisch zu rechtfertigen.

Der Ausbruch des ersten Weltkrieges führte auch zum Ende des klassischen Goldstandards. Mit Beginn des Krieges 1914 stellte die Reichsbank die Einlösung ihrer Banknoten in Gold ein. In den Wochen davor hatte die Bevölkerung Goldmünzen im Wert von über 100 Millionen Mark von der Reichsbank abgezogen. Die Privatnotenbanken durften ebenfalls ihre Banknoten nun statt in Gold in Reichsbanknoten einlösen. Der entscheidende Schritt aber war, dass Schuldverschreibungen des Reiches jetzt zur Banknotendeckung zugelassen wurden. Das heißt, es durfte Geld ausgegeben werden, das nur noch durch imaginäre Zukunftsversprechen gedeckt war, also das was wir oben als Trick 2 bezeichnet haben. Damit erhielt die Reichsregierung zur Staatsfinanzierung Zugang zur Notenpresse und sie machte davon hemmungslos Gebrauch. Dies führte zu einer bislang ungeahnten Expansion der Falschgeldmenge.

Im Laufe des Krieges bis 1918 verfünffachte sich etwa die Papiergeldmenge von ca. 6 auf 30 Milliarden Mark mit Trick 2, während sich darauf aufbauend die Buchgeldmenge mehr als verdoppelte von 40 auf 90 Milliarden mit Trick 3. Die Staatsverschuldung stieg rasch an. Gold und Silbermünzen verschwanden aus dem Zahlungsverkehr. Patriotische Bürger gaben ihr Gold bei der Reichsbank ab, unter dem Motto „Gold gab ich für Eisen“. Da Gold das einzige international anerkannte Zahlungsmittel blieb, brauchte der Staat Gold, um notwendige Einfuhren finanzieren zu können.

Am Ende des verlorenen Krieges erforderte die Umstellung auf eine Friedenswirtschaft, sowie die Reparationszahlungen an die Sieger erst recht erhebliche Finanzmittel. Die Staatsverschuldung, die Geldmenge und die Preise explodierten, bis schliesslich ein Brot 300 Millionen Mark kostete. Die Bevölkerung verlor ihr gesamtes Geldvermögen und die Ersparnisse von Generationen. Schulden wurden mit Pfennigbeträgen zurückgezahlt. Die gesamten Kriegsschulden in Höhe von 154 Milliarden Mark hatten am 15. Nov. 1923 lediglich noch einen Wert von 15,4 Pfennigen der Zeit vor 1914.

Der erste Weltkrieg und seine Folgen wurden also im wesentlichen mit Trick 2 und Trick 3 finanziert. Der Staat gab mit seinen Staatsanleihen ein Versprechen auf die Zukunft ab und bezahlte damit heutige Leistung und die Banken vervielfachten dieses Versprechen mit fractional banking. Und es gab noch ein neues Phänomen. Der Gegenstand, auf den sich das Zukunftsversprechen richtete, etwa der Goldschatz im Boden, wurde gar nicht mehr benannt. Der Staat machte sich gar nicht mehr die Mühe zu sagen, was der Inhalt seines Schuldversprechens sei. Der Staat schuldete einfach Geld, ein abstraktes Konzept. Die Anleihekäufer mögen anfangs vielleicht noch an die Siegesbeute in Form von Gold gedacht haben, jedenfalls war die Staatsschuld erstmals nicht mehr definiert. Das war neu.

Im Sommer 1923, auf dem Höhepunkt der Inflation, entwickelte Karl Helfferich vom Finanzministerium einen Plan zur Währungssanierung. Der Gedanke war, auf die Grundstücke der Bevölkerung Zwangshypotheken einzutragen, und diese gewissermassen als Pfand und Deckung für ein neues Geld zu nehmen. Weil man nicht genug Gold hatte, sollte das neue Geld in Roggen definiert werden. Eine Roggenmark sollte 5 kg Roggen entsprechen. Das Geld bzw. die Schuld war damit wieder mit einem konkreten Gegenstand, diesmal Roggen, definiert. Allerdings wurde diese sog. Roggenmark dann doch nicht eingeführt, weil man wohl zu recht befürchtete, dass eine auf Getreide beruhende Währung im Ausland nicht anerkannt würde. Auch aus psychologischen Gründen wollte man lieber versuchen, an die alte Goldparität anzuknüpfen, wobei man sich allerdings eine offizielle Golddeckung zur alten Parität nicht leisten konnte.

Man kam deshalb auf den Gedanken, Trick 2 gleichsam als Doppeltrick durchzuführen. Man gründete eine neue Bank, die deutsche Rentenbank. Diese Bank bekam die Zwangshypotheken in Höhe von 3,2 Milliarden Rentenmark zugeteilt und durfte in dieser Höhe neues Geld, sog. Rentenbankscheine bzw. Rentenmark in Umlauf setzen. Diese Rentenmark konnte man, wenn man unbedingt wollte, bei der Rentenbank in Mindestbeträgen von 500 Rentenmark in auf 500 Goldmark lautende Rentenbriefe einlösen. Diese Rentenbriefe stellten quasi die Deckung der Rentenmark dar. Der Doppeltrick funktionierte. Die Inflation hatte sich praktisch tot gelaufen. Jedes Geld war besser als die alte Mark.Immerhin, als die Reichsregierung im Dez. 1923 von der neuen Rentenbank einen Kredit wollte und die Rentenbank ablehnte, hatte die neue Währung eine gewisse erste Probe bestanden. Hinzu kam, dass die Rentenmark kein Zwangsgeld war, sie war nicht gesetzliches Zahlungsmittel, aber man nahm sie freiwillig lieber als alle anderen Zettel, die noch umliefen. Immerhin wurde ja hier noch ein Hauch von realer Deckung in Aussicht gestellt.

Mit dem Währungsgesetz vom 30. Aug. 1924, also ein Jahr später, wurde das Währungssystem in Deutschland neu geordnet. Dabei kam Trick 2 etwas raffinierter, aber auch bereits schon deutlich schamloser, zur Anwendung. Zunächst einmal wurde die Reichsbank zu einer von der Reichsregierung unabhängigen Bank erklärt. Nach der schlechten Erfahrung mit der Selbstbedienungsmentalität des Staates an der Notenpresse, wollte man damit signalisieren, dass jetzt gleichsam ein unabhängiger Wächter vor der Notenpresse steht. Wie sich später zeigen wird, ist das auch eine Täuschung, weil auch eine unabhängige Zentralbank die Gelderzeugung durch den Staat nicht verhindern kann.

Aber 1924 flößte diese Vorschrift erst einmal Vertrauen in die neue Reichsbank ein. Die Reichsmark wurde neue Währungseinheit, alle alten, auf Mark lautenden Reichsbanknoten, wurden im Umstellungsverhältnis von 1 Reichsmark = 1 Billion Mark eingezogen. Eine Reichsmark entsprach einer alten Goldmark. Und jetzt kommt der Trick. Die neuen Reichsbanknoten stellten das einzig gültige gesetzliche Zahlungsmittel dar, waren also Zwangsgeld und im Gegensatz zur klassischen Goldwährung hatte der Besitzer einer Banknote keinen Anspruch mehr auf Einlösung in Gold. Zwar war die Reichsbank von Gesetzes wegen immerhin noch verpflichtet, 30 % ihres Notenumlaufes mit Gold zu decken, aber durch Einlösung überprüfen konnte man das praktisch nicht mehr. Die restlichen 70 % des Notenumlaufes mussten durch Devisen oder gute Wechsel gedeckt sein, also durch Versprechungen Dritter! Wir können hier den allmählichen Übergang von einem realen einlösbaren Schatz zu einem imaginären Zukunftsversprechen beobachten. Man verspricht zwar 30 % Gold zu haben, aber eine Umtauschverpflichtung besteht nicht mehr. Und man hat 70 % Versprechen Dritter, aber auf was? Devisen und Wechsel sind ja nur Versprechen auf Zahlung. Aber Zahlung von was? Reichsbanknoten?Trotz dieser nebulösen Konstruktion erwarb die Reichsmark das Vertrauen der Bevölkerung. Es blieb wohl auch nicht viel anderes übrig.

Die Jahre von 1924 -1929 gingen als die goldenen Zwanziger in die deutsche Geschichte ein. Der Dawes Plan von 1924 reduzierte die Reparationszahlungen auf ein erträgliches Maß. Die im Laufe des ersten Weltkrieges auch in England, Frankreich und Amerika entstandene riesige Verschuldung hatte zu einer gewaltigen Aufblähung der Kreditgeldmenge geführt, was u.a. zu der dramatischen Börsenhausse in Amerika beitrug. Die Welt ertrank in Liquidität, man kann auch sagen in Falschgeld, wie heute auch wieder. Ein Problem für Deutschland war dabei die rasch steigende Auslandsverschuldung.

Im Anschluß an den Börsenkrach 1929 fing das Ausland an, einen Teil dieser kurzfristigen Gelder aus Deutschland abzuziehen. Weltweit löste sich immer mehr Kreditgeld in Luft auf, ein Prozess, den wir auch heute wieder beobachten können. Dieser Prozess verstärkte sich in 1930 und brachte immer mehr Banken und Staaten in Zahlungsschwierigkeiten. Als im Juli 1931 die Darmstädter und Nationalbank ihre Schalter schliessen musste, setzte in Deutschland ein regelrechter Bankrun ein, was wiederum die Kapitalflucht aus Deutschland verstärkte.

Es wird an dieser Stelle immer wieder das Argument vorgetragen, die Weltwirtschaftskrise und die Depression sei damals durch die Rückkehr zum Goldstandard herbeigeführt worden. Die Geldmenge sei geschrumpft, weil nicht genügend Gold da war, was schliesslich zum Preisverfall und zur allgemeinem Depression geführt habe. Damit wird aber der wahre Sachverhalt geradezu auf den Kopf gestellt. Es ist nie zu wenig Gold da. Jedes Handelsvolumen kann prinzipiell mit jeder beliebigen Goldmenge oder Geldmenge abgewickelt werden. Die Geldmenge darf nur nicht wieder verändert werden. Erst Veränderungen bewirken Krisen und starke Veränderungen bewirken starke Krisen.Der entscheidende Fehler war damals, dass man zur alten Vorkriegsparität des Goldes von 1914 zurückkehren wollte. Dadurch bekam man natürlich auch die Preise von 1914 und den enormen Preisverfall. Die durch Abschaffung der Goldbindung im Krieg geschaffene zusätzliche Geldmenge war nun einmal da und die Preise hatten sich ihr angepasst. Rückkehr zur alten Goldparität hiess also Rückkehr zu den Preisen von 1914 und Vernichtung der überschüssigen Geldmenge. Man hätte besser die Goldparität bzw. den Goldpreis deutlich höher ansetzen müsen als 1914. Mit anderen Worten Dollar und Pfund, wie auch alle anderen Währungen hätten gegen Gold deutlich abgewertet werden müssen, wie es Rooseveld ja dann 1933 viel zu spät auch gemacht hat. Dies hätte zu einer erneuten Goldbindung auf dem vorhandenen erhöhten Preisniveau geführt und die Deflationskrise vermieden. Durch die Beibehaltung der alten Goldparität musste die riesige überschüssige Geldmenge vernichtet werden. Es stimmt also, dass die Geldmenge dramatisch zurückging, aber nicht die Goldmenge sondern die riesig aufgeblähte Menge an Kreditgeld, oder eben Falschgeld ging zurück. Eine Bank nach der anderen ging pleite, aber nicht weil kein Gold da war, sondern weil die Kredite faul wurden, die bei sinkendem Preisniveau nicht mehr bedienbar waren. Es bleibt zu hoffen, dass man diesen Fehler heute nicht wieder macht und der Goldpreis gleich erhöht wird bzw. der Dollar abgewertet.

Als Hitler dann 1933 die Macht übernahm, war der natürlich viel hemmungsloser in der Anwendung der neuen Tricks. Unter den Nationalsozialisten wurde der eigentliche Kern moderner sozialistischer Geldpolitik entwickelt. Als erstes schaffte Hitler die Unabhängigkeit der Reichsbank ab. Von 1939 an unterstand die Reichsbank praktisch unmittelbar dem Führer und Reichskanzler. Damit war zumindest klar, wer die Verantwortung trug, was heute leider nicht mehr so klar erkennbar ist.

Weniger klar war den meisten Leuten damals, wie Hitler das Beschäftigungswunder vollbrachte und die Arbeitslosenzahl von über 5 Millionen in 3 Jahren praktisch auf Null zurückführte. Aber das war einfach die Wunderwirkung von Trick 2 für den die Reichsbank eine bis heute wegweisende, moderne Form entwickelte. Es wurde ein imaginärer Schatz erfunden in Form der „Deutschen Gesellschaft für öffentliche Arbeit“ oder der „Metallforschungsgesellschaft“. Dieser Schatz wurde frei nach Goethe sofort gehoben, indem diese Firmen Wechsel unterschrieben, sog. Öffa oder Mefo Wechsel, die sie bei der Reichsbank einreichten und die Reichsbank gab ihnen Geld dafür. Also genau wie Goethe es schon beschrieben hatte:“Nun ist gesorgt, dass dieser reiche Schatz, sogleich gehoben, diene als Ersatz.“

Es gibt ein kleines Büchlein aus dieser Zeit, das ein Prof. Wagemann 1940 veröffentlich hat, mit dem Titel: Wo kommt das viele Geld her? Und er beantwortet die Frage knapp und bündig: „ Das viele Geld kommt von der vielen Arbeit.“ Mit anderen Worten, ich drucke ein paar Zettel mit leeren Versprechungen und dann fangen viele Leute an zu arbeiten. Aber mit diesem Argument kann natürlich auch jeder gewöhnliche Geldfälscher sein Tun rechtfertigen, jeder Geldfälscher schaftt so Arbeit.

Das neue Modell für Trick 2 mit den Wechseln war aber so bahnbrechend, dass es noch heute der Kern moderner Fiskalpolitik ist. Alle modernen Staaten schreiben heute Wechsel auf eine imaginäre Zukunft und lassen sich von den Banken dafür Geld aushändigen. Auch heute erzeugt der Staat nach genau diesem Modell sein Falschgeld selber. Er lässt bei den Banken lediglich drucken.

Die Geldentwicklung unter Hitler birgt dann keine weiteren Überraschungen mehr. Bei Kriegsende erreichte die Staatsverschuldung rund 400 Milliarden RM, was etwa dem fünfachen des Sozialproduktes entsprach. Aus staatlichem Papiergeld wurde wieder einmal wertloses Altpapier, die Bürger wieder einmal um ihre Ersparnisse betrogen.

Lassen Sie uns aber noch einmal kurz rekapitulieren, was die Nationalsozialisten zur Entwicklung unseres heutigen Falschgeldsystems beigetragen haben, denn es ist in der Tat so, dass unser heutiges System noch weitgehend auf den „Errungenschaften“ der Nationalsozialisten aufbaut. Als Deckung für die Ausgabe von Papiergeld dienten bisher Gold oder Warenwechsel. Der neue Gedanke war nun, Staatsanleihen als Deckung zu nehmen, Geldschöpfung durch Staatsanleihen. Der Gedanke war so revolutionär, dass er bis heute von den Wenigsten verstanden wird. Die meisten Menschen glauben heute noch, der Staat würde Ersparnisse einsammeln gegen Staatsanleihen. Den Wenigsten ist klar, dass der Staat mit jeder Anleihe praktisch neues Geld erzeugt, wie bei einem Wechsel und dass er dabei auf Erspartes nicht angewiesen ist. Das Geld entsteht bereits mit dem Akt der Verschuldung, mit der Unterschrift auf dem Anleiheformular, und muss nicht erst durch Verkauf auf dem Markt eingesammelt werden. Das ist so ähnlich wie bei unserem Beispiel mit den Bierdeckeln. Da ist das Kreditgeld auch mit der Unterschrift entstanden. Bei jedem Wechsel ist das auch so. Damals 1934, als dieser Plan an die Öffentlichkeit kam, liefen die Presse und die Banken Sturm dagegen und 32 Professoren verfassten einen feierlichen Protest gegen so verbrecherische Anschläge auf die deutsche Währung.

Heute kann man kaum noch jemandem erklären, dass Staatsanleihen gleichsam frisch gedrucktes Falschgeld sind. Damals mussten sich die Nazis noch Mühe geben, den Sachverhalt zu verschleiern. Man nannte deshalb die Papiere nicht Staatsanleihen sondern Wechsel, weil ja Handelswechsel immer als Deckung akzeptiert wurden. So entstanden jetzt Arbeitsbeschaffungswechsel, die sog. Öffa-Wechsel sowie zur Rüstungsfinanzierung die Mefo-Wechsel. Mit Wechseln hatte das allerdings wenig zu tun. Es lag kein Warengeschäft zugrunde und die Laufzeit war von vorneherein auf 5 Jahre und länger angelegt. Der Staat reichte die Papiere bei der Reichsbank ein und bekam frisch gedrucktes Geld dafür gerade so, als ob er gleich selbst gedruckt hätte und daran hat sich bis heute nicht viel geändert.

Neben diesem bahnbrechenden Beitrag zur Entwicklung des modernen Finanzsystems muss man den Geldfachleuten des Nationalsozialismus aber noch etwas anderes zugute halten, nämlich, dass sie in einer klaren, kernigen Sprache beschrieben haben, worum es geht. Leider ist diese Klarheit aus naheliegenden Gründen verloren gegangen. Man spricht heute verschwommen von Geld- und Finanzpolitik im Interesse sozialer Gerechtigkeit. Hier einmal ein paar Kostproben von Prof. Wagemann, welcher die Idee mit den Staatsanleihen als sog. „Wagemannplan“ entwickelt hat.

In seinem Buch von 1940 mit dem Titel: Wo kommt das viele Geld her? beschreibt er klipp und klar alle Tricks. Zitat: „Von jeher nahmen es die Fürsten als gutes Recht für sich in Anspruch, sich durch Münzverschlechterungen neben dem sichtbaren Zehnten, der ihnen gebührte, noch einen unsichtbaren Zehnten zu verschaffen.“ Dann beschreibt er, wie sich dieser, aus seiner Sicht legitime, Staatsbetrug zunehmend von der Münzprägung auf das Papiergeld verlagerte, Zitat: „Die Notenausgabe, die ja ursprünglich ein Privileg privater Notenbanken war, die Banknoten gegen Hinterlegung von Gold ausgeben durften, wurde mehr und mehr verstaatlicht, und der Zentralbank auch das Recht verliehen, Gewinn daraus zu ziehen“. Und dann entdeckt Wagemann plötzlich einen neuen Konkurrenten beim Betrügen. Weil das so schön klar und deutlich beschrieben ist, wollen wir das auch noch im Original geniessen. Immerhin war Wagemann ja so etwas wie der Cheftheoretiker, also der Ottmar Issing der damaligen Zeit. Er stellt erschrocken fest, dass es jetzt neben dem Staat noch andere Geldfälscher gibt und schreibt, Zitat: „Inzwischen geriet die Geldschöpfung von neuem zu einem wesentlichen Teil in die Hände der privaten Banken. Diese übten ein recht einträgliches Privileg aus, das von dem Gesetzgeber als solches lange Zeit nicht erkannt wurde.“ Wie das in aller Heimlichkeit geschehen konnte beschreibt er auch: „Das Giralgeld ist in aller Stille von der Praxis hervorgebracht worden. Jahrzehnte, Jahrhunderte hat man gebraucht, um dies überhaupt zu merken. Die Praxis der Banken hatte in ihrer kaufmännischen Klugheit bald herausgefunden, dass Geldeinlagen, selbst wenn die Kunden sich das Recht vorbehalten, sie täglich wieder abzuheben, normalerweise großenteils auf dem Konto belassen werden. Damit entstand Geld, das den Noten in seiner wirtschaftlichen Funktion völlig ebenbürtig ist. Das ist aber erst später von der Theorie erkannt worden. Die Bankiers jedoch - als die Praktiker, die es gewinnbringend zu nutzen wussten - schienen sich durch diese Feststellung in ihrer Ehre getroffen zu fühlen und erklärten, dass sie doch keine Falschmünzer seien.“

Unter den Nationalsozialisten wollte der Staat allerdings beim Falschmünzen keine Konkurrenz dulden. Wagemann schreibt wieder erfrischend klar: „Mit all diesen finanziellen Rechten und Privilegien hat der Nationalsozialismus aufgeräumt. Es liegt im Wesen eines Volksstaates, dass seine Führung, die kein anderes Ziel kennt, als der Nation zu dienen, es ablehnt, Geldschöpfung und Finanzlenkung, die ihrer Natur nach volkswirtschaftliche Funktionen sind, geschäftlichen, auf Gewinn ausgehenden Interessen auszuliefern.“

Heute sieht man das etwas anders. Heute haben sich Staat und Banken arrangiert und teilen sich die Beute. Ausser dieser Zusammenarbeit zwischen Staat und Banken ist in der Tat nicht mehr viel Neues danach hinzugekommen. Der Staat betrügt mit Trick 2 und die Banken mit Trick 3 und beide stützen sich gegenseitig. Allerdings ist das System heute international verflochten, hat gigantische Ausmasse angenommen und es hat sich ein internationaler Oberfälscher herausgebildet, gegen den die anderen jetzt rebellieren.

  • E. Wie funktioniert der Trick heute?

In Bretton Woods wollte Keynes nach dem Krieg eine Weltbank installieren, welche die Falschgeldproduktion kontrollieren sollte. Das wollten aber die Amerikaner nicht und sie installierten den IWF, den internationalen Währungsfonds. Diese Konstruktion gab den Amerikanern die Möglichkeit, Trick 2 in ungeahntem Masse mit der ganzen Welt zu betreiben. Mit dem Dollar als Leitwährung konnten sie undefinierte Zukunftsversprechungen nicht nur gegenüber ihren eigenen Landsleuten, sondern gegenüber der ganzen Welt abgeben und die ganze Welt liefert Waren und Leistungen gegen diese Versprechen. Amerika läßt sich jedes Jahr für etwa 250 Milliarden Dollar Ware liefern, die es mit frisch erzeugtem Falschgeld bezahlt.

Am Anfang behauptete man zwar noch, diese Versprechungen seien durch Gold gedeckt. Aber als Frankreich und andere wirklich Gold haben wollten, machte Amerika 1971 das Goldfenster einfach zu und hielt sich nicht an sein Versprechen. Danach hat man dem Publikum weis gemacht, dass Gold kein Geld sei, und dass Geld und Staatsanleihen nicht gedeckt sein müssten, das Versprechen des Staates genüge und Staatsanleihen seien das Sicherste, was man sich denken kann. Nachdem das einmal gelungen war, gab es natürlich kein Halten mehr bei der Falschgeldproduktion.

Gibt es nach all den schlechten geschichtlichen Erfahrungen Gründe anzunehmen, dass unser Staat heute so etwas nicht mehr macht? Wohl kaum! Also versuchen wir einfach einmal zu erkennen, ob sich derselbe Vorgang tatsächlich heute wieder vor unseren Augen abspielt. Als Einleitung dazu nochmals ein Wagemann Zitat, weil darin der ganze Zynismus sehr schön zum Ausdruck kommt. Unter der Überschrift: „Wie man es machte“ schreibt Wagemann:

„Es ist bekanntlich ein wichtiger Kunstgriff aller Zauberkünstler, die Aufmerksamkeit des Publikums auf eine nebensächliche, möglichst harmlose Stelle zu lenken, so das es den entscheidenden Teil der Handlung übersieht“ .

Und genau das geschieht heute wieder bei der Erzeugung von Falschgeld mittels Staatsanleihen und das Publikum wird mit diesem simplen Trick wieder getäuscht. Durch den Verkauf der Anleihen im Markt wird der entscheidende Teil der Handlung, nämlich die eigentliche Erzeugung des Falschgeldes, übersehen. Wie also funktioniert der Trick heute, vor unseren Augen?

Dass Banken mit Trick 3 aus dem Nichts Geld erzeugen, ist in Fachkreisen unbestritten und eigentlich gängige Lehrbuchweisheit. Gleichwohl hält sich im Publikum hartnäckig die Vorstellung, die Banken würden vorwiegend Ersparnisse einsammeln und gegen höhere Zinsen wieder ausleihen. In jedem Lehrbuch steht aber klipp und klar, dass die Banken die Einlagen nur als Grundlage benutzen, um daraus mehr als den 10 fachen Betrag an neuem Geld in Form von Buchgeld zu erzeugen, und das ist es, was sie ausleihen und woran sie verdienen, nicht die Einlage. Die Beispiele in den Lehrbüchern werden meist nur mit dem 10fachen gerechnet, damit es nicht gleich so üppig aussieht. Die Praxis tendiert mehr zum 20 bis 40fachen. Eine Bank erzeugt im Prinzip neues Geld, indem sie einfach auf beiden Seiten der Bilanz den gewünschten Betrag einbucht. Daher der Name Buchgeld. Im Lehrbuch wird das etwas verwirrend so beschrieben: „Sie kauft Forderungen gegen ihre Schuldner an, die den Aktiven zugeschrieben werden und gibt dagegen Buchgeld aus, das unter den Passiven erscheint.“ Forderungen monetisieren nennt man diesen Vorgang.

Noch hartnäckiger ist aber im Publikum die Vorstellung verankert, der Staat würde sich von seinen Bürgern nur erspartes Geld leihen, wenn er eine Anleihe ausgibt. Dem ist nicht so. Wie bei einem Wechsel ist schon mit der Unterschrift neues Geld entstanden. Das Geld entsteht mit dem Akt der Verschuldung. Wenn ich einen Wechsel ausstelle, erzeuge ich neues Geld und bezahle damit. Genau das Gleiche geschieht, wenn der Staat eine Anleihe ausstellt. Deshalb haben die Nazis ja auch die Anleihe am Anfang noch Wechsel genannt. Allerdings verschwindet beim richtigen Wechsel das neue Geld automatisch wieder nach Ablauf von drei Monaten, im Gegensatz zur Anleihe, bei der das neue Geld immer im Kreislauf bleibt.

Der Staat unterschreibt die neue Anleihe, trägt sie zur Bank, die dafür Buchgeld erzeugt, sie monetisiert, und damit ist das Falschgeld bereits entstanden. Wenn die Bank anschließend die neue Anleihe ans Publikum verkauft und das Publikum sich auf Zinssätze und Laufzeit konzentriert, bevor es sein erspartes Geld scheinbar dem Staat gibt, ist in Wahrheit das Geld längst erzeugt und zusätzlich bereits im Kreislauf, soweit die Anleihe von Banken bereits monetisiert wurde.

Wenn Sie z.B. in der Zeitung lesen, dass die Bundesrepublik Anfang 2000 eine neue Anleihe über 5 Milliarden Euro mit 30 Jahren Laufzeit aufgelegt hat, dass davon aber nur 2,5 Milliarden im Markt untergebracht wurden und die Bundesbank die restlichen 2,5 Milliarden zur „Marktpflege“ aufgenommen (monetisiert) hat, so erkennen Sie klar, dass mindestens 2,5 Milliarden frisches Falschgeld in Form von Zentralbankgeld in den Umlauf gekommen ist, aus denen die Banken dann 25 Milliarden Buchgeld machen können, wenn man mal 10% fractional reserve unterstellt. Mit diesen 25 Milliarden Buchgeld kann der Markt dann locker die restlichen 2,5 Milliarden Anleihen aufnehmen. Anleihen werden ja häufig noch mit Buchgeld gekauft und nicht mit Bargeldkoffern.

Man kann sich das etwa so vorstellen, als ob ein gewöhnlicher Geldfälscher 100 Millionen Falschgeld druckt und bei einer befreundeten Bank deponiert, die ihm dafür Buchgeld gutschreibt. Allerdings besteht bei gedrucktem Falschgeld immer die Gefahr, dass es einer merkt. Besser wäre es schon einen gefälschten Rembrandt oder gefälschtes Gold zu deponieren. Aber das müsste auch immer im Tresor bleiben. Am allerbesten ist daher ein falsches Zahlungsversprechen. Da kann nämlich niemand nachweisen, das es falsch ist, und man kann es daher auch ohne Probleme wie einen Wechsel weiterverkaufen, besonders wenn es nie eingelöst werden muss.

Machen wir zu diesem wichtigen Punkt noch einmal ein kleines Gedankenexperiment mit unserer Bierdeckelrunde. Nehmen wir an, der Wirt spielt mit und legt eine Staatsanleihe auf. Zu diesem Zweck unterschreibt er 10 Bierdeckel, auf denen steht: „Ich, der Wirt, bestätige, dass ich in einem Jahr, gegen Vorlage dieses Deckels 20 Mark schulde - Unterschrift der Wirt“ Zur Unterscheidung von den ersten Deckeln und zum Zeichen, dass es sich hier um eine Staatsanleihe handelt, sind die Deckel vom Wirt viereckig. Der reiche A unterschreibt nun seinerseits 10 runde Bierdeckel a 20 Mark und gibt sie dem Wirt für seine Staatsanleihe. Damit ist die Staatsanleihe monetisiert und es sind 200 Mark frisches Kreditgeld im Kneipensystem, das jetzt der Wirt in der Kasse hat. Anschliessend verkauft A die Staatsanleihe an die anderen. Jeder kauft einen viereckigen Deckel von A und bezahlt mit seinem runden Kreditgelddeckel, den er aus der ersten Kreditgeldschöpfungsrunde noch hat. Damit ist die Anleihe ans Publikum verkauft, und jeder hat jetzt einen viereckigen Staatsanleihedeckel. Der reiche A hat jetzt 10 Kreditgelddeckel und den 20 Markschein. Diesen 20 Markschein muß er haben, weil er ja 200 Mark verliehen hat und dafür 20 Mark Reserve vorhalten muß, wenn wir mal unterstellen, dass es sich um ein sehr solides Sytem mit 10% Reserve (fractional reserve) handelt. Wir haben jetzt also 400 Mark Kreditgeld im System - 200 Mark beim Wirt und 200 Mark bei A. Der A kann die 10 runden Bierdeckel jetzt an die Freunde gegen Zins verleihen, oder die können sich beim Wirt in der Küche einen Deckel verdienen z.B. durch Geschirr spülen. Es kann aber auch ein Freund auf den Gedanken kommen, seine Staatsanleihe zu verkaufen, um sich Bargeld zu beschaffen. In diesem Fall muß A zur Frau Wirtin als Mutter Zentralbank gehen, ihr die Staatsanleihe ihres Mannes geben und sich 20 Mark Bargeld aus der Kasse aushändigen lassen, weil er ja immer 10% des verliehenen Geldes bar vorrätig haben muß. Wenn der Freund nun aber die 20 Mark beim A als Ersparnis wieder einzahlt, dann können die wieder rundum verliehen werden, und schon sind 600 Mark Kreditgeld im System und der Wirt kann eine neue Staatsanleihe auflegen, weil der A ja nun weitere 20 Mark in der Kasse hat, das sind dann 800 Mark Kreditgeld. Haben Sie noch die Übersicht? So ungefähr läuft es auch in der Wirklichkeit ab. Übrigens, wenn Sie sich Gedanken machen, wie der Wirt nach einem Jahr denn nun seine Verplichtung erfüllt, für seine Staatsanleihen 200 Mark zu zahlen, so kann ich Sie beruhigen. Er unterschreibt 10 neue viereckige Deckel à 20 Mark.

In ihrem schönen Geldmuseum hat die Bundesbank den Vorgang mit dem fractional banking auch einigermassen verständlich erklärt. Das etwas erstaunliche Endergebnis müssen Sie allerdings sehr schnell geniesen. Immer wenn man gerade verstehen will, wie denn nun die 10.000 Mark fiat money wirklich aus dem Nichts entstanden sind, geht das Licht aus. Um es nochmals auf einen ganz einfachen Nenner zu bringen, - in a nutshell, wie die Amerikaner so schön sagen: die Banken, der Staat, und auch Amerika dürfen Falschgeld erzeugen, für das sie keinerlei Gegenleistung erbringen müssen (A und der Wirt müssen nicht leisten), während alle anderen für Geld, auch für ihr Kreditgeld, arbeiten müssen. Das ist so ziemlich das intelligenteste Sklavensystem, das je erfunden wurde.

Damit Sie nun nicht glauben, dass nur ich das so sehe, möchte ich noch ein Zitat von Prof. Wilhelm Hankel anfügen, der ja unter Karl Schiller u.a. für unser Geldsystem Mitverantwortung trug. Er sagt im Grunde das Gleiche wie ich, vielleicht nur nicht ganz so brutal: „Seit Midas‘ Entdeckung des stoffwertlosen Geldes reklamieren die Staaten und ihre Zentralbanken das Geldschöpfungsmonopol für sich. Den von ihnen inzwischen voll abhängigen Geschäfts- oder Privatbanken überlassen sie großzügig den Geldhandel - das Kreditgeschäft der Geldübertragung. So verdienen die einen prächtig an der Geld-, die anderen an der nicht minder lukrativen Kreditschöpfung“

Oder wenn Sie den gleichen Sachverhalt mehr wissenschaftlich formuliert aus der Feder eines ehemaligen Mitglieds des Bundesbankdirektoriums, nämlich Prof. Otto Veit, lesen wollen, dann klingt das etwa so: „Es findet eine Umverteilung in der gegenwärtigen Periode statt. Die Banken selbst kommen dabei in eine etwas merkwürdige Position. Der mit dem Kreditakt verbundene Verbrauchsverzicht belastet nicht die kreditgewährende Bank. Beim Primärkredit schafft die Bank neues Geld und damit wird einem Dritten ein Güterverzicht auferlegt und zwar all denen, die durch den Kredit nicht unmittelbar begünstigt sind. Diese eigenartig vorteilhafte Lage einer kreditgebenden und geldschaffenden Bank wird vom Staat unterstützt, wenn das von der Bank geschaffene Geld gesetzlich sanktioniert wird. Ist diese staatliche Sanktion in der Wirtschaft allgemein anerkannt, so lösen die Banken ihre Schuldversprechen ein, indem sie immer neue Schuldversprechen geben. Die Bank selbst braucht den versprochenen Umtausch in andere Güter niemals zu leisten.“

Oder denselben Sachverhalt diesmal aus der Feder des ehemaligen Bundesbankpräsidenten Helmut Schlesinger: „Durch die öffentliche Kreditaufahme werden zusätzliche, verzinsliche Forderungsrechte in Umlauf gebracht. Dem steht zwar zunächst im privaten Sektor ein Entzug von Kaufkraft gegenüber; im Zuge der Verausgabung der Mittel bei der Haushaltsbewirtschaftung gelangt dieses Geld indes alsbald wieder in die Hände der Privaten zurück. Im Ergebnis ist also das gesamte Netto-Vermögen des privaten Sektors nach Maßgabe der öffentlichen Kreditaufnahme erhöht. Zugespitzt formuliert: Die Emission von „Ersatzgeld“ über Staatsverschuldung erübrigt die Ausgabe von zusätzlichem Zentralbankgeld, etwa die Offenmarktoperationen der Währungsbehörde“. Schlesinger nennt es lieber Ersatz-Geld statt Falschgeld.

Ich hoffe, dass ich Sie mit dieser geschichtlichen Betrachtung und mit diesen abschließenden Zitaten davon überzeugen konnte, dass es sich in der Tat um legales, also staatlich sanktioniertes Falschgeld handelt. Dieser Begriff wird zwar immer schamvoll umgangen, aber er bringt Klarheit in die Sache. Er erleichtert auch wesentlich die Analyse der Ursachen für die erstaunliche und ja teilweise auch segensreiche Wirkung von Falschgeld.

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